Guru Bhagwan

Bhagwan Rajneesh und seine Mitarbeiterin Sheela stehen im Mittelpunkt des Dokumentarfilms "Guru". © Pandora Film Verleih
Von Anne Francoise Weber · 21.09.2010
Gruppensex, Intrigen, Luxusautos und viel Geld: Die Geschichte des Bhagwan Rajneesh und seiner Mitstreiterin Sheela hat die Schweizer Filmemacherin Sabine Gisiger nachgezeichnet. Der Dokumentarfilm "Guru" kommt jetzt in die Kinos.
Therapie und Religion, Sexualität und Spiritualität zu verbinden, das versuchte Bhagwan Rajneesh mit seiner Bewegung. 1931 in Mittelindien als Rajneesh Chandra Mohan geboren, ist er in den 60ern als Philosophiedozent tätig. Im westindischen Poona gründet er 1974 ein Meditationszentrum. Dorthin pilgern Tausende Anhänger der Hippie-Bewegung und geben sich der Mischung aus Selbsterfahrung, Meditation und Gruppensex hin. Völlige Hingabe an das Dasein ist ihr Ziel. Bhagwan fasziniert durch seine provokanten Thesen, seine Heilsversprechen, seinen Spott gegen bürgerliche Konventionen und seinen Hedonismus.

1981 zieht Bhagwan mit seiner Kommune in die USA, nach Oregon. Drei Jahre lang hält er keine öffentliche Rede, seine Mitarbeiterin Ma Anand Sheela Silverman übernimmt die Leitungsfunktion und geht zunehmend autoritär und kriminell vor. In der Wüste entsteht ein Imperium, in dem Bhagwan seinen Narzissmus auslebt. Er predigt die Auflösung des Egos und betreibt sie durch die Einnahme von Drogen. Ihn interessieren schöne Frauen, Juwelen und Autos.

Bhagwan schikaniert seine Anhänger, Sannyasin genannt –zeitweise soll es weltweit eine halbe Million gewesen sein, viele von ihnen gut ausgebildete, wohlhabende Menschen, die ihren Guru mit großen Spenden bedenken. Sie sollen jahrelang nur rote Kleider und ein Amulett mit seinem Bild tragen. Viele arbeiten unentgeltlich für den Aufbau seiner Kommune.

1985 kommt es zum Zerwürfnis zwischen Sheela und Bhagwan, der schließlich wegen massiver Steuerhinterziehung aus den USA ausgewiesen wird. Sheela verbüßt eine mehrjährige Haftstrafe, er irrt durch die Welt, bis er schließlich nach Poona zurückkehrt und dort wieder in seinem Ashram wirkt.

Kurz vor seinem Lebensende lässt sich Bhagwan Osho nennen. Dafür gibt es, wie für viele seiner Lehren, unterschiedliche Interpretationen. Er selbst leitete den Namen von "oceanic" ab. "Sich im Ozean aufzulösen", galt ihm als Lebensziel. Einen Ozean voller Geld hatte er jedenfalls angehäuft. Sein Vermögen wurde bei seinem Tod auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt. In seinem Gefolge sind weltweit Osho-Zentren entstanden, die Meditationsseminare und Managerschulungen anbieten.

Das Gespräch mit Filmemacherin Sabine Gisiger können Sie als MP3-Audio mindestens bis zum 21.2.2011 in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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