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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 18.10.2014

Guido Steinberg und Marwan Abou-TaamWie kann der IS-Terror gestoppt werden?

"Die Schwäche der deutschen Sicherheitsbehörden muss beunruhigen"

Moderation: Dieter Kassel

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Rauch über Kobane (picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)
IS nimmt offenbar Teile von Kobane ein (picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)

Kobane ist zum Wahrzeichen für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" geworden. Wie lange wird der Einsatz gegen die Islamisten noch dauern? Wie können sie besiegt werden? Darüber sprechen wir mit dem Terrorexperten Guido Steinberg und Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz.

Guido Steinberg, Nahost- und Terrorismus-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin sowie der Sozial- und Islamwissenschaftler Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt Rheinland Pfalz sprechen heute "Im Gespräch" über die Möglichkeiten, den Terror des "IS" zu stoppen.

"Mich beschäftigt vor allem, dass mir das, was in Syrien und im Irak passiert, zum ersten Mal Angst macht", sagt Guido Steinberg, Nahost- und Terrorismus-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. "Der 11. September konnte nur passieren, weil die Sicherheitsdienste nicht funktioniert haben; die Schwäche der einen war die Stärke der anderen. Aber mittlerweile sind sie so ungeheuer stark, dass sie mir Angst machen."

Es sei nur eine Frage der Zeit, dass auch Anschläge in Europa und Deutschland geschehen könnten. "In dem neuen Online-Auftritt der 'IS´ drohen sie ausdrücklich denjenigen Staaten – auch Deutschland –, die sich an der Kampagne beteiligen."

Es drohe eine "Globalisierung des islamistischen Terrorismus", die auch deutsche Extremisten anziehe, warnt er in seinem neuen Buch "Al Qaidas deutsche Kämpfer". "Die Schwäche der deutschen Sicherheitsbehörden muss beunruhigen, wenn man sich die wachsende Zahl der deutschen Dschihadisten in den letzten Jahren ins Bewusstsein ruft."

"Die Logik der islamistischen Terroristen ist so, dass sie immer dann zuschlagen, wenn es ihnen möglich erscheint", sagt der Sozial- und Islamwissenschaftler Dr. Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt Rheinland Pfalz. "Je mehr Europäer in diese Szene hineingeraten, desto mehr hat die Szene strategisches Wissen von Berlin, Bonn, Köln. Sie bringen potentielle Ziele mit."

Umso wichtiger sei es, den Extremismus auch außerhalb der Krisenregion zu bekämpfen. Der "IS" könne besiegt werden: "Er ist zu stoppen. Sie sind nicht die besseren Gläubigen, sie sind keine Übermenschen, es sind ganz normale Terroristen, die in klandestinen Strukturen arbeiten. Und diese Strukturen können geschwächt und zerstört werden."

Dafür müsse man allerdings die regionalen Akteure zusammenbringen; dies sei angesichts der höchst unterschiedlichen Interessen eher unwahrscheinlich: "Saudi-Arabien wie der Iran führen hier Stellvertreterkriege als mögliche Ventile für ihre eigenen Konflikte – und deshalb ist eine Einigung zurzeit sehr schwer. Der nächste Punkt, Russland mit der Ukraine: Die sind nicht daran interessiert, den USA irgendetwas zu schenken; und die USA umgekehrt nicht Russland. Das sind eingefrorene Konstellationen auf weltpolitischer Ebene. Drittens: Wie kann man die Türkei überzeugen, dass die ISIS gefährlicher ist, als die PKK? Im besten Fall sind es zwei Terrorgruppen, die sich gegenseitig beseitigen."

Infos im www:

Über Dr. Guido Steinberg: http://www.swp-berlin.org/de/wissenschaftler-detail/profile/guido_steinberg.html

Über Dr. Marwan Abou-Taam: http://www.heymat.hu-berlin.de/team/forschende/abou-taam

Literaturhinweis:
Guido Steinberg: "Al-Qaidas deutsche Kämpfer. Die Globalisierung des islamistischen Terrorismus." edition Körber-Stiftung, 2014

Wir fragen:
Wie konnte der "Islamische Staat" überhaupt so stark werden?
Was bedeutet der Vormarsch für die Region und die westliche Welt?
Wie kann der "IS"" gestoppt werden?

Darüber spricht Dieter Kassel am 17.10.14 von 9.05 Uhr bis 11 Uhr mit Guido Steinberg und Marwan Abou-Taam.
Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de.

 

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