Freitag, 18.01.2019
 

Kompressor | Beitrag vom 26.01.2018

Guerrilla-Girls-Retrospektive in Hannover Auf eine eigene verrückte kreative Art aktiv sein

Frida Kahlo und Käthe Kollwitz im Gespräch mit Timo Grampes

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Die beiden Guerrilla Girls stehen am 24.01.2018 vor Beginn ihrer Ausstellung "The Art of Behaving Badly" in der Kestnergesellschaft in Hannover (Niedersachsen) für die Fotografen in Pose. Seit 1985 operieren die Guerrilla Girls aus den USA als eine anonyme Gruppe von Aktivistinnen, die auf die Unterrepräsentanz von Frauen und Farbigen in Galerien, Museen und anderen Kunstinstitutionen aufmerksam machen.  (picture-alliance / dpa / Peter Steffen)
Zwei der Guerrilla Girls posieren vor Beginn ihrer Ausstellung "The Art of Behaving Badly" in der Kestnergesellschaft in Hannover. (picture-alliance / dpa / Peter Steffen)

Es ist die erste eigene Ausstellung der "Guerrilla Girls" in Deutschland, die in Hannover zu sehen ist. Wer sich hinter den Gorilla-Masken des Aktivistinnen-Kollektivs verbirgt, ist noch immer unbekannt. Zwei von ihnen geben jetzt aber einen Blick hinter die Kulissen - unter ihren Decknamen.

"Wir waren so wütend über die unglaublich niedrige Anzahl weiblicher und nicht-weißer Künstler und Künstlerinnen, die in New York City Ausstellungen hatten", erzählt Käthe Kollwitz über die Anfänge der Guerrilla Girls im Jahr 1985. Sie sind klar und direkt, aber auch humorvoll in ihrer Botschaft. Mit Humor gelingt es ihnen, Zugang auch zu Menschen zu bekommen, die anderer Meinung als sie sind, erzählt Frida Kahlo. "So hat man eine wesentlich größere Chance, dass die Leute ihre Meinung ändern." 

Die Guerrilla Girls sind ein Künstler-Kollektiv mit einer Mission. Sie kritisieren, dass zu wenige Frauen und zu wenige nicht-weiße Künstler im Kulturbetrieb Beachtung finden. Die Ausstellung "The Art of Behaving Badly" der Kestnergesellschaft Hannover ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Gezeigt werden Arbeiten, die zwischen 1985 und 2017 entstanden sind.

Eines ihrer Poster hängt weltweit in den Wohnungen 

"Wir sind eine Gruppe Künstlerinnen und als solche wollen wir immer eine Art grenzüberschreitende Kunst machen", sagt Käthe Kollwitz. "Wir haben unsere eigene verrückte kreative Art, aktiv zu sein." Zu ihren Aktionen gehört es, Protest-Projektionen auf die Außenwände von Museen zu werfen oder in den Museen heimlich Aufkleber gegen die Museums-Leitlinien zu hinterlassen. Bei internen Konflikten versuchen sie, einen Konsens zu erreichen - nicht immer ganz einfach bei 55 Aktivistinnen. Aber "natürlich arbeiten nicht alle Mitglieder gleichzeitig an denselben Projekten. Wir arbeiten je nach unseren Stärken an verschiedenen eigenen Projekten", erzählt Kahlo.

Ihre bekannteste Aktion ist ein Poster, auf dem ein weibliches Modell eine Gorilla-Maske trägt, darüber steht: "Do women have to be naked to get into the Met Museum?" Und darunter: "Nur 5 Prozent der Künstler in den Abteilungen der Modernen und Zeitgenössischen Kunst sind Frauen. Aber 85 Prozent der Aktbilder zeigen Frauen." Käthe Kollwitz sagt darüber: "Wir hätten auch einfach ein Poster machen können, auf dem steht 'Es gibt nicht genug Arbeiten weiblicher Künstlerinnen in den Museen', aber dann gäbe es nicht weltweit Leute, die dieses Poster bei sich an der Wand haben." 

Auch #MeToo spielt eine Rolle für ihre Arbeit 

Seit 1985 beackern die Guerrilla Girls ihr Thema. "Auf der unteren Ebene, in Galerien gibt es tatsächlich mehr Frauen, mehr Trans-Künstler, mehr schwarze Künstler als jemals zuvor. Aber das ist ein sehr langsamer Prozess", meint Käthe Kollwitz. Antrieb für ihr Thema kommt auch aus einer anderen Ecke: Auch die #MeToo-Debatte berührt den Kunstbetrieb. "Es hat immer Hierarchien in der Kunstwelt gegeben und weiße Männer haben immer Privilegien gehabt, sowohl als Künstler als auch als Kunst-Professoren, die sie oft auch ausgenutzt haben. Zurzeit kommen in den USA viele Berichte an die Öffentlichkeit: Von berühmten Künstlern, die Modelle oder jüngere weibliche Künstlerinnen ausgenutzt haben, und von Kunst-Professoren, die ihre Studentinnen sexuell ausgenutzt haben. Wir ermutigen Frauen, ihre Geschichten zu erzählen – Frauen und Männer – darüber, wie die Mächtigen in der Kunstwelt sie missbraucht und ausgebeutet haben", sagt Frida Kahlo.
(inh)

Guerrilla Girls: "The Art of Behaving Badly"
26. Januar bis 8. April 2018
Kestnergesellschaft Hannover 

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