Seit 18:30 Uhr Hörspiel
Sonntag, 16.05.2021
 
Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.04.2020

Günter Wallraff über das Begrüßen in CoronazeitenDen Drecksäcken nicht mehr die Hand schütteln

Moderation: Johannes Nichelmann

Portait, Günter Wallraff steht vor einer Mauer (dpa / Caroline Seidel)
Die Bussi-Gesellschaft war noch nie sein Ding, sagt Günter Wallraff. (dpa / Caroline Seidel)

Wegen Ansteckungsgefahr ist derzeit kein Handschlag und kein Bussi Bussi erlaubt - richtig so, findet Günter Wallraff. Er plädiert für neue Begrüßungsrituale. Bei einigen Zeitgenossen wäre er ohnehin auch schon vor Corona lieber auf Distanz geblieben.

Manche Dinge ändern sich schnell. Innerhalb eines Monats haben sich die meisten Menschen daran gewöhnt, dass Händeschütteln bis auf weiteres tabu ist. Auch Küsschen rechts, Küsschen links ist aus epidemiologischer Sicht verboten. Wie also begrüßen in Zeiten des Virus?

Ellenbogencheck und Ghettofaust: nein danke!

Er sei noch nie ein Freund der Bussi-Gesellschaft gewesen, sagt der investigative Reporter und Autor Günter Wallraff ("Der Aufmacher", "Ganz unten"): "Das habe ich immer abgelehnt." Auch habe er oft jemandem aus Höflichkeit die Hand gegeben und hätte sie sich hinterher gerne gewaschen: "Nicht weil jemand eine schmutzige Hand hat, sondern weil es ein Drecksack im übertragenen Sinne ist."

Coronavirus-NewsletterAuch der Ellenbogen-Check findet bei Wallraff keine Gnade: "Wir leben ohnehin in der Ellenbogengesellschaft." Das müsse man nicht auch noch symbolisch verstärken. Und die Ghettofaust erinnere an das Faustrecht, gibt Wallraff zu bedenken.

Heißt das, wir sollen uns gar nicht mehr begrüßen? Keineswegs. Wallraff schlägt vor, sich an asiatischen Gepflogenheiten zu orientieren: "Wir können uns dem Gegenüber mit geöffneten Händen entgegenstellen."

Die Umarmung bleibt auf jeden Fall

Für Wallraff ist es an der Zeit, umzudenken. Ist das bedenkenlose Händeschütteln überhaupt nötig? Muss der Untergebene dem Chef die Hand reichen?

Eines lasse er sich allerdings auch durch alle Virologen der Welt nicht verbieten, betont der 77-Jährige: "eine starke, ernst gemeinte, herzliche, liebevolle Umarmung".

Die müsse es auf jeden Fall weiter geben.

(beb)

Mehr zum Thema

Über das Glück in Norddeutschland - Das Geheimnis des "Moin Moin"-Grußes
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 20.03.2020)

Corona - Wie uns das Virus respektvoller und demütiger macht
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 19.03.2020)

Philosophin Svenja Flaßpöhler - Der Nullpunkt als riesige Chance
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 15.04.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur