Seit 03:05 Uhr Tonart

Sonntag, 29.03.2020
 
Seit 03:05 Uhr Tonart

Interview / Archiv | Beitrag vom 09.09.2016

Grünen-Politikerin Franziska Brantner"Kinderehen gehören grundsätzlich nicht anerkannt"

Moderation: André Hatting

Podcast abonnieren
Zwei Eheringe (dpa/picture-alliance/Friso Gentsch)
Kinderehen stellen die Politik vor neue Herausforderungen. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Bundesjustizministeriums berät darüber, ob Gesetzesänderungen nötig sind. (dpa/picture-alliance/Friso Gentsch)

Auch in Deutschland gibt es inzwischen 1500 Kinderehen. Die Grünen-Politikerin Franziska Brantner befürwortet den Berliner Vorstoß, nach dem erwachsene Männer das Sorgerecht für ihre minderjährigen Ehefrauen nicht bekommen können. Außerdem spricht sie sich für sorgfältige Einzelfallprüfungen aus.

"Wir sind eindeutig gegen Kinderehen", sagte die Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik bei Bündnis90/Grüne, Franziska Brantner im Deutschlandradio Kultur. Sie zeigte sich aber skeptisch, ob Gesetzesänderungen tatsächlich für die betroffenen Mädchen hilfreich seien. Anfang der Woche hatte sich unter Leitung des Bundesjustizministeriums eine Arbeitsgruppe getroffen, um darüber zu beraten, wie man Kinder vor Zwangsehen besser schützen könne.  

Verheiratete Kinder unter den Flüchtlingen  

Über die Fluchtrouten sind auch verheiratete Kinder nach Deutschland gekommen. Das Bundesinnenministerium gab aufgrund einer Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen bekannt, dass es bundesweit rund 1500 Kinderehen gebe, wobei die Dunkelziffer noch höher liegen soll. Die größte Gruppe komme aus Syrien, aus Afghanistan und dem Irak, sagte die Grünen-Politikerin.  

Kindeswohl sollte im Vordergrund stehen

"Die Frage ist, wie hilft man den Mädchen?", sagte Brantner. "Unser Ziel ist es, das Kindeswohl zu sichern und dann zusammen mit Jugendämtern und Familiengerichten vor Ort zu schauen, was brauchen diese Mädchen."

Dabei gehe es vor allem um Ehen zwischen 14 und 16 Jahren, denn davor seien solche Verbindungen ohnehin nicht legal und gälten als sexueller Missbrauch. Da viele Mädchen sich nur in männlicher Begleitung auf die Flucht begeben durften, handele es sich in manchen Fällen um eine Art Schicksalsgemeinschaft minderjähriger Jugendliche. Sie sollten dann besser in einer Einrichtung der Jugendhilfe unterkommen.

In anderen Fällen könne es der richtige Weg sein, die Ehe aufzuheben. Brantner sagte, ihre Partei unterstützte die Forderung, dass erwachsene Ehemänner von Mädchen nicht etwas das Sorgerecht für ihre minderjährigen Ehefrauen erhielten, als richtigen Schritt.   

Mehr zum Thema

Kinderehen in Deutschland - "Frauenrechte müssen unverkäuflich sein"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 05.09.2016)

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur