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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 12.02.2018

Große Koalition "Überleben diese beiden Volksparteien überhaupt?"

Albrecht von Lucke im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Die Schatten von Horst Seehofer, Angela Merkel und Martin Schulz auf einer blauen Wand (Imago)
Die Schatten der Parteivorsitzenden Horst Seehofer, Angela Merkel und Martin Schulz (Imago)

Der Politologe Albrecht von Lucke rechnet mit einem "Ja" zur Großen Koalition beim Mitgliederentscheid der SPD. Doch dann stelle sich in den kommenden vier Jahren die Frage nach dem Überleben der großen Volksparteien.

"Wir haben es mit drei Verlierern zu tun", sagte unser Studiogast, der Publizist und Politologe Albrecht von Lucke, über die schwierige Koalitionsbildung in Berlin. Das sei bereits seit der Bundestagswahl bekannt. Nun klammerten sich die drei Parteien, CDU,CSU und SPD, ebenso wie ihre Parteivorsitzenden aneinander. 

Der Politikwissenschaftler und Publizist Albrecht von Lucke in Studio 9. (Deutschlandradio – Laura Lucas)Albrecht von Lucke zu Gast im Studio. (Deutschlandradio – Laura Lucas)

Krise der Parteien

Union und SPD seien in einer fundamentalen Krise, sagte von Lucke. "Wenn heute gewählt würde, käme diese Große Koalition schon nicht mehr zustande", sagte von Lucke im Deutschlandfunk Kultur. Die SPD würde bei Neuwahlen massiv verlieren, wie die Umfragen zeigten. Aber auch die CDU würde gegenwärtig schlechter abschneiden. Der Politologe sprach von einer hochdramatischen Inhalts- und Identitätskrise der Partei. Trotzdem glaube er, dass Merkel Recht habe, wenn sie sage, dass die Übergänge in den nächsten vier Jahren für beide Parteien zu bewerkstelligen seien. "Es spricht also beides dafür, dass weder die SPD noch die CDU/CSU sofort einen Anlass haben könnten, diese Konstellation zum Bruch kommen zu lassen."  

Warten auf die Regierung 

Das Land sei irgendwann gut bedient, wenn es endlich wieder eine Regierung habe, sagte von Lucke. "Das Problem ist gegenwärtig, dass dieses Land in Zuständen ist, die es gar nicht kennt." Der Unmut in der Bevölkerung richte sich vor allem dagegen, dass es immer noch keine Regierung gebe trotz dramatischer weltpolitischer Herausforderungen. Die Große Koalition sei die Lösung für dieses Problem. Er rechne nach dem Abgang von Schulz mit einer Zustimmung der SPD zur Großen Koalition bei ihrem MItgliederentscheid.

Die Existenzfrage

Allerdings seien beide Volksparteien gefordert, nach vier Jahren Regierung auch als Volksparteien wieder herauszukommen. "Diese Demokratie  hat nur funktioniert, weil  zwei Volksparteien in der Lage waren, einen Wechsel herzustellen, aber auch als starke Volksparteien überhaupt existierten." In den nächsten Jahren werde sich aber die Frage stellen: "Überleben diese beiden Volksparteien überhaupt?" Das hänge maßgeblich von der Frage ab, was nach Merkel komme und wie sich die SPD erneuern werde.

Albrecht von Lucke, 1967 geboren, ist Jurist und Politikwissenschaftler sowie politischer Publizist. Seit 2003 ist Lucke Redakteur der politischen Monatszeitschrift "Blätter für deutsche und internationale Politik".

Die ganze Sendung mit Albrecht von Lucke hören Sie hier:

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