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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.01.2018

GrippeWie wir eine "Herdenimmunität" erreichen

Stephan Ludwig im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Ein Mann putzt sich die Nase. (imago/Paul von Stroheim)
Der Dreifachimpfstoff wirkt kaum gegen den verbreiteten Grippevirus, meldet das Robert Koch-Institut. (imago/Paul von Stroheim)

Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen. Wir sind mitten in der Grippe-Saison. Doch die Impfung mit dem gängigen Dreifachimpfstoff wirkt nach einer ersten Einschätzung von Experten in dieser Saison nur bedingt. Das beste wäre eine "Herdenimmunität".

Zehntausende Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an der Influenza. Im letzten Jahr sind mehr als 600 Menschen an der Grippe gestorben. Ärzte raten zur Impfung, aber die Grippe-Viren entwickeln sich ständig weiter. Darum wirke der Dreifachimpfstoff, der sich aus den drei verbreitetsten Virustypen zusammensetzt, in diesem Jahr nur bedingt, meldet das Robert Koch-Institut.

Von der Drei- zur Vierfachimpfung

Stephan Ludwig, Professor am Institut für Molekulare Virologie der Universität Münster, ist dabei, ein Medikament zu entwickeln, das viele Jahre wirksam gegen die Grippe schützen soll. Er rät auch zu einer Impfung:

"Es macht in jedem Fall Sinn, sich mit diesem Dreifachimpfstoff zu impfen. Der enthält drei Komponenten gegen drei zirkulierende Virustypen. Und im Moment ist es so, dass einer dieser Virustypen, ein Influenza-B-Virus-Stamm, nicht von dem Subtyp ist, der in dem Impfstoff enthalten ist. Nichts destotrotz sind aber die beiden anderen Subtypen noch enthalten und sind wirksam. Die machen auch noch 40 Prozent aller Infektionen aus."

Das Robert Koch-Institut empfiehlt inzwischen sogar eine Vierfachimpfung, bei der die Krankenkassen allerdings noch zögerlich mit der Erstattung seien, erklärt Ludwig.

Nicht nur sich selbst, auch andere schützen

Generell gelte: Je mehr Menschen geimpft seien, desto besser für alle, sagt Ludwig.

"Die Cochrane Organisation, eine unabhängige Prüforganisation, hat in Auswertung von Studien mal erkannt, dass, wenn wir eine Durchimpfungsrate in Deutschland von etwa 70 Prozent hätten, wie sie auch die WHO wünscht, dann würde die Gefahr, sich an der Grippe zu infizieren, um die Hälfte vermindert, weil man dann eine sogenannte Herdenimmunität hat."

(cosa)

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