Grenzbeamter liebt Fluchthelferin

Ein TV-Tipp von Bernd Sobolla |
Hunderte Menschen versuchen täglich unter Lebensgefahr und in der Hoffnung auf ein besseres Leben die Grenzen zur EU zu überwinden. Schleuser, also Fluchthelfer, nehmen dabei eine Schlüsselstellung ein. Sie kennen mögliche Wege und führen die Flüchtlinge gegen Bezahlung in eine vermeintlich bessere Zukunft.
Der Regisseur Hartmut Schoen, hat sich vor diesem Hintergrund aufgemacht, die Liebesgeschichte zwischen einem Grenzbeamten und einer Fluchthelferin an der polnisch-ukrainische Grenze zu erzählen. Der TV-Film "Der Grenzer und das Mädchen" wurde letzte Woche in der Akademie der Künste in Berlin vorgestellt und läuft am Mittwoch Abend um 20.15 Uhr im Ersten Programm.

"Menschenschmuggel ist heute lukrativer als der Schmuggel mit Rauschgift. Jetzt tritt ihr Land an, erste und dritte Welt abzugrenzen: Arm und reich, Ost und West, Chaos und Ordnung. Vergessen Sie das bitte nie. Ah, Kollege Müller ist auch endlich da. Wie schön! Menschenschmuggel, welche operativen Maßnahmen können wir ansetzen? Bitte! …"

Eine Gruppe polnischer Grenzbeamter wird von dem EU-Sonderberater Rathke in Sachen Menschenschmuggel und Abgrenzung getrimmt. Für den EU-Sonderberater eine Frage des harten Durchgreifens. Sein Helfer, der Bundesgrenzschutzbeamte Hans-Werner Müller, alias Axel Prahl, sieht die Sache etwas anders, erkennt auch die menschlichen Probleme, die hinter dem Flüchtlingsproblem stehen. Als er dann in zivil auf der ukrainischen Seite ermittelt, erkennt er eine Fluchthelferin, verstaucht sich jedoch das Bein, als er sie im Wald verfolgt. Und plötzlich ist er, der Jäger, auf ihre Hilfe angewiesen.

" Du bist neu hier in Amt von Grenze? … Wir können machen ein Geschäft. Ich helfe dir ein bisschen, und du hilfst mir ein bisschen – vielleicht. Sag? "

Regisseur Hartmut Schoen wohnt selbst an einer Grenze, wenn es auch am Übergang zur Schweiz weniger dramatisch zugeht. Aber als Dokumentarfilmer, hat er sich jahrelang mit Menschen befasst, die irgendwie - häufig im Niemandsland - ums Überlegen kämpfen.

" Das Hauptmotiv kam eigentlich durch einen Dokumentarfilm, den ich gemacht habe 1996. Der Inhalt war: Eine Frau wird von der Ukraine nach Deutschland verkauft als Hure. Und es hat mich sehr bewegt. Und diese ganzen Bilder und Empfindungen, die sind alle in diesem Film drin. "

Allmählich lernen sich Müller und die Fluchthelferin Lippa kennen. Sie, eine energische, wilde aber auch lebenslustige Frau, fasziniert den biederen Grenzschützer, bringt seine wohl geordnete Welt gehörig ins Wanken. Aber auch er wirkt in seiner Aufrichtigkeit durchaus anziehend auf Lippa.

" Also wieso soll ich schlechtes Gewissen haben, wenn ich Leute rüberbringe, sag!

Na ja, was soll ich da jetzt sagen, … weil die Regierungen es nicht wollen. Sie bringen Drittstaatler bzw. Negativstaatler in den Bereich der EU.

Die haben doch das Recht, dass sie gutes Leben haben dürfen!? "


In "Der Grenzer und das Mädchen" hat der Regisseur Hartmut Schoen Tagespolitik und zwischenmenschliche Beziehungen geschickt miteinander verknüpft. Er hat sich Zeit gelassen, das ukrainisch-polnische Grenzgebiet in Bildern festzuhalten, die dörfliche Tristesse und landschaftliche Schönheit gleichermaßen widerspiegeln. Das Ganze ist mit melancholischer Musik untermalt, die das Ende der Welt genau so gut darstellen könnte wie einen behutsamen Neuanfang. Axel Prahl spielt überzeugend routiniert. Und die in Sibirien geborene Margarita Breitkreiz liefert in ihrem ersten TV-Film ein überzeugendes Debüt.

Margarita Breitkreiz: "Das war so leicht. Ich weiß nicht, ich glaube, ich habe die Figur sofort gemocht. Als ich das Drehbuch gelesen habe, habe ich mich sehr in sie verliebt. Und dann, das ging, das ging sehr leicht. Man muss nur sich eine Situation vorstellen, die wirklich wahr ist. Und dann geht es einfach. "

Das ruhige Erzähltempo des Films wirkt allerdings manchmal etwas zu tragend. Und der EU-Sonderbeauftragte, der meist Kaugummi kauend und mit verschränkten Armen seine Untergebenen zusammenstaucht, erinnert an den üblichen bösen Vorgesetzten. Dafür stellt Schoen überzeugend dar, wie letztlich alle bei dem großen Flüchtlingsdrama nur Rädchen in einem großen Spiel sind.

"Tja, in einem von den Tälern hier ist es. Hier hocken die Schleuser. Sie kämpfen gegeneinander. Wussten Sie das? Sie bekämpfen sich, wie sagt man, bis aufs Blut. Es geht darum, wer die Macht hat in dieser Region."

TV-Tipp: "Der Grenzer und das Mädchen"
ARD, Mittwoch, 27. April, 20.15 Uhr