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Tonart | Beitrag vom 28.08.2020

Gregory Porter: "All Rise"Ein Mann mit der Mission zu beflügeln

Von Sarah Seidel

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Porträt des Jazzsängers Gregory Porter. (lauf / The New York Times / Jacob Blickenstaff)
Gregory Porter entwickelt sich mit jedem Album, sagt er. Momentan tendiert er mehr in Richtung Pop. (lauf / The New York Times / Jacob Blickenstaff)

Mit seinem Mix aus Jazz, Blues und Soul hat Musiker Gregory Porter viele Hörer gewonnen. Nun erscheint sein neues Album "All Rise": Wenn er davon spricht, sieht er einen Menschen, der vom Boden zum Fliegen abhebt.

"Everything you touch, is gold" (Alles, was du anfässt, wird zu Gold): Das könnte man auch über Gregory Porter selbst sagen. Er ist ein Musiker, der es vom New Yorker Jazz Hero mit Club-Gigs in Harlem und Brooklyn zu einem Global Player geschafft hat, der weltweit tourt und mit seinem Mix aus Jazz, Blues und Soul viele Hörer gewon¬nen hat, die sich sonst gar nicht für Jazz interessieren. Er hat sich in letzter Zeit viele Gedanken darübergemacht, was ihm in seiner Karriere wichtig war und wichtig ist.

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Gregory Porter: "I’m trying to lift people. And lift all people with the music. The haters and the lovers. And so, yeah, I think this record is trying to do the same thing. So, when I say 'We all rise', it’s like ..., you know, sometimes there’s one person who looks like he’s taking off the space and the others are trailing behind. I feel like we’re all flying together."

Er möchte die Menschen mit seiner Musik aufrichten, sagt Gregory Porter und meint damit alle Men­schen. Wenn er von "All Rise" redet, dann sieht er einen Menschen, der vom Boden abhebt, um zu fliegen. Mit all den anderen im Schlepptau hinter ihm. Viele Hände, die gleichzeitig nach oben gehen.

Er gleitet in Richtung Pop

Gregory Porter ist ein Afroamerikaner, der selbst immer wieder Rassismus erfahren musste und dennoch optimistisch bleibt beziehungsweise bleiben will. Er ist einer, der die Rassismusproblematik in den USA immer schon in seinen Songs thematisiert hat - ein Mann mit Mission.

Mittlerweile geht er musikalisch deutlich mehr in Richtung Pop als früher. Die Produktion von "All Rise" war ein riesiges Unterfangen. Es gab Aufnahmen in Los Angeles, London und Paris, mit dabei ein Chor, Bläser und das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Produzent Troy Miller.

Gregory Porter: "Yes. Troy is kind of a 'one shop stop' in terms of producers. He is very technically wise in the studio. Also, his arranging skills are extraordinary. Aside from that, he is a multi-instrumentalist. And so, as the drummer for Amy Winehouse, as the drummer for Roy Ayers, for many years."

Troy Miller sei als Produzent die Anlaufstelle, meint Gregory Porter. Sehr versiert im Studio. Ein exzellenter Arrangeur, ein Multi-Instrumentalist. Miller habe als Schlag­zeuger bei Amy Winehouse und viele Jahre beim Vibrafonisten Roy Ayers gespielt. Er könne die verschiedenen Genres mixen. Gar nicht weit weg von einem Quincy Jones, so Gregory Porter.

Ein Sänger, geerdet im Soul-Jazz

Porters vorherige Alben zeigen einen Sänger, der im Soul-Jazz geerdet ist, mit einem meist federnden Rhythmus und viel Platz für seinen samtweichen Bariton. Mit Schmelz in den Balladen und einer Eindringlichkeit in Protestsongs wie "1960 What". Troy Miller zeichnet nun auf "All Rise" für einen durchproduzierteren Sound verantwortlich. Fette Beats, Chorgesang, Bläser und Streicher, die Porters Stimme auch überlagern. 

Ja, man könne es als einen Schritt in Richtung Pop bezeichnen, aber er könne ganz genau aufzeigen, wo darin die Wurzeln der Gospelmusik lägen, sagt Porter. Und die seien nun mal auch die Wurzeln der Popmusik.

Mit jedem Album bekommt man mehr Porter

Ist Gregory Porter auf dem Weg ins ganz große Pop-Geschäft? Er jedenfalls sieht es so: Jedes neue Album stelle eine weitere Seite seiner Persönlichkeit dar, die sich Stück für Stück weiter entfalte. Man könne seine Markenzeichen auf diesem Album immer noch ganz klar hören. Es sei nur insgesamt ein größerer Sound als vorher.

Gregory Porter soll Ende des Jahres erstmals wieder nach Deutschland kommen, aber sicher ist das in diesen Zeiten nicht. Das macht ihm schwer zu schaffen. Er habe sich nicht vorstellen können, wie sehr er das Rampenlicht vermissen würde, sagt er. Es sei schließlich auch für ihn ein heilendes Erlebnis, auf der Bühne zu stehen. Jetzt ist erst einmal Warten angesagt. Und bis zum nächsten Konzert können Fans sein neues Album hören.

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