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Studio 9 | Beitrag vom 25.09.2019

Googles QuantencomputerJahrmillionen in Minuten berechnet

Martin Mair im Gespräch mit Julius Stucke

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Der Supercomputer Mistral im Deutschen Klimarechenzentrum. (Getty Images Europe/Morris MacMatzen)
Noch haben Supercomputer nicht ausgedient, aber in einigen Jahren könnten ihnen Quantenrechner den Rang ablaufen. (Getty Images Europe/Morris MacMatzen)

Google hat einen Quantencomputer gebaut, der klassische Rechner weit übertrifft. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass die alte Technik ausgedient hat. Allerdings: Die Revolution ist nah.

Quantencomputer können viel mehr als heutige Computer – zumindest theoretisch. Denn während ein normaler Rechner nach dem Prinzip der klassischen Physik funktioniert und mit Bits rechnet, die entweder Null oder Eins sind, operieren Quantencomputern nach den Regeln der Quantenphysik. Die Qubits dieser Prozessoren kennen auch Zwischenstände. Das bedeutet: Statt der Reihe nach Aufgaben zu lösen können Quantencomputer vieles parallel tun. Wenn man mehrere Qubits miteinander kombiniere, steige die Rechenleistung exponenziell, sagt Wissenschaftsredakteur Martin Mair. 

Nun ist es Forschern von Google gelungen, einen so leistungsstarken Quantencomputer zu bauen, der Supercomputer weit hinter sich lässt: Die Forscher haben dem Chip eine Aufgabe gegeben, für die Google mit normalen Rechenservern 114 Millionen Jahre gerechnet hätte - der Quantenchip hat nur zehn Minuten gebraucht. So heißt es jedenfalls in einem Artikel, den Google zunächst online veröffentlicht, aber dann nach kurzer Zeit wieder entfernt hat.

Von Nützlichkeit noch lange entfernt

Noch handle es sich aber um ein nutzloses Problem, das der Quantencomputer gelöst habe, sagt Mair. Es sei eigens für ihn entworfen worden. Es werde noch Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sich solche Computer auch nützlich machen könnten. Zum Beispiel könne man am Quantencomputer neue Materialien simulieren oder Moleküle für Medikamente nachahmen, Verkehrsströme voraussagen oder Suchmaschinen beschleunigen. Auch Geheimdienste interessieren sich für die Technologie: Wenn Quantencomputer Passwörter in Millisekunden knacken könnten, wären Verschlüsselungsdienste untauglich.

Allerdings sind Quantencomputer für den Alltag nicht praktikabel, weil sie nur im Vakuum und nahe des absoluten Nullpunkts von minus 273 Grad Celsius funktionierten – und das lässt sich nur im Labor realisieren.

Wie bedeutend der Durchbruch von Google wirklich ist, ist unter Experten umstritten. "Aber Skeptiker und Begeisterte sind sich schon in einem einig", sagt Mair, "Quantencomputer können eine Revolution sein, aber die Revolution steht noch nicht vor der Haustür."

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