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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 16.09.2015

Goldsucher am Rio de la PlataUruguay - Der Schatz im Silberfluss

Von Anne Herrberg

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Landeanflug über den Rio de la Plata zum Flughafen von Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien (picture-alliance/ dpa)
Landeanflug über den Rio de la Plata zum Flughafen von Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien (picture-alliance/ dpa)

Der Rio de la Plata ist heute eine Schatzkammer. Während der Kolonialzeit versanken viele Abenteurer mit ihren Schiffen in seinem schlammigen Wasser. Die rund 2000 Wracks und ihre Ladungen sollen aber bleiben, wo sie sind – im "Silberfluss".

Im modrig-engen Schiffsrumpf drängen sich düstere Gesellen mit Holzbein und Augenklappe. Rumfässer stapeln sich neben Kanonenrohren, Ratten huschen durchs morsche Gebälk. Alltag des Korsarentums im 18. Jahrhundert: Rubén Collado hat ihm in seinem Piratenmuseum ein Denkmal gesetzt – und damit auch sich selbst:

"Ich bin der letzte Freibeuter vom Rio de la Plata, vom Silberfluss. Ich suche nach versunkenen Schätzen – wenn ich etwas erbeute, geht die Hälfte an die uruguayische Regierung, wenn nicht: Pech, mein Risiko. Aber ich liebe dieses Indiana Jones-Leben, ich fühle mich wie ein Kind in einer Piraten-Taverne."

Collados Taverne, sein Piratenmuseum. Direkt gegenüber fließt der schlammbraune Rio de la Plata – breit wie ein Meer, aber flach wie ein Froschteich. Rund 2000 Schiffswracks sollen dort begraben liegen. Manche beladen mit Gold und Silber, das während der Kolonialzeit Richtung Europa transportiert wurde – Collado hat alles in Archiven recherchiert. Diese Schätze zu finden, dafür und davon lebt der ausgebildete Profitaucher:

"Anker und Kanonen können wir durch ihren Magnetismus orten. Das Tauchen selbst ist dann ein Risiko, denn die Strömung ist extrem stark und im trüben Wasser sieht man nichts. Aber ich habe meine Taucher dazu ausgebildet, in absoluter Dunkelheit zu arbeiten."

Goldmünzen aus dem Fluss

Er fischt eine Goldmünze aus der Tasche – 1751 ist darauf graviert:

"Wenn man nach Monaten des Umwerbens endlich die Frau küssen darf, in die man verliebt ist - genau so war es, als ich meine erste Goldmünze fand. Der Moment bleibt unvergesslich."

1992 hat er sie gefunden, zusammen mit 2999 weiteren: im Wrack einer portugiesischen Fregatte aus dem 18.Jahrhundert. Der Schatz wurde bei Sothebys in New York versteigert, brachte Collado und Uruguay drei Millionen US-Dollar und löste ein Goldfieber am Silberfluss aus – bis 2006 alle weiteren Expeditionen untersagt wurden: Schutz von historischem Kulturgut. Auch Collado musste seine Projekte bis auf weiteres stoppen – der 78-Jährige schüttelt den Kopf.

"Ich habe bis heute 15 Schiffswracks lokalisiert, davon etwa fünf mit Gold, Jamaica-Rum und indigenem Kunsthandwerk an Bord. Das sind nicht nur Millionen Dollar, das ist gestohlene Geschichte, auf die Südamerika Anrecht hat. Was bringt uns Kulturgut unter Wasser?"

Sein Traum wäre eine Art historisch-maritimes Disneyland am Rio de la Plata aufzubauen – vorerst bleibt ihm nur sein Piratenmuseum mit Wellblechdach. Eine Ecke ist jenem berühmten Wrack gewidmet, das mit zum Verbot von Tauchexpeditionen vor Uruguays Küste führte: das deutsche Panzerschiff General Graf Spee.

1939 war es im Handelskrieg mit England in eine aussichtslose Lage geraten. Kapitän Hans Langsdorff sprengte es in die Luft, damit es den Briten nicht in die Hände fiel – seine Crew flieht nach Argentinien, er selbst begeht Selbstmord.

"Ich wollte das Wrack heben, aber zuerst ließ mich die Regierung nicht, dann bekam 20 Jahre später ein anderer die Erlaubnis, ein gewisser Bado, ein Nachahmer. Er barg einen 400 Kilo schweren Bronzeadler mit Hakenkreuz."

Aus Sorge um den Handel mit Nazi-Reliquien schob die uruguayische Regierung damals den Riegel vor.

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