Görlitzer Synagoge als Kulturzentrum

    Glanz und Narben

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    Blick in den Kuppelsaal der ehemaligen Görlitzer Synagoge während der Wiedereröffnung.
    Blick in den Kuppelsaal der ehemaligen Görlitzer Synagoge während der Wiedereröffnung: ein Ort, um jüdische Wurzeln zu entdecken. © picture alliance / dpa / Robert Michael
    Alex Jacobowitz im Gespräch mit Sigrid Brinkmann · 12.07.2021
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    Die Görlitzer Synagoge hat die Zerstörungswut der Nazis überstanden. Nach einer Sanierung ist sie nun als Europäisches Kulturzentrum wiedereröffnet worden. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Alex Jacobowitz, sieht darin einen neuen Ort der Begegnung.
    Die sächsische Stadt Görlitz hatte einst ein jüdisches Gemeindeleben. Mehr als 200 Mitglieder wurden von den Nationalsozialisten ermordet, wenigen gelang die Flucht. Nur die prächtige Synagoge überstand den Krieg ohne große Schäden. In der Nachkriegszeit erklärte man sie zum Kulturdenkmal und ließ sie trotzdem verfallen. Nach jahrelanger, detaillierter Rekonstruktion ist der Görlitzer Synagogenbau nun als Europäisches Kulturzentrum wiedereröffnet worden.

    Mehr als nur ein "schönes Gebäude"

    Der aus New York stammende Musiker Alex Jacobowitz ist Vorsitzender und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz. Die Synagoge sei jetzt nicht nur "schön" restauriert, sondern zeige auch die "Narben" der Zeit, betont er. Mit gutem Willen und Kompromissbereitschaft, sagt Jacobowitz, sei der neue Ort sowohl als säkularer Raum als auch für Gottesdienste nutzbar. Es gebe im Raum Görlitz viele Menschen mit jüdischem Hintergrund. Sie bekämen jetzt die Chance, an diesem neuen Ort ihre jüdischen Wurzeln zu entdecken.
    In der 55.000 Einwohner großen Stadt stellt die AfD die stärkste Fraktion im Stadtrat. Jacobowitz hat Verständnis, wenn sich viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde deshalb nicht als soche "outen" wollen. Innerhalb der neuen Synagoge werde es einfacher und entspannter, miteinander umzugehen, schätzt er. "Wir merken schon, dass sich immer mehr Menschen melden, die teilnehmen wollen. Manchmal brauchen wir schon polnische Übersetzer für die Leute, die von der polnischen Seite kommen."
    Der Musiker Fritz Tarjan und der Vorsitzende und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz Alex Jacobowitz stehen vor der Synagoge. 
    Alex Jacobowitz (r), Vorsitzender und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz, und Fritz Tarjan, Musiker aus Budapest, vor der Synagoge.© picture alliance / dpa / Robert Michael

    Alex Jacobowitz: "Die Neue Görlitzer Synagoge"
    Hentrich & Hentrich, Leipzig 2021
    296 Seiten, 29,90 Euro

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