Glück und Leid im Land der Pharaonen

Metropolitan Opera House New York © Walter Vorwerk
03.03.2012
Ein vielfach bewährter Opernstoff: zum Scheitern verurteilte Liebesbeziehung zwischen zwei Vertretern aus verfeindeten Lagern, und das noch in exotischer Umgebung. Die in Memphis gefangen gehaltene äthiopische Königstochter Aida hat sich in Radames, den Oberbefehlshaber der ägyptischen Truppen, verliebt. Der Konflikt zwischen privatem Glück und patriotischer Pflicht treibt schließlich beide in den Tod.
Für die Eröffnung des Suezkanals und der Kairoer Oper eine Gelegenheitsmusik zu komponieren, hatte Verdi abgelehnt. Jahre später setzte sich Auguste Mariette, ein in Kairo lebender renommierter Ägyptologe, für den Wunsch seines Dienstherrn nach einer Verdi-Oper ein. Er wandte sich mit einem Szenario, das in lokaler Vorzeit angesiedelt war, an des Meisters früheren Librettisten und Manager der Pariser Opéra-Comique, Camille du Locle.

Verdi äußerte sich in einem Brief an seinen Freund Giuseppe Piroli am 16. Juli 1870 etwas despektierlich zu diesem Projekt: "Ich gehe dort nicht hin, sie zu inszenieren, weil ich fürchten müsste, mumifiziert zu werden. Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, du wirst für Kairo schreiben, hätte ich ihn für einen Verrückten gehalten, aber jetzt sehe ich ein, dass ich der Verrückte bin." Verrückt war das nicht, sondern ausgesprochen geschäftstüchtig. Verdi verkaufte nur die Rechte für die Uraufführung in Kairo und behielt sich selbst das Eigentumsrecht für weitere Aufführungen vor. Dafür kümmerte er sich um größtmögliche Detailtreue in der Ausstattung, die in Paris besorgt wurde. Er ließ sogar spezielle Trompeten nach altägyptischen Formen anfertigen.

Obwohl Verdi seine Komposition bereits im November 1870 fertig gestellt hatte, kam es erst am 24. Dezember 1871 in Kairo zur Uraufführung. Die Preußen belagerten gerade die französische Hauptstadt, und so waren die Kostüme und Requisiten mit eingeschlossen. Beim Publikum hatte "Aida" einen grandiosen Erfolg. Die durchaus gespaltene Kritik meinte, hier sogar Einflüsse Wagners und Meyerbeers auf Verdis Stil gehört zu haben.


Live aus der Metropolitan Opera New York

Giuseppe Verdi
”Aida”
Oper in vier Akten
Libretto: Antonio Ghislanzoni

Aida – Latonia Moore, Sopran
Amneris – Stephanie Blythe, Mezzosopran
Radames – Marcello Giordani, Tenor
König – Jordan Bisch, Bass
Amonasro – Lado Ataneli, Bariton
Ramfis – James Morris, Bass
Bote – Adam Laurence Herskowitz, Tenor
Priesterin – Jennifer Check, Sopran
Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York
Leitung: Marco Armiliato

nach dem 1. Akt ca. 19:45 Uhr Pause mit Nachrichten
Friederike Westerhaus im Gespräch mit
dem Dirigenten Marco Armiliato und
der stellvertretenden Solocellistin Dorothea Noack