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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 22.03.2015

GlosseWie Griechenland sein Schuldenproblem lösen könnte

Von Arno Orzessek

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Olympische Ringe am Haupteingang des Olympiastadions Berlin (dpa / picture alliance / Daniel Kalker)
Olympia is coming home? (dpa / picture alliance / Daniel Kalker)

Das griechische Schuldenproblem im Eil-Tempo lösen? Kein Problem! Warum trägt Athen die Olympischen Spiele nicht einfach dauerhaft aus? Und frenetischen Beifall wird es besonders dann geben, wenn der austrainierte Finanzminister Yanis Varoufakis ebenfalls eine wichtige - und ziemlich nackte - Rolle einnimmt.

Morgen ist es ja soweit, Herr Tsipras...

Und deshalb schicken wir schon mal über den Äther: Willkommen in Berlin, alter Sportsfreund! Wenn Sie es pfiffig an­stel­len, können Sie Ihre Schuldenkrise hier im Usain-Bolt-Tempo lösen.

Sie mögen davon gehört haben: Die europäischen Steuerzahler finden es nicht mehr wit­zig, Ihrem Land immerzu die Milliarden reinzublasen, ohne Gegen­leis­tun­gen da­für zu sehen... Als da wären: Reformen, Reformen, Reformen. Und ein Quantum Bescheidenheit.

Können Sie nicht! Wollen Sie nicht! Packen Sie nicht! Vergessen wir das mit den Reformen also.

Wuchern Sie lieber mit Ihrem fettesten Pfund, mit der einzigen Welt-Marke, die untrennbar mit Grie­chenland verbunden ist - mit den Olympischen Spielen. Bestehen Sie darauf, die Spiele für im­mer in Ihrem Land auszutragen. Oder sagen wir, zunächst für 1200 Jahre, wie damals in der An­tike.

Die Spiele als Symbol der Eintracht

Argumente dafür gibt's wie Sand beim Beach-Volleyball: Sie würden die ganze Welt von der Peinlichkeit befreien, dass immer mehr autokratische Regime die Spiele an sich reißen. Sie können die überteuerten Athener Protz-Stät­ten von Olympia 2004 nut­zen und die Vil­len steuerschuldiger Reeder enteignen, um anspruchsvolle IOC-Funktionäre darin unterzubrin­gen.

Und vor allem: So wie die an­tiken Spiele zum Sym­bol der Eintracht im verzankten Grie­chenland wurden, können Sie die künftigen Spiele zum Sym­bol der Eintracht in der verzankten EU aufmot­zen...

Und für diese friedensfördernde Tat von der Gemeinschaft natürlich er­warten, was Sie am drin­gend­sten brauchen: frischen Zaster ohne Ende.

Eine Umwandlung der Staats­schulden in Guthaben sollte angesichts des Jahr­tau­send-Projekts leicht auszuhandeln sein. Und natürlich bekämen alle Griechen im nationalen Or­ga­nisa­tions-Ko­mitee einen Job, der vererblich wäre und so satt dotiert, dass die peleponnesische Korruption prompt ihren Sinn ver­lö­re.

Das Beste aber ist: Die eigentliche Arbeit würden über kurz oder lang sowieso die bevormundungs­süchtigen Organi­sa­tio­nscleverle aus Nord­europa an sich reißen.

Wie Sie wissen, Herr Ministerpräsident, ist unsere smarte Kanzlerin durchaus sportaffin. Okay, in der Epoche der Ret­tungs­schirme sind ihre Rettungsringe nicht unbedingt kleiner geworden. Aber geschenkt - das Problem ken­nen Sie ja von sich selbst, obwohl Sie ein leidenschaftlicher Kicker sind.

Einst wetteiferten die Olympioniken nackt

Und Merkels CDU wirbt jetzt sogar mit einem echt olympischen Motto: "Läuft bei uns".

Was immer das auf Griechisch heißt, lieber Alexis, machen Sie's zur Parole Ihrer Olympia-Kam­pag­ne - "Läuft bei uns" - und verkaufen Sie's der CDU als transnationale linke Solidarität.

Wäre das Olympia-Projekt demokratisch, fragen Sie. Aber ja, natürlich... So demokratisch wie damals die ehr­wür­di­ge at­tische De­mo­kratie. Da standen die paar Bürger ja auch auf dem Markt­platz herum und ha­ben sich die Zeit mit politischem Gequatsche ver­trie­ben - während unterdessen der Schweiß von zehntausenden Skla­ven aus dem europäischen Umland floss. Praktisch: damals wie heute.

Nur auf eines müssen wir bestehen! Einst wetteiferten alle Olympioniken bekanntlich nackt - was man heute nicht mehr zur Re­gel ma­chen wird. Aber wenn Sie Ihre ewigen Spiele erst im Olympiastadion er­öff­nen, soll­te we­nig­stens ein unbekleideter Sportler den olympischen Bogen über drei Jahrtausende schla­gen.

Ja, eine symbolisch-nackte Stadionrunde, die erwarten wir unbedingt! Und diese nackte Runde, lieber Alexis, die kann aus ästhetischen Gründen natürlich kein anderer laufen als ihr austrainierter Fi­nanzminister Yanis Varoufakis. Wir garantieren Ihnen: Der frenetische Beifall wird den Himmel über ganz Eu­ro­pa erschüttern.

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