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Tonart | Beitrag vom 04.01.2018

Glosse über das Popjahr 2018Was wir uns wünschen!

Von Christoph Möller

(Maximilian Kamps)
Das Hip-Hop-Duo SXTN ( Juju und Nura ). (Maximilian Kamps)

Mehr Musikpreise für Frauen wie das Hip-Hop-Duo SXTN , aber bitte weniger inhaltlose Kalenderspruch-Musik wie "Weißt du, Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt..." von Julia Engelmann. Unser Autor hat einen persönlichen Pop-Wunschzettel für das neue Jahr.

Textzeile aus dem Song "Grapefruit" von Julia Engelmann:
"Weißt du, Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt..."

Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt. Damit mein erster Wunsch für das Pop-Jahr 2018 auch wirklich in Erfüllung geht, sage ich ihn deshalb gleich zweimal: Ich wünsche mir weniger inhaltlose Kalenderspruch-Musik wie die von Julia Engelmann. Ich wünsche mir weniger inhaltlose Kalenderspruch-Musik wie die von Julia Engelmann. Oder Max Giesinger. Oder Tim Bendzko.

Mehr gute Hip-Hop-Musik!

Stattdessen wünsche ich mir Musik wie die von SXTN.

Textzeile aus dem Song "Hass  Frau" von SXTN:
"Was quatscht du für scheiße? Was laberst du mich voll? Denkst du, du bist lustig mit deiner verkackten Art? Du siehst aus wie ein Stück Scheiße mit zwei Augen und einem Tanga."

Musik, die total drüber ist, wütend und rabiat. Und trotzdem gut.

SXTN sind zwei Frauen. Und wenn ich mir gleich noch was wünschen darf: dann gebt diesen Frauen doch endlich mal Preise! Bei der 1Live Krone, immerhin der größte deutsche Radiopreis, hat in acht Kategorien keine einzige Frau gewonnen. Ähnlich beim Preis für Popkultur. Zwölf Kategorien. Und nur eine Frau gewinnt. Für 2018 wünsche ich mir deshalb: Mehr Musikpreise für Frauen, und noch mehr Musikpreise für Frauen.

Unser Star Lena

Apropos Preise. Deutschland braucht 2018 eine Konzertticketpreisbremse. Ähnlich wie die Mietpreisbremse. Tickets, die in den Wiederverkauf gehen, dürfen dann maximal nur noch zehn Prozent teurer sein als der Originalpreis. Denn es kann doch nicht sein, dass Ticketbörsen wie Viagogo mit dubiosen Zusatzgebühren locker mal das Doppelte des Originalpreises verlangen. Das ist kein Geschäft mit Musik, sondern eine Abzocke musikbegeisterter Fans, die leider etwas zu spät gebucht haben. 2018 wird übrigens auch das Jahr von Lena. Ja, genau. Unser Star für Oslo.

Denn ich finde, die deutsche Popmusik braucht einen international erfolgreichen Star! Eine neue Nena. Warum nicht einfach – Lena? Immerhin ist sie die Einzige, die wenigstens versucht, irgendwie mitzuhalten mit den Taylor Swifts, Rihannas und Katy Perrys dieser Welt. Ihr neuer Sound ist so eine freche Kopie aktueller Mainstream-Hits – dieser Kitsch, dieses Gefühl, diese große Geste – damit muss es doch einfach klappen! Ich wünsche der deutschen Popmusik, dass Lena – oder irgendeine andere Künstlerin – noch in diesem Jahr einen Song in die US-amerikanischen Charts bringt.

Lena vielleicht mit diesem hier, ihrem neuen: "Lost In You".

Die CD – der Inbegriff der Vergangenheit

Deshalb, liebe Lena: auch wenn du deine Tour erstmal auf Ende des Jahres verschoben hast: You can be our satellite! Und liebe Lena-Fans, ach, überhaupt, liebe Musikkäuferinnen und Musikkäufer. Ich will euch ja nichts vorschreiben, aber lasst uns dieses Jahr abschließen mit einem zweifelhaften Kapitel der Musikgeschichte. Das der CD. Hören wir endlich auf, CDs zu kaufen. Ich kann diese plastikverpackten Scheiben nicht mehr sehen. Die CD ist der Inbegriff der Vergangenheit. Und ich verstehe nicht, warum in Deutschland noch so viel Geld damit gemacht wird. Vom CD-Boykott würde vor allem einer profitieren: ich. Ich bin nämlich heimlicher Ärzte-Fan. Leider kann ich die Musik der Ärzte aber nicht streamen. Wenn niemand mehr ihre CDs kauft, dann, so mein Plan, bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig, als endlich zum Streaming zu wechseln – und ich kann endlich wieder meine Lieblingssongs der Ärzte hören.

Einen letzten Wunsch habe ich noch. Ich möchte, dass 2018 ein großer Verlag: Suhrkamp, Hanser, ganz egal, eine Buch-Reihe startet mit Büchern über Popmusik. Kleine Hefte, Reclam-Format, über aktuelle deutsche Pop-Phänomene. "Helene Fischer – eine kulturwissenschaftliche Beobachtung", "Die Metaphysik deutscher Pop-Poeten", "Pop und Pegida" – Pop-Theorie für die Hosentasche sozusagen. Das wär’s. Ich fürchte allerdings, dass das der einzige Wunsch auf meiner Liste ist, der nicht in Erfüllung geht.

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Musikalbum "Leben am Limit" von SXTN - Keine Lust auf Feminimus-Debatten
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 14.07.2017)

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