Samstag, 25.09.2021
 

Studio 9 | Beitrag vom 21.03.2016

Glosse Papst nun auch noch bei Instagram

Von Jan-Christoph Kitzler

Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz in Rom (VINCENZO PINTO / AFP)
Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz in Rom (VINCENZO PINTO / AFP)

Millionen Follower hat Papst Franziskus bei Twitter. Seit kurzem mischt er nun auch bei instagram mit und postet Bilder vom Beten. Der Vatikan habe schon immer auf die Macht der Bilder gesetzt, meint Jan-Christoph Kitzler. Immerhin: Selfies vom Papst wurden noch nicht gesichtet.

Da sage noch einer, die katholische Kirche sei rückwärtsgewandt oder ewig gestrig. Man muss sich ja nur diesen Papst angucken. Franziskus, dieser 79jährige, naja, Teufelskerl aus Argentinien, ist das, was man heutzutage einen "digital native" nennt, angekommen in der Jetzt-Zeit.

Jesus hatte 12 Follower – der Papst hat Millionen

Der ebenso geschmeidige wie beliebte Pontifex spielt auf der Klaviatur der sozialen Medien wie sonst nur wenige:  Während Jesus sich vor 2.000 Jahren mit 12 Followern, äh, Jüngern herumgeschlagen hat, folgen Papst Franziskus allein auf Twitter in verschiedenen Sprachen Millionen Menschen. Die Botschaften, die er dort in die Welt hinauszwitschert, sind bestes 140-Zeichen-Futter: heute zum Beispiel das hier:

"Lasst uns unser Christsein ernst nehmen, bemühen wir uns, als Gläubige zu leben."

Wer wollte dem wiedersprechen…

Das Volk der Gläubigen hat sich an den twitternden Papst gewöhnt. Und abgesehen davon, dass Franziskus kein besonderer Freund der Hashtags ist, liefert er, wo er schon auf Twitter unterwegs ist, meist in etwa das, was man dort von einem Papst erwartet. Aber jetzt gab es doch eine verstörenden Nachricht: vor zwei Tagen erst hat Franziskus diesen neuen, flotten Tweet rausgeschickt:

"Ich beginne einen neuen Weg, auf Instagram, um mit euch den Weg der Barmherzigkeit und der Zärtlichkeit Gottes zu gehen."

Papst nun in Gesellschaft der ganz großen Stars

Der Papst auf Instagram – das muss man erstmal sacken lassen. Denn Instagram, das ist doch dieser netzgewordene Egotrip, die Plattform der Generation Selfie. Den Fußballer Christiano Ronaldo kann man da bewundern, der kaum eine Gelegenheit auslässt, seinen wohlgeformten Oberkörper zu Markte zu tragen, Teenie-Star Miley Cyrus postet total süße Katzenfotos. Madonna gibt die alterslose Popdiva in immer abgefahreneren Outfits und Justin Bieber, der immer noch sehr langsam erwachsen wird, zeigt seine neusten Tattoos. Auf einem Foto trägt Bieber ein T-Shirt mit der Aufschrift "Bigger than Satan". Womit wir wieder bei Papst Franziskus wären und der Frage: was will der Mann auf Instagram??!

Allen die sich jetzt entnervt abwenden, sei gesagt: bislang ist das alles noch ziemlich harmlos. Erst ein paar Bilder hat der Vatikan dort  veröffentlicht. Die meisten zeigen den Papst beim Beten. Und man darf  annehmen, dass er nicht für die Katze von Miley Cyrus betet oder den begnadeten Oberkörper von Christiano Ronaldo – und dass die Madonna, die er im Sinn hat, nicht die ist, die "Like a Prayer" gesungen hat.

Bisher noch keine Selfies vom Papst

Nein, Franziskus zeigt sich auf Instagram als der Vorbeter seiner Herde, als Mann des Glaubens. Selfies meidet er zum Glück bis jetzt noch.

Und wer jetzt immer noch Schnappatmung hat, dem sei gesagt, dass Franziskus mit seinem Profil auf Instagram irgendwie auch in bester Tradition ist: schließlich weiß sie katholische Kirche seit Jahrhunderten um die Macht der Bilder. Schon immer haben sich die Päpste schön inszenieren, ins Bild recht setzen lassen. Heute gibt es halt Selfies und Follower – aber am Prinzip hat sich eigentlich nichts geändert.

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