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Interview / Archiv | Beitrag vom 07.08.2017

Gesellschaftsutopie mit 3-D-DruckAuto-Ersatzteile oder Häuser ausdrucken

Innovationsforscher Frank Piller im Gespräch mit Julius Stucke und Axel Rahmlow

 Eine künstlerische Darstellung zeigt ein Haus an einer Gracht in Amsterdam. Das Haus soll nach Plänen vollständig aus Teilen gebaut werden, die mit einem 3D-Drucker produziert werden sollen. (3D Print Canal House / dpa )
Künstlerische Darstellung eines geplanten Amsterdamer Grachtenhauses aus dem 3-D-Drucker (3D Print Canal House / dpa )

Unternehmen verlagern ihre Standorte aus Fernost zurück nach Deutschland, denn ihre Produkte kommen nun aus dem 3-D-Drucker. Das ist nur ein Zukunftsszenario, das Innovationsforscher Frank Piller dank des 3-D-Druckers prophezeit. Auch der Hausbau per Ausdruck scheint möglich.

Der 3-D-Drucker könnte die weltweiten Produktionswege ziemlich durcheinanderwirbeln. Verlagern aktuell noch immer mehr Firmen ihre Produktionsstätten nach Fernost, weil die Arbeitskosten dort billiger sind, könnte der Drucker diese Entwicklung rückgängig machen.

Klingt nach Zukunftsutopie? – Nein. Schon jetzt seien solche Entwicklungen zu beobachten, sagt Innovationsforscher Frank Piller. Beispielsweise in der Turnschuh-Industrie.

3-D-Druck in Metall oder Keramik längst möglich

Dort könne man die Unter- und die Obersohle in 3-D-Druck-Verfahren herstellen. Auf diese Weise habe man anstelle vieler manueller Arbeitsschritte "ein oder zwei hochautomatisierte". Hersteller wie Adidas und Nike hätten schon wieder Produktionsstandorte in Deutschland aufgebaut, so Piller. Das spare nicht nur Transportkosten, der Hersteller könne auch flexibler und näher an den Kundenbedürfnissen produzieren.

Und mittlerweile könne ein 3-D-Drucker längst nicht mehr nur Produkte aus Plastik drucken, sondern aus allen Metallen oder beispielsweise auch Keramik. Ein 3-D-Druck-Verfahren wäre also für viele andere Produkte denkbar.

Produkte nach dem Ikea-Prinzip

Auch was schnelle Reparaturen angeht, könne der 3-D-Drucker die Welt verändern – oder habe sie sogar schon verändert, erklärt Piller. "Es gibt heute schon Drucker auf Containerschiffen, die Wochen über die Weltmeere unterwegs sind", erzählt Piller. Werde ein Ersatzteil gebraucht, könne dies einfach ausgedruckt werden. Das Gleiche gelte, wenn Trucker in Brasilien unterwegs sind. Dort gebe es schon 3-D-Drucker an entlegenen Tankstellen.

Auch große, komplexe Geräte, sogar Gebäude mittels 3-D-Drucker zu produzieren, ist keine Fantasterei: Ein kleiner Bus und ein Auto seien schon so entstanden, sagt Piller. Der Bau eines Grachtenhauses sei in den Niederlanden in Vorbereitung. Zwar seien 3-D-Drucker vor allem dazu geeignet, Gegenstände zu produzieren, die aus wenigen oder nur einer Komponente bestehen, wie beispielsweise ein Tasse oder eine Flasche. Allerdings seien auch komplexere Geräte denkbar. "Wenn wir die Produkte so designen, nach dem Ikea-Prinzip, dass wir die nachher selbst zusammensetzen können, dann kann man da schon dran denken."

Dass jeder in einigen Jahren einen 3-D-Drucker bei sich zu Hause stehen hat, daran glaubt Piller allerdings nicht. Stattdessen kann er sich vorstellen, dass die Drucker in ähnlicher Weise zur Verfügung stehen wie es heute mit dem Ausdrucken von Fotos in Foto- oder Drogeriemärkten oder online ist.

(lk)

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