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Im Gespräch | Beitrag vom 09.10.2021

Gesellschaft und SeeleWie bleiben wir psychisch gesund?

Moderation: Vladimir Balzer

Eine Frau mit roten Haaren liegt auf einem beigen, etwas abgewetzten Sofa und blickt nachdenklich nach unten in Richtung Boden. (Unsplash / Zohre Nemati)
Leistungsdruck im Job, familiäre Anforderungen und dazu noch Corona: Alles zusammen kann die Psyche überlasten. (Symbolbild) (Unsplash / Zohre Nemati)

Viele Menschen fühlen sich wie im Hamsterrad: Stress in der Arbeit, familiäre Belastungen – und alles verstärkt durch Corona. In Reaktion darauf können psychische Probleme entstehen. Wie halten wir unsere Seele in Balance? Diskutieren Sie mit!

Knapp ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland hat eine psychische Erkrankung, fast 18 Millionen Menschen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Auch bei immer mehr Kindern werden Angststörungen oder Depressionen festgestellt. Die Coronapandemie hat die Situation verschärft. Und sie zeigt einmal mehr, wie sehr gesellschaftliche Bedingungen unsere Psyche beeinflussen.

Wann die Seele belastet wird

"Unsere Seele ist das komplexestes Organ, das wir haben", sagt Prof. Dr. Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. Er untersucht unter anderem, wie sich Lebens- und Arbeitsbedingungen auf unsere seelische Gesundheit auswirken. "Wir sind unser Körper. Wo dann die Belastungssymptome auftreten, ist unterschiedlich. Aber es ist völlig klar, dass, wenn die sozialen Verhältnisse schwierig sind und zum Beispiel ein Mensch keine Arbeit hat, seelische Erkrankungen häufiger auftreten." Dies müsse viel mehr von der der Politik und in der Arbeitswelt berücksichtigt werden.

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Sein Rat an Betroffene: mögliche Symptome nicht zu verdrängen und sich früh therapeutische Hilfe zu suchen. "Leide ich persönlich? Habe ich das Gefühl, ich verändere mich allmählich in meiner Persönlichkeit, werde ich ein anderer Mensch? Und natürlich auch: Habe ich Krankheitssymptome, die ich vorher nicht hatte?"

Tempo, Leistungsdruck und negative Schlagzeilen

"Wir haben ein erhöhtes Tempo, die Gesellschaft wird immer fragmentierter", sagt Yvonne Mahling vom Berliner Landesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (ApK). "Das Außen macht etwas mit dem Innen." Das erfahre sie auch in Beratungsgesprächen mit Betroffenen und ihren Familien. Viele Menschen kämen mit dem Leistungsdruck nicht mehr klar, mit der Flut an negativen Nachrichten in den Medien. Das habe sie auch in ihrer eigenen Familie erfahren.

Auch sie habe erst einmal lernen müssen, die Symptome zu erkennen und auf ihre Verwandten zuzugehen: "Es bleibt immer nur die Offenheit, dass ich sage, wie es mir dabei geht, und dass ich mich traue zu sagen: Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Was brauchst du von mir?"

Die Beraterin erhofft sich eine gesellschaftliche Debatte: "Wir sollten da eine gesunde Balance finden. Und dass wir durch Corona vielleicht ein Bewusstsein dafür bekommen: Es muss nicht alles ‚lucky‘ sein, ich muss nicht funktionieren."

Gesellschaft und Seele – Wie bleiben wir psychisch gesund?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Mediziner Harald Gündel und Yvonne Mahling vom Verband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.
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(sus)

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