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Interview / Archiv | Beitrag vom 20.09.2016

Geschichtsunterricht Bei der Vergangenheit wird gekürzt

Peter Lautzas im Gespräch mit André Hatting

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Blick in ein Klassenzimmer (dpa / picture alliance / Marc Tirl)
In den Schulen wird immer weniger Geschichtswissen vermittelt - mit fatalen Folgen. (dpa / picture alliance / Marc Tirl)

Aktuelle Entwicklungen richtig einordnen - eine Kunst, die nur beherrscht, wer auch ein Verständnis für die Vergangenheit hat. Doch genau das geht zunehmend verloren, beklagt Peter Lautzas vom Verband der Geschichtslehrer. Denn der Geschichtsunterricht wird zunehmend zusammengestrichen.

Ein fundiertes Verständnis für Geschichte und Politik – so manchem könnte das in dieser turbulenten Zeit womöglich eine bessere Einordnung ermöglichen. Wenn es denn ausreichend vorhanden wäre. An den Schulen werde immer weniger historisches Wissen vermittelt, beklagt der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands.

Ein verkürztes Geschichtsbild

Die Dimension Zeit in Bezug auf die Gegenwart und das Verständnis für die Vergangenheit komme zunehmend zu kurz, sagte der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Peter Lautzas, anlässlich des 51. Deutschen Historikertages. Ein Grund dafür sei das Bestreben der Länder,  immer mehr Gegenwartsbezug herzustellen. So rücke "das Sozialkundliche" in den Vorder-, das Historische in den Hintergrund.  "Die andere Sache ist, dass in den anderen Fächern die historische Dimension immer weiter ausgeblendet wird - sodass wir  – wenn überhaupt ein Geschichtsbild – ein verkürztes Geschichtsbild erhalten. Und das ist wiederum für demokratische Entwicklungen,etwa AfD und ähnliche, durchaus nicht förderlich."

Lautzas: "Das Geworden-Sein, das eine gewisse Gelassenheit bewirken würde, aber andererseits auch eine Tiefendimension politischer Beurteilung gibt - all das (...)  wird zurückgedrängt, wenn man die Geschichte nicht in ausreichendem Maße vermittelt." Das Verständnis für andere Verhältnisse als sie heute vorherrschten, und wie diese Verhältnisse sich dann entwickelt hätten, müsse aber erhalten bleiben. So seien etwa Protestbewegungen, wie sie hinter der AfD steckten, etwas, das nicht zum ersten Mal auftauche – ein Blick in die Vergangenheit könne für eine Einordnung hilfreich sein. "Und da sind durchaus Mängel festzustellen."

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