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Thema / Archiv | Beitrag vom 28.02.2012

Geschichte ist "ziemlich gegenwärtig"

Historiker Wippermann zur Kandidatur von Beate Klarsfeld für die Bundespräsidentenwahl

Beate Klarsfeld, fotografiert auf der Fraktionsebene des Reichstagsgebäudes in Berlin. (picture alliance / dpa - Rainer Jensen)
Beate Klarsfeld, fotografiert auf der Fraktionsebene des Reichstagsgebäudes in Berlin. (picture alliance / dpa - Rainer Jensen)

Der Historiker Wolfgang Wippermann sieht in der Nominierung von Beate Klarsfeld für die Bundespräsidentenwahl eine Anerkennung ihres Lebenswerks. Klarsfeld stehe für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit und sei eine Antifaschistin.

Beate Klarsfeld habe mitgewirkt, dass NS-Verbrecher aufgespürt und verurteilt wurden. Ein weiteres großes Verdienst von Beate Klarsfeld sei, dass sie als eine der Ersten auf die Israelkritik der Linken hingewiesen habe, die leicht in einen Antisemitismus von links übergehen könne. Nicht nur die Partei Die Linke habe "allen Grund, hier etwas aufzuarbeiten und die eigene Vergangenheit zu bewältigen und dafür eben auch Frau Klarsfeld dankbar zu sein".

Dass die 73-Jährige erklärte Freundin des Staates Israel von der Linken nominiert wurde, zeige, dass sich die Partei - wenn auch spät - vom linken Antizionismus distanziere.

Der Historiker von der Freien Universität Berlin betonte außerdem, Klarsfeld sei keine Kandidatin der Vergangenheit. Sie stehe für den Antifaschismus, der immer noch wichtig und notwendig sei. Die deutsch-französische Publizistin sehe "die Defizite der Demokratie und steht dafür, dass sie verbessert werden".

Dass sich bei der Bundespräsidentenwahl am 18. März nun die "Nazijägerin" Klarsfeld und der "Kommunistenjäger" Joachim Gauck als Kandidaten gegenüberstehen, zeigt laut Wippermann, "dass die Geschichte eben nicht vergangen ist. Sie ist noch ziemlich gegenwärtig."

Das vollständige Gespräch mit Wolfgang Wippermann können Sie mindestens bis zum 28.07.2012 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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