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Profil / Archiv | Beitrag vom 18.01.2008

Geschichte der Meteorologie

Museum der Woche: Einblicke in Fortschritte bei Wettermessungen

Wolkenverhangener Himmel (Stock.XCHNG / Lars Sundström)
Wolkenverhangener Himmel (Stock.XCHNG / Lars Sundström)

Die Menschen haben schon immer versucht, das Wetter vorherzusagen. Als es noch nicht besser ging, musste ein Blick in den Himmel genügen. Später kamen wissenschaftliche Messinstrumente hinzu. Das <papaya:link href="http://www.wettermuseum.de/" text="Wettermuseum" title="Wettermuseum" target="_blank" /> im brandenburgischen Lindenberg zeigt, wie sich die Meteorologie in den vergangenen Jahrhunderten entwickelte.

Später kamen taugliche Messinstrumente dazu, 1888 wurde die erste Berliner wissenschaftliche Luftfahrt mit Freiballons durchgeführt, um Wetterdaten in großen Höhen zu sammeln. Das Wettermuseum im brandenburgischen Lindenberg widmet sich der Erinnerung und Aufarbeitung der Geschichte der Meteorologie.

"Das hier ist solide gebaut worden aus Glas und Blech und Stahl, das war ein Windenhaus, weil die Seilwinden dort für die Drachen drinstehen, das sieht man durch die Glasscheiben wunderbar, das Windenhaus steht hier unter Denkmalschutz, es wurde vor einigen Jahren restauriert."

Das Windenhaus aus grauem Blech steht auf einem Hügel in Brandenburg. Eigentlich keine große Erhebung, aber in der Landschaft südöstlich von Berlin ist dieser Buckel schon eine herausragende Erscheinung. Und obenauf das Windenhaus. Bernd Stiller ist Meteorologe und leitet den Verein Wettermuseum Lindenberg.

"Es gab durchaus in den 90er Jahren auch Ansichten, dass man das hier einfach auch verrosten und in sich zusammenfallen lässt. Aber zum Glück haben die, die hier die historischen Werte und auch Hinweise über die Wissenschaftsgeschichte an diesem Standort erhalten wollen, gewonnen und Mittel besorgt ..."

Und so entstand das Wettermuseum in Lindenberg, circa eine Autostunde von Berlin. Das Museum steht auf historischem Boden: 1905 begann mit dem ersten Drachenaufstieg die Geschichte der Wettermessungen in der klaren, sauberen Luft von Lindenberg, unter der wohlwollenden Augen von Kaiser Wilhelm II. Die Drachen waren an langen Leinen befestigt und trugen meteorologische Messgeräte in die Höhe. Nach den Messungen wurden die Fluggeräte wieder eingeholt und die Daten ausgelesen. Schon allein, weil man immer mit langen Leinen hantierte, die dann in der Gegend herumlagen, so dass die Bauern sich beschwerten, zog man es vor, in eine menschenarme Gegend zu ziehen.

"Der meteorologische Drachen mit dem Messgerät sollte ja durchaus auch drei, vier, fünf Kilometer hoch fliegen und da braucht man etliche Meter Seil und dieses wurde hier auf diesen Rollen gelagert, und wenn er vier oder fünf Kilometer hoch fliegt, dann weiß man ja nie, welche Windrichtung ich dort oben habe, das heißt, wenn’s unten Ostwind ist, kann es oben durchaus Westwind sein, dann dreht auf einmal ja der Drachen woanders hin und dann musste dieses Windenhaus drehbar gelagert haben, damit man dann diese Seilwinde nachführen konnte."

Das drehbare Windenhaus gehört zu den sehenswerten Einrichtungen, vor allem aber - nach einem kurzen Gang durch den Ort – die Ballonhalle. Sie ist machtvolle 12 Meter breit und 17 Meter lang, ein Meisterwerk der Holzbautechnik aus dem Jahr 1936. Über die gesamte Front erstreckt sich das breite Tor, durch das Drachen und Ballons aufsteigen konnten.

"Wir haben also hier jetzt als erstes einen Raumeindruck, als ich das erste Mal in dieser Halle war, das hat mich umgeworfen, sag ich jetzt mal, ich sag, das muss man erhalten, das darf man nicht zerfallen lassen und -zwölfeinhalb Meter Höhe, fast etwas kathedralenhaftes."

Unter dem tonnenförmigen Deckengewölbe der Ballonhalle hängen fünf Drachen und ein Ballon. Die Drachen sind große, kastenförmige Gebilde aus Bambus und Leinwand, der Traum eines jeden Jungen. Die Leistungsfähigkeit dieser vielleicht ein mal drei Meter großen Gebilde verdeutlich ein Lindenberger Weltrekord. Bernd Stiller, ein Lokalpatriot voller Stolz:

"Damals war ja regulär versucht worden, in die Höhenbereiche drei bis fünf Kilometer zu kommen, da war man relativ zufrieden und ja, 1919 war dieser eine Tag, da stimmte alles. Da war die Bewölkung so, dass es aufriss, da war der Wind so, dass er den Drachen immer höher trug und man musste immer mehr Drachen dazu in das Seil hängen, das war ein Drachengespann dann zum Schluss. Sieben Drachen dienten dazu, das Seil zu halten, der achte Drache kam auf 9740 Meter Höhe und diesen Weltrekord aus 1919, das war der 1. August, hält Lindenberg immer noch."

Der dritte Standort des Lindenberger Wettermuseums ist eine flache, unansehnliche Halle aus DDR-Beständen. Hier tickert ein frisch erworbener Fernschreiber, denn alle Wetterforschung ist überflüssig, wenn die Daten nicht an die kommen, die sie brauchen. Aus Lindenberg gingen schon seit 1925 stündlich Wettermeldungen an alle Flughäfen. Viele Mess- und Beobachtungsapparate der Meteorologie werden ausgestellt, der Raum platzt allmählich aus allen Nähten. In einer Vitrine liegt ein seltsames Schreibgerät, ein Gespann aus zwei Füllfederhaltern, das aussieht wie ein Scherzartikel.

"Nee, dieser Doppelfüller hat vorne zwei Federn für rote und für blaue Tinte, oder rot und schwarz, weil man in der Wetterkarte Luftdruckfall zum Beispiel mit roter Tinte einträgt, damit man beim Blick auf die Wetterkarte sofort sieht, wo fällt großräumig der Luftdruck ..."

... während schwarz steigenden oder gleich bleibenden Luftdruck anzeigt.

Das Museum stellt die Geschichte der Meteorologie vor, es informiert über die Arbeitsweise der Meteorologie heute und über Klimawandel und Klimaschutz. Zu guter Letzt versucht es, mit einem Schülerlabor und einer Juniorenuniversität die junge Generation anzusprechen. Vielleicht verbessert sich ja auch das Problem der ungenauen Vorhersagen:

"Ja, bei zwölf Jahren Berufsleben in der Wettervorhersage kennt man diese Wetterlagen, die so schief gegangen sind, durchaus, aber es gab durchaus viele Vorhersagen, die gut geklappt haben,"

was zumindest im Kreise der Familie geschätzt wurde:

"Wenn die Wäsche draußen hängt und man sagt, in zwei Stunden kommt der Regen und die wird rechtzeitig reingeholt, dann kann man sich selbst familiär seine Lobpreisungen einhandeln."

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