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Interview | Beitrag vom 30.01.2021

Gerd Landsberg zur Lage der Innenstädte "Die Wirtschaft wartet auf Hoffnungssignale"

Moderation: Ute Welty

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Ein Schaufenster in einer Fussgängerzone, die Scheibe ist mit Papier beklebt. Der Laden hat für immer geschlossen. (Symbolfoto) (unsplash / Wilhelm Gunkel)
Viele Einzelhändler werden durch die Pandemie auf der Strecke bleiben. (unsplash / Wilhelm Gunkel)

Angesichts rückläufiger Infektionszahlen plädiert Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund für regionale Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen. Der Einzelhandel brauche ein Zeichen der Hoffnung - und die Innenstädte ein Zukunftskonzept.

Die Zahl der Coronafälle sinkt: Knapp zehn Prozent der Gemeinden haben derzeit eine Inzidenz von unter 50 erreicht. Das weckt Hoffnungen. Nicht nur bei den Bürgerinnen und Bürgern, die sich danach sehnen, wieder in Restaurants sitzen und gemeinsam shoppen zu können. Sondern auch beim Einzelhandel, der um seine wirtschaftliche Existenz bangt und auf Wiederöffnung drängt.

Die Innenstädte von morgen und übermorgen

Für Gerd Landsberg, Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes steht fest: Die Innenstädte werden sich durch Corona wandeln, einige Handelsketten werden die Pandemie wirtschaftlich nicht überstehen und ihre Läden nicht wiedereröffnen. "Die Innenstädte von morgen und übermorgen werden anders aussehen als die von heute", sagt er.

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"Den Onlinehandel drehen wir nicht zurück. Das heißt nicht, dass es keinen Einzelhandel in den Innenstädten mehr geben wird. Aber die Schwerpunkte werden andere sein. Es wird hoffentlich mehr Kultur, mehr Erlebnisgastronomie, auch mehr Wohnen – was ja jetzt eher die Ausnahme ist –, mehr Freizeit, mehr Kulturangebote geben."

Das sei ein langwieriger Prozess, der aber schon vor Corona begonnen habe. Denn der klassische Einzelhandel, etwa die großen Kaufhausketten, habe durch den Onlinehandel schon seit Längerem Probleme, betont Landsberg.

Doch könne der Onlinehandel durchaus einen Beitrag leisten, um Innenstädte und Einzelhandel strukturell zu unterstützen, zum Beispiel durch eine Paketversandsteuer.

Den Bund sieht Landsberg ebenfalls in der Pflicht, die Städte beim Umbau finanziell zu unterstützen, auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. Die Innenstädte bräuchten mehr Grün und mehr Wasser. Das koste natürlich Geld und werfe wirtschaftlich nichts ab, räumt er ein.

Leerstehende Kaufhäuser in Wohnungen umwandeln?

Letztlich bestimme aber nicht die Politik, wie sich die Innenstädte äußerlich entwickelten. Vor allem müssten die Vermieter von Gewerberäumen – meist große Investoren – erst einmal davon überzeugt werden, Abstand von horrenden Mieten zu nehmen. Auch könnten leerstehende Kaufhäuser nicht einfach in Wohnungen umgewandelt werden, denn dabei kämen Anforderungen des Emissions- und Lärmschutzes ins Spiel.

Zunächst einmal plädiert Landsberg aber für regionale Konzepte einer Öffnung des Einzelhandels, je nach Infektionslage. Dabei, sagt er, müsse natürlich die Gefahr eines innerdeutschen Einkaufstourismus zwischen Regionen oder Bundesländern vermieden werden, um die Infektionszahlen nicht erneut in die Höhe zu treiben.

Außerdem wünscht er sich: "Als Erstes möchte ich den Händlern endlich Freiräume geben. Lassen Sie doch nach der Pandemie mal ein paar verkaufsoffene Sonntage laufen!" Das sei rechtlich nicht so ganz einfach und werde vermutlich auch das entgangene Weihnachtsgeschäft nicht kompensieren. "Aber diese Hoffnungssignale – darauf wartet die Wirtschaft und die sollte man auch senden."

(mkn)

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