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Konzert / Archiv | Beitrag vom 01.03.2017

Georg Solti DirigentenwettbewerbCharismatisches Handwerk

Aufzeichnung aus der Alten Oper Frankfurt

(Tibor Pluto)
Valentin Uryupin beim 8. Internationalen Dirigentenwettbewerb (Tibor Pluto)

In der Frankfurter Alten Oper fand vor zwei Wochen der Solti-Wettbewerb statt - nach einem spannenden Finalkonzert bekamen drei junge Dirigenten aus Russland, Hong Kong und den USA begehrte Preise.

Musikalisches Handwerk kann man lernen, persönliches Charisma nicht. Bei einem Beruf wie dem des Dirigenten kann man weder auf das eine noch das andere verzichten. 

Der "8. Internationale Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti" ist entschieden: Gewinner des ersten Preises ist der 31-jährige Russe Valentin Uryupin. Der zweite Preis geht an Wilson Ng (27) aus China, den dritten Preis erhält der US-Amerikaner Farkhad Khudyev (31).

293 junge Dirigentinnen und Dirigenten zwischen 20 und 35 Jahren aus 58 Ländern hatten sich zum diesjährigen Wettbewerb beworben. 21 von ihnen waren nach Frankfurt zu den Vorrunden (7.-9. Februar) mit dem Opern- und Museumsorchester und dem hr-Sinfonieorchester eingeladen worden, aus denen die drei Finalisten hervorgegangen sind.

Beim öffentlichen moderierten Abschlusskonzert, das am 12. Februar in der Alten Oper Frankfurt stattfand, standen die drei Finalisten am Pult des hr-Sinfonieorchesters, mit dem sie folgende – ihnen per Los zugeteilte – Werke zu Gehör brachten: Die Ouvertüre zu "Oberon" von Carl Maria von Weber (Farkhad Khudyev), die Konzertouvertüre "Le Carnaval Romain" von Hector Berlioz (Wilson Ng) und "Der Zauberlehrling" von Paul Dukas (Valentin Uryupin).

Die Gewinner des ersten und zweiten Preises erhalten außer den Preisgeldern auch Einladungen zu Dirigaten des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters bzw. des hr-Sinfonieorchesters. Die Badische Staatskapelle Karlsruhe, die Junge Deutsche Philharmonie, The Philadelphia Orchestra und das Tonhalle-Orchester Zürich stellen Gastdirigate oder Assistenzen in Aussicht.

Wie erstmals 2015 wurde auch in diesem Jahr ein Publikumspreis vergeben, der an Valentin Uryupin ging.

Der in der Ukraine geborene Valentin Uryupin gewann jüngst den 3. Preis im Gustav Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg. Sein Musikstudium schloss er zunächst als Klarinettist (2009) und schließlich als Dirigent (2012) in Moskau ab. Zu seinen Lehrern gehören die Dirigenten Gennady Rozhdestvensky und Kurt Masur sowie der Klarinettist Evgeny Petrov. 2015 siegte Valentin Uryupin beim allrussischen Dirigentenwettbewerb in Moskau. Im gleichen Jahr übernahm er die künstlerische Leitung des Philharmonischen Orchesters Rostow am Don. Weiter wirkt er als ständiger Dirigent des Opernhauses von Perm und damit auch des Orchesters "Musica Aeterna" sowie als ständiger Gastdirigent des Weißrussischen Rundfunkorchesters in Minsk. Gastdirigate führten ihn ans Teatro Real in Madrid, zum RTE Symphony Orchestra Dublin, ans Mariinsky Theater, zur Russischen Nationalphilharmonie und zu anderen renommierten Orchestern. Neben seiner Dirigiertätigkeit tritt Uryupin auch weiterhin als Klarinettist auf.

Erst vor drei Jahren wechselte der 27-jährige Wilson Ng von der Flöte zum Dirigieren – um kurz darauf als erster Chinese mit dem renommierten James Conlon Conductor Prize in Aspen ausgezeichnet zu werden. Wilson Ng dirigierte bereits beim Lucerne Festival, dem Pacific Music Festival und bei den Festspielen in Zürich. Zu seinen Lehrern gehören Bernard Haitink, David Zinman, Hugh Wolff und John Nelson, von dem er als Assistent für das Saisoneröffnungskonzert beim Guangzhou Symphony Orchestra ausgewählt wurde. Seine Ausbildung als Flötist erfolgte in Paris und Lausanne. Seit Beginn seiner Karriere als Dirigent hatte Wilson Ng die Chance, einige der internationalen Top-Orchester zu dirigieren, so das Tonhalle Orchester Zürich, die Festival Strings Lucerne, das Aspen Festival Orchestra oder das Shanghai Opera House Symphony Orchestra. In Hong Kong ist er künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Gustav Mahler Orchestra.

Der ursprünglich aus Ashgabat in Turkmenistan stammende Farkhad Khudyev lernte zunächst Geige und Klavier. Im Alter von zwölf Jahren wurde er als Repräsentant Turkmenistans für das internationale Festival "Neue Namen" in Moskau ausgewählt. Seine Dirigierstudien führten ihn in die USA zur Interlochen Arts Academy, ans Oberlin Conservatory und an die Yale School of Music. Zahlreiche Auszeichnungen brachten ihm Auftritte rund um den Globus ein. Er wirkte als Musikdirektor u. a. des New Jersey Intergenerational Orchestra und des New Haven Chamber Orchestra, als Associate Conductor der Opera Hidden Valley sowie als Alternate Conductor des Cleveland Orchestra. Gastdirigate brachten ihn zu zahlreichen nordamerikanischen Orchestern sowie zum Nationalorchester von Ashgabat und zum Taipei Chinese Orchestra. Zu seinen Lehrern gehören Kurt Masur, Peter Oundjian und Krzysztof Penderecki. Momentan ist Khudyev als künstlerischer Leiter des Youth Music Monterey Orchestras tätig.

Finalkonzert des 8. Georg-Solti-Dirigentenwettbewerbs
Aufzeichnung vom 12. Februar 2017 aus der Alten Oper Frankfurt am Main

Carl Maria von Weber                                                                                                        
Ouvertüre zur Oper "Oberon"                     

Hector Berlioz                                                                                                         
Le Carnaval Romain. Ouverture caractéristique op. 9

Paul Dukas                                                                                                   
Der Zauberlehrling. Sinfonisches Scherzo für Orchester                

Konzertpause
Christine Anderson im Gespräch mit Jurymitgliedern

Maurice Ravel                                                                                                                    
La Valse. Poème choreographique für Orchester   

Edward Elgar                                                                                               
Marsch Nr. 1 D-Dur, aus: Pomp and Circumstance. 5 Märsche für Orchester, op. 39  

hr-Sinfonieorchester
Leitung: Farkhad Khudyev (Weber), Wilson Ng (Berlioz) und Valentin Uryupin (Ravel und Elgar)

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