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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 12.04.2021

Genderstern "Sprache verändert sich"

Friederike Sittler im Gespräch mit Korbinian Frenzel

Schriftzug Gender* auf einer Schreibtafel,  (picture-alliance / Bildagentur-online)
Der Genderstern polarisiert und sorgt immer wieder für Debatten. (picture-alliance / Bildagentur-online)

Der Verleger und Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, kritisiert das Gendern als ideologische Steuerung der Sprache. Die Journalistin Friederike Sittler widerspricht und verteidigt die Sprachexperimente.

Der Verleger und Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, wendet sich zwar in einem ganzseitigen FAZ-Essay gegen Reinheitsverfechter in der Sprache, die sich bei jedem "wegen" mit Dativ die Haare raufen. Das Gendern empfindet er in der deutschen Sprache aber als gewaltsam. Der Genderstern sei dabei zum Symbol geworden, kritisiert Moritz.

Ideologisch steuern 

Er schreibt unter anderem: "Viele mögen ihn in rechtschaffender Absicht verwenden, um zumindest auf der Sprachebene Gleichberechtigung zu signalisieren, letztlich steht er jedoch stellvertretend für den Willen Anschauungen zu oktroyieren, die man für wichtig und aufgeklärt hält. Mit dem Rückenwind der Medien ist es plötzlich legitim, Sprache ideologisch zu steuern."  

Friederike Sittler, Abteilungsleiterin Hintergrund Kultur und Politik bei Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Christian Kruppa)Friederike Sittler, Abteilungsleiterin Hintergrund Kultur und Politik bei Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Christian Kruppa)
 "Ich frage mich, ob Sprache nicht immer ein Mittel zu Zwecken gewesen ist und ob dieser Vorwurf des Steuerns zutrifft", entgegnet die Journalistin Friederike Sittler, Leiterin der Abteilung "Hintergrund Kultur und Politik" und Vorsitzende des Journalistinnenbunds. Sie frage sich außerdem, wer denn hier ideologisch steuere.

Genderstern als Vorschlag 

Es sei ein Vorschlag, das Gendersternchen zu benutzen. Es gebe eben Journalistinnen und Journalisten und das Sternchen stehe für die Nicht-Binären, die über sich sagten, dass sie weder Mann noch Frau seien. "In der momentanen Debatte wird das oft in so einem Aufwasch erledigt." Damit werde wieder das generische Maskulinum bevorzugt. "Das ist nun in weiten Teilen wirklich out." Sie selbst sage immer gerne, sie sei auf einer Mädchenschule gewesen und habe in den 1980er-Jahren eine "Schülerzeitung" gemacht. Das werde sie auch nicht im Nachhinein korrigieren und behaupten, sie hätte eine "Schülerinnenzeitung" gemacht. "Auch wenn wir ausschließlich Frauen waren."

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Wenn heute dagegen ausschließlich der männliche Begriff verwendet werde, wisse sie nicht, ob nur von einer männlichen Gruppe die Rede sei oder ob sich darin auch Frauen versteckten und mit gemeint sein sollten. "Sprache verändert sich." Man habe sich an so viel in der Sprache gewöhnt. Da könne einiges ausprobiert werden.

(gem) 

Die Journalistin und Theologin Friederike Sittler ist Leiterin der Abteilung "Hintergrund Kultur und Politik" bei Deutschlandfunk Kultur. Nach dem Volontariat beim Sender Freies Berlin (SFB) arbeitete sie in der Redaktion Politik, später beim Inforadio als Moderatorin, Chefin vom Dienst und Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio. Im Dezember 2002 übernahm Sittler die Leitung der Redaktion Kirche und Religion, Hörfunk und Fernsehen beim RBB. Seit Juli 2019 arbeitet sie bei Deutschlandfunk Kultur. Sie ist außerdem Vorsitzende des Journalistinnenbunds. 

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