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Interview | Beitrag vom 29.09.2020

Gender EconomicsFrauen wirtschaften anders

Nicola Fuchs-Schündeln im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Illustration einer Frau, sitzend auf einem Bürostuhl. Hinter ihr ein überlebensgrosser Mann im Anzug. (Getty / fStop images / Malte Müller)
In der Wirtschaft geben immer noch Männer den Ton an - und auch in den Wirtschaftswissenschaften sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. (Getty / fStop images / Malte Müller)

In der Wirtschaft geben immer noch Männer den Ton an, in den Fakultäten der Wirtschaftswissenschaften ebenso. Die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln erklärt, warum das so ist und wie es sich ändern ließe.

Auf der Liste der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Deutschlands einflussreichsten Ökonomen stehen genau 100 Namen. Frage: Wie viele davon gehören Frauen? Ernüchternde Antwort: gerade einmal 15. Die erste Ökonomin taucht im Ranking auf Platz 14 auf. Es ist Claudia Kemfert vom DIW Berlin, die dort die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt leitet.

Männer am Ruder in Firmen und Fakultäten

15 von 100, das sind 15 Prozent. Die Liste spiegelt laut Nicola Fuchs-Schündeln, Professorin für Makrökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität Frankfurt und Vorsitzende des altehrwürdigen "Vereins für Socialpolitik", ziemlich genau die numerischen Machtverhältnisse an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der deutschen Universitäten wider. Auch hier gebe es im Schnitt 15 Prozent Professorinnen und 85 Prozent Professoren, berichtet sie.

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Durch den geringen Frauenanteil gehe den Wirtschaftswissenschaften "sehr viel Talent verloren", beklagt Fuchs-Schündeln. Auch deswegen richtet der Verein für Socialpolitik in diesem Jahr seine Jahrestagung zum Thema "Gender Economics" aus.

Fuchs-Schündeln hat verglichen, womit sich Wirtschaftswissenschaftlerinnen beschäftigen und was ihre männlichen Kollegen antreibt. Ihr Resultat: Frauen forschten in der Regel über den Arbeitsmarkt, Entwicklungsländer oder Gesundheitsökonomie, während sich die Männer auf Makroökonomie oder Themen wie Finanzen konzentrierten.

Mehr Geld für Kinder und Bildung

In der Forschung selbst zeigt sich laut Fuchs-Schündeln, dass es sich lohnt, das ökonomische Verhalten von Männern und Frauen in den Blick zu nehmen. "Männer und Frauen verhalten sich in der Tat anders", betont sie.

So habe sich etwa in der Entwicklungsökonomie herausgestellt, dass Kindern und ihrer Bildung mehr Geld zugutekomme, wenn man eher Frauen als Männer unterstütze - "was sehr wünschenswert ist aus der Wachstumsperspektive", so Fuchs-Schündeln.

Dass Frauen auch in unseren Breitengraden anders wirtschaften als Männer, habe vielfältige Gründe, sagt die Wissenschaftlerin. Zum einen spielten kulturelle Fragen eine Rolle: "Wie werden Frauen wahrgenommen, wenn sie Erfolg haben, wenn sie Familie und Beruf kombinieren, wie ist das insbesondere für Mütter?"

Die Wettbewerbsstrukturen verändern

Es gebe auch Unterschiede im Wettbewerbsverhalten von Männern und Frauen. Die Forschung zeige, dass Frauen Wettbewerbe scheuten, selbst wenn sie eine gute Chance hätten, diese zu gewinnen, berichtet Fuchs-Schündeln.

Viele wirtschaftliche Strukturen seien wettbewerblich organisiert. Hier stelle sich die Frage, ob diese Strukturen verändert werden könnten, "so dass sich nachher wirklich die Talentiertesten an der Spitze finden und nicht die mit den stärksten Ellenbogen."

Letztlich stelle sich auch die Frage, inwieweit Diskriminierung noch eine Rolle spiele, sagt Fuchs-Schündeln. Offene Diskriminierung gebe es heutzutage kaum noch. Unbewusst werde das Bild des erfolgreichen Managers aber immer noch mit einem Mann assoziiert. Das präge unter anderem das Verhalten derjenigen, die darüber entschieden, wer befördert werde und wer nicht.

(ahe)

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