Ausstellung zum Gehirn

Was haben wir eigentlich im Kopf?

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Eine Aufnahme von bunten Gehirnfasern.
Einem Kunstwerk ähnlich: In Bonn ist eine Fasertraktografie ausgestellt. Sie zeigt die Nervenverbindungen des menschlichen Gehirns. © Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Forschungszentrum Jülich
Henriette Pleiger im Gespräch mit Ute Welty · 28.01.2022
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Eine Ausstellung über das Gehirn in der Bonner Bundeskunsthalle soll Kunst und Wissenschaft miteinander verbinden. Ein "uferloses Thema", bekennt die Kuratorin Henriette Pleiger. Deshalb ist die Schau durch einfache Fragen strukturiert.
Geforscht wird seit Jahrhunderten am Gehirn. Doch trotz der immer neuen Erkenntnisse über die "Schaltzentrale" bleiben Rätsel: Wie ist das mit der Seele, mit dem Bewusstsein? Das Gehirn sei doch eine "sehr hermetische Angelegenheit", wie Henriette Pleiger sagt. Ein so "uferloses Thema" sei eine große Herausforderung für sie und die anderen beiden Kuratoren in der Bonner Bundeskunsthalle gewesen.
Ein künstlerisches Holzmodell eines Gehirns, das wie eine Stadt aussieht und in dem eine Glühbirne leuchtet.
Kunst sei "massiv im Spiel", sagt Kuratorin Henriette Pleiger: "The Brain City Project", 2011 von dem Israeli Yaron Steinberg (geb. 1982) geschaffen. © Yaron Steinberg
Deshalb habe man die neue Ausstellung "Das Gehirn. In Kunst und Wissenschaft" an fünf einfachen Fragen entlang konzipiert: Was habe ich im Kopf? Wie stelle ich mir die Vorgänge im Gehirn vor? Sind ich und mein Körper dasselbe? Wie mache ich mir die Welt? Und: Soll ich mein Gehirn optimieren?

Neuronale Verbindungen zwischen den Disziplinen

Herausgekommen sei "eine wilde Mischung", sagt Pleiger. Neben der Hirnforschung und Neurologie geht es in der Schau um Philosophie, Religion, Medizingeschichte und Psychologie. Und auch die Kunst komme "massiv ins Spiel", so die Kuratorin. "Was wir schaffen wollen, sind die Querverbindungen, sozusagen neuronale Verbindungen zwischen den Disziplinen."
Eine Tintenzeichnung von Nervenzellen auf Papier
Ausgestellt in Bonn: "Eine Purkinjezelle aus dem menschlichen Kleinhirn". Die Zeichnung fertigte der spanische Mediziner Santiago Ramón y Cajal 1901 an, nach seinem Blick ins Mikroskop. Er erhielt 1906 den Nobelpreis. © Instituto Cajal (C.S.I.C.), Madrid
Starke Nerven brauche man für die Ausstellung indes nicht, betont Pleiger. Da sei nichts "blutrünstig". Auf Humanpräparate habe man bewusst verzichtet. Stattdessen könnten beispielsweise medizinhistorische Modelle und anatomische Zeichnungen viel über die Entdeckungsgeschichte des Gehirns erzählen. Darunter seien echte "Wissenschaftspräziosen" wie die ersten Zeichnungen von Nervenzellen des späteren Nobelpreisträgers Santiago Ramón y Cajal.

(bth)

Die Ausstellung "Das Gehirn. In Wissenschaft und Kunst" ist in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen und läuft vom 28. Januar bis 26. Juni 2022.

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