Gegenstände aus dem Nichts
In der Gedenkstätte Ravensbrück öffnet am Wochenende die neue Hauptausstellung: "Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück – Geschichte und Erinnerung". Neben Gästen aus der Politik kommen dazu mehr als 50 Überlebende. Sie gedenken des 68. Jahrestages der Befreiung des Lagers.
Noch wird überall letzte Hand angelegt, aber im Prinzip ist die neue Hauptausstellung in der Gedenkstätte Ravensbrück fertig. Über drei Jahre hat die Historikerin Alyn Beßmann daran gearbeitet, 200 Archive gesichtet, mit 35 Wissenschaftlern in aller Welt kooperiert. Jetzt steht die Projektleiterin vor einem winzig kleinen Exponat, einem Kirschkern, der zu einem Schmuckstück wurde; den sowjetische Häftlinge für eine Mitgefangene geschnitzt haben:
"Die Möglichkeit, aus nichts irgendwas zu machen, also die hatten nichts, ein Kirschkern wird ein Geschenk. Es spricht für mich von Solidarität, von Kreativität, von einem unglaublichen Lebens und Überlebenswillen, und so hat jedes Objekt hier seine kleine Geschichte zu erzählen."
Zu den mehr als 1.500 Exponaten gehören originale Lagergegenstände, viele aus dem Besitz von Überlebenden aus aller Welt, Fotos und Dokumente. Das größte Exponat ist das Ausstellungsgebäude selbst, 900 Quadratmeter Fläche auf zwei Geschossen: das original erhaltene SS-Verwaltungsgebäude nach seiner denkmalgerechten Sanierung.
Die Gedenkstätte präsentiert dort die Geschichte des KZ-Komplexes Ravensbrück in allen Facetten, im Prinzip 34 Einzelausstellungen, untergliedert in 13 Themenbereiche.
Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach: "Die Zwangsarbeit, die medizinischen Experimente, Siemens-Lager, die Kinder-Häftlinge und schließlich auch die systematischen Massentötungen am Ende des Krieges, zu Ende der Lagerzeit; aber wir haben auch eine ganze Reihe von neuen Themen, die bislang in Ausstellungen nicht, jedenfalls nicht in einer Dauerausstellung zu sehen waren: das Thema der KZ-Bordelle, das so genannte Jugendschutzlager Uckermark, was auch jahrzehntelang in Vergessenheit geraten war, und überhaupt die extrem detaillierte Darstellung der Häftlingsgruppen…"
Die Nationalsozialisten deportierten Häftlinge aus über 40 Nationen, Juden, Sinti und Roma nach Ravensbrück.
Architektin Bärbel Kannenberg und Ika Gerrard vom Hamburger Gestalterbüro "Graphische Werkstätten Feldstraße" gingen vorsichtig vor, das rustikale schwere Verwaltungsgebäude bekam eine fast leicht wirkende Präsentation:
"Am Anfang dachte ich, das ist ein großer Widerspruch: Man spürt hier fast noch den Geist der Geschichte. Wir haben uns erst mal zurückgehalten und sind jetzt am Ende sehr überrascht über diese Präsenz des Gebäudes. und haben uns überlegt, dass wir dagegen keine dominante Ausstellungsarchitektur gegen anstellen können. (…) Hier ist ja nicht der vorpreschende Architekt mit seinen Ideen gefragt, sondern hier ist eigentlich die Zurückhaltung gefragt. Hier sollte man den authentischen Ort einfach ernst nehmen."
Die neue Hauptausstellung ist den Frauen, Männern und Kindern aus ganz Europa gewidmet, über 130.000, die von 1939 – 45 im KZ Ravensbrück inhaftiert waren.
Da viele von ihnen nicht mehr leben, setzt die Ausstellung auf oral history, lässt die Betroffenen von damals selbst zu Wort kommen, an kleinen Audio-Stationen, wie hier die politische Gefangene Anette Eekmann aus Belgien: "Wenn wir da als verfügbare Häftlinge in diese verschiedenen Arbeiten kamen, war da immer eine Aufseherin dabei. Und die hat immer gerufen, wenn man sich richtete, um den Rücken etwas auszuruhen, hat sie immer gleich geschrien."
Grimme-Preisträgerin Loretta Walz stellte dafür ihr Archiv von Interviews mit Überlebenden zur Verfügung:
"Und auf dieser Basis können wir eben auch elf Terminals hier - haben wir hier einrichten können, wo insgesamt 54 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu hören sind. Das ist natürlich ein Bestand, ein Schatz, der diese Ausstellung, wie ich finde, ungemein bereichert."
Zehntausende wurden in Ravensbrück ermordet, starben an Hunger, Krankheiten, Misshandlungen oder wurden Opfer medizinischer Versuche. Nachdem die SS kurz vor Kriegsende mehr als 20.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Norden getrieben hatte, befreiten Soldaten der Roten Armee am 30. April 1945 die noch rund 2.000 im Lager zurückgelassenen kranken Häftlinge.
Informationen der Gedenkstätte Ravensbrück
"Die Möglichkeit, aus nichts irgendwas zu machen, also die hatten nichts, ein Kirschkern wird ein Geschenk. Es spricht für mich von Solidarität, von Kreativität, von einem unglaublichen Lebens und Überlebenswillen, und so hat jedes Objekt hier seine kleine Geschichte zu erzählen."
Zu den mehr als 1.500 Exponaten gehören originale Lagergegenstände, viele aus dem Besitz von Überlebenden aus aller Welt, Fotos und Dokumente. Das größte Exponat ist das Ausstellungsgebäude selbst, 900 Quadratmeter Fläche auf zwei Geschossen: das original erhaltene SS-Verwaltungsgebäude nach seiner denkmalgerechten Sanierung.
Die Gedenkstätte präsentiert dort die Geschichte des KZ-Komplexes Ravensbrück in allen Facetten, im Prinzip 34 Einzelausstellungen, untergliedert in 13 Themenbereiche.
Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach: "Die Zwangsarbeit, die medizinischen Experimente, Siemens-Lager, die Kinder-Häftlinge und schließlich auch die systematischen Massentötungen am Ende des Krieges, zu Ende der Lagerzeit; aber wir haben auch eine ganze Reihe von neuen Themen, die bislang in Ausstellungen nicht, jedenfalls nicht in einer Dauerausstellung zu sehen waren: das Thema der KZ-Bordelle, das so genannte Jugendschutzlager Uckermark, was auch jahrzehntelang in Vergessenheit geraten war, und überhaupt die extrem detaillierte Darstellung der Häftlingsgruppen…"
Die Nationalsozialisten deportierten Häftlinge aus über 40 Nationen, Juden, Sinti und Roma nach Ravensbrück.
Architektin Bärbel Kannenberg und Ika Gerrard vom Hamburger Gestalterbüro "Graphische Werkstätten Feldstraße" gingen vorsichtig vor, das rustikale schwere Verwaltungsgebäude bekam eine fast leicht wirkende Präsentation:
"Am Anfang dachte ich, das ist ein großer Widerspruch: Man spürt hier fast noch den Geist der Geschichte. Wir haben uns erst mal zurückgehalten und sind jetzt am Ende sehr überrascht über diese Präsenz des Gebäudes. und haben uns überlegt, dass wir dagegen keine dominante Ausstellungsarchitektur gegen anstellen können. (…) Hier ist ja nicht der vorpreschende Architekt mit seinen Ideen gefragt, sondern hier ist eigentlich die Zurückhaltung gefragt. Hier sollte man den authentischen Ort einfach ernst nehmen."
Die neue Hauptausstellung ist den Frauen, Männern und Kindern aus ganz Europa gewidmet, über 130.000, die von 1939 – 45 im KZ Ravensbrück inhaftiert waren.
Da viele von ihnen nicht mehr leben, setzt die Ausstellung auf oral history, lässt die Betroffenen von damals selbst zu Wort kommen, an kleinen Audio-Stationen, wie hier die politische Gefangene Anette Eekmann aus Belgien: "Wenn wir da als verfügbare Häftlinge in diese verschiedenen Arbeiten kamen, war da immer eine Aufseherin dabei. Und die hat immer gerufen, wenn man sich richtete, um den Rücken etwas auszuruhen, hat sie immer gleich geschrien."
Grimme-Preisträgerin Loretta Walz stellte dafür ihr Archiv von Interviews mit Überlebenden zur Verfügung:
"Und auf dieser Basis können wir eben auch elf Terminals hier - haben wir hier einrichten können, wo insgesamt 54 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu hören sind. Das ist natürlich ein Bestand, ein Schatz, der diese Ausstellung, wie ich finde, ungemein bereichert."
Zehntausende wurden in Ravensbrück ermordet, starben an Hunger, Krankheiten, Misshandlungen oder wurden Opfer medizinischer Versuche. Nachdem die SS kurz vor Kriegsende mehr als 20.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Norden getrieben hatte, befreiten Soldaten der Roten Armee am 30. April 1945 die noch rund 2.000 im Lager zurückgelassenen kranken Häftlinge.
Informationen der Gedenkstätte Ravensbrück
