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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.05.2013

"Gefahr einer richtigen Insolvenz" beim Suhrkamp Verlag

Mediation gescheitert, Schuldenmoratorium nötig: Die ungewisse Zukunft des renommierten Buchverlags

Jörg Plath im Gespräch mit Anke Schäfer

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Verlagszentrale von Suhrkamp (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Verlagszentrale von Suhrkamp (picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Neuer Schachzug im Machtspiel um den Suhrkamp-Verlag: Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz beantragte bei einem Berliner Gericht einen Gläubigerschutz.

Jörg Plath: Das ist so was wie ein kleines Insolvenzverfahren, muss man sagen, mit einem größeren Schutz für den Gläubiger. Also die Geschäftsführung wird nicht abberufen, es wird kein Insolvenzverwalter bestellt, das Unternehmen wird nicht sofort zerschlagen und verkauft, um möglichst viel den Gläubigern zu überantworten, sondern die Geschäftsführung bleibt im Amt, sie kann weiterarbeiten. Sie bekommt zur Seite gestellt zwei Leute, einen Generalbevollmächtigten und einen Sachverwalter, die mit dem Gericht zusammen dann versuchen, und der Geschäftsführung, einen Sanierungsplan zu erstellen in wenigen Monaten, und in dieser Zeit sind alle Vermögen des Verlages – in dem Falle also Bücher, Autorenrechte, Immobilien – geschützt.

Anke Schäfer: Und Suhrkamp hat es also für nötig befunden, den Antrag auf Einleitung dieses Schutzschirmverfahrens beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg zu stellen, um eben die Auszahlung der Gewinne zu verhindern?

Plath: Der Schutzschirm schützt die Gewinne, schützt das Vermögen des Unternehmens, in dem Falle eben auch die Gewinne, die im Haus sind, und deren Auszahlung offenbar Suhrkamp in große Schwierigkeiten gebracht hätte. Die Wirtschaftsprüfer haben ja gesagt, so kann es nicht weitergehen, wir können diesen Gewinn aus den zwei Jahren nicht auszahlen, dann ist das Haus nicht mehr handlungsfähig, und nun muss man sehen.

Schäfer: Die Mediation zwischen den Gesellschaftern war gescheitert?

Der Galerist und Medienunternehmer Hans Barlach (dpa / picture alliance / Carsten Rehder)Hans Barlach, Minderheitsgesellschafter beim Suhrkamp Verlag (dpa / picture alliance / Carsten Rehder)Plath: Ja, die Mediation ist gescheitert, wir haben ja ein bisschen davon verfolgen können, als Michael Naumann, auch hier im Deutschlandradio übrigens, sagte, dass doch Barlach der Mann mit einer Fahrradklingel sei, während der Suhrkamp-Verlag eine Bachsche Fuge sei, und damit hat er sich natürlich gleich ins Aus katapultiert. Auch andere Versuche sind offenbar gescheitert, und die letzte Möglichkeit, nämlich dass irgendein Geldgeber eintritt und sagt, ich trete in diesen Verlag ein, und damit tretet ihr beiden auseinander, oder wir beseitigen Barlach, auch das ist offenbar bisher nicht der Fall gewesen.

Schäfer: Was bedeutet diese Situation für Autoren und Angestellte jetzt?

Plath: Der Verlag sagt erst mal nichts, und das stimmt wohl auch, es sind davon keine Autorenrechte beeinträchtigt. Die Autoren haben sich in der letzten Woche auch hier in Berlin getroffen, sie müssen ja unterrichtet werden bei solch gravierenden Änderungen im Rechtsstatus des Verlages, und auch Mitarbeiter werden wohl nicht entlassen, aber es ist die Frage, was passiert in Zukunft.

Schäfer: Ja, was passiert in Zukunft? Das Schutzschirmverfahren ist zeitlich begrenzt auf wenige Monate, dann muss man sich also geeinigt haben, was passiert nach diesen wenigen Monaten, wenn man sich jetzt nicht einigen kann?

Plath: Ja, das Schuldenmoratorium muss jetzt ausgehandelt werden im Verlag mit und zwischen den beiden Gesellschaftern. Wenn das nicht glückt, dann droht die Insolvenz, allerdings nicht die einfache Insolvenz, sondern ein Insolvenzplanverfahren, habe ich erfahren, und dieses Insolvenzplanverfahren bedeutet, dass dann eben nach dem Plan vorgegangen wird, dem die Geschäftsführung in diesen Monaten, in den letzten oder in den kommenden Monaten erarbeitet hat, und da die Geschäftsführung hier in den Händen von Ulla Unseld-Berkéwicz liegt, hat sie die Möglichkeit, mit einem solchen Plan noch zu versuchen, die Stellung von Barlach zu vermindern oder ihn ganz raus zu drängen.

Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkewicz vor den Ausstellungsplakaten "Siegfried Unseld - Der Verleger" vor dem Holzhausenschlösschen in Frankfurt (AP)Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz (AP)Das ist ja offenbar auch die Hoffnung, man scheint da offenbar auch die Gefahr einer richtigen Insolvenz in Kauf zu nehmen, man spielt sozusagen vielleicht auch mit den Gedanken, dass ja ohnehin das Landgericht Frankfurt im Februar das Urteil hinausgeschoben hat auf den September, in dem Fall, in dem sowohl Barlach wie auch Ulla Unseld-Berkéwicz gesagt haben, wir möchten den anderen Gesellschafter ausschließen. Und dann hat noch Barlach einen Antrag auf Auflösung des Verlages gestellt, also vielleicht möchte man diesem Antrag auch zuvorkommen.

Schäfer: Jetzt gibt es noch eine Meldung vom "Spiegel", und zwar hört man, dass die zerstrittenen Anteilseigner von Suhrkamp mit einem dritten Anteilseigner verhandeln, an den sie dann Anteile abtreten wollen. Kann da denn was dran sein?

Plath: Ja, da laufen einige Gerüchte um, es ist die Rede von Random House und auch von Burda überraschenderweise. Es gibt ja hochkarätige Verlegerinnen und Verleger, die auf dem Markt sind, frei sind im Augenblick: Günter Berg, früher bei Hoffmann und Campe, aber auch früher bei Suhrkamp rausgeworfen von Ulla Unseld-Berkéwicz, und auch Elisabeth Ruge, die bisherige Hanser-Berlin-Verlegerin und vorher Berlin-Verlag-Verlegerin, ist auf dem Markt. Da könnte was dran sein, aber natürlich erfährt man nichts Genaueres.

Schäfer: Wäre das denn eine Lösung?

Plath: Es wäre sozusagen eine Lösung, glaube ich, wenn Ulla Unseld-Berkéwicz das, was sie jetzt hat, nämlich die Kontrolle auf beiden Ebenen – auf der Eigentumsebene wie auf der operativen Geschäftsebene – trennt und sich sagt, ich ziehe mich zurück auf die Kontrollebene, ich bin Eigentümerin, und ich lasse aber eine Verlegerin oder einen Verleger operativ selbstständig arbeiten.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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