Gedenktag: Antiziganismusbeauftragter Brand mahnt Schutz von Sinti und Roma als Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft an

    Mehrere Menschen stehen vor einem Denkmal, das an die von Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma in Europa erinnert. Auf Gedenktafeln sind die Gesichter mehrerer Opfer und deren Geschichten abgebildet.
    Das Denkmal in Berlin für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma Europas. © IMAGO / Volker Hohlfeld
    Der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Brand, hat die Verantwortung der Gesellschaft für den Schutz der Sinti und Roma hervorgehoben. Brand sagte im Deutschlandfunk , der Umgang mit Minderheiten zeige, wie es um eine Demokratie bestellt sei. Der heutige Tag des Gedenkens an den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma sei auch ein politisches Bekenntnis. Deutschland trage eine historische Verantwortung, betonte der CDU-Politiker. Dass die Bundesregierung vor knapp einem Monat beschlossen habe, eine Aufarbeitungskommission zum Unrecht an Sinti und Roma nach 1945 einzusetzen, sei "unglaublich spät", aber ein wichtiger Schritt. Es habe nach dem Nationalsozialismus in Deutschland Kontinuitäten gegeben: Diejenigen, die Sinti und Roma verfolgt hätten, hätten anschließend über Rentenanträge oder die Frage von Entschädigungen entschieden. Auch im Wohnbereich seien Sinti und Roma diskriminiert und an Ränder gedrängt worden. Diskriminierung finde auch heute statt und nehme sogar zu, betonte Brand. Auf der einen Seite stünden Fälle, bei denen Minderheiten gezielt zur Zielscheibe gemacht würden. Auf der anderen Seite gebe es aber auch diejenigen, die nachlässig Stereotype weiterverbreiteten. Die Kommission habe nun die Aufgabe, die Stimmen Betroffener zu hören, Akten zu erschließen, staatliches Handeln zu untersuchen und schließlich Handlungsempfehlungen zu geben. Brand nimmt heute als Vertreter der Bundesregierung an der internationalen Gedenkveranstaltung im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau teil. Dort wurden in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 rund 4.300 Sinti und Roma von der SS getötet. Insgesamt ermordeten die Nazis zwischen 1933 und 1945 bis zu 500.000 Menschen der Bevölkerungsgruppe.