Gedenken ohne Denkmal
Der Bundeswehr-Truppenpsychologe Horst Schuh war bei vielen Einsätzen im Kosovo, in Bosnien und eben auch in Afghanistan dabei. Er kümmerte sich auch um Angehörige zu Tode gekommener Soldaten. Das mitgefühlte Leid, die Trauer legen beim ersten Gedanken Verständnis nahe für seine Forderung nach einer zentralen Gedenkstätte in Deutschland für Bundeswehrsoldaten, die beim Auslandseinsatz ihr Leben verloren haben. Allerdings beim zweiten Gedanken kommen Zweifel auf.
Es gibt noch andere Berufsgruppen, die in Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber der Gemeinschaft Opfer bringen. Im Jahr 2004 sind zehn Polizeibeamte zu Tode gekommen. Abschließende Zahlen für 2005 liegen noch nicht vor. Seit Ende des 2. Weltkrieges bis in die Gegenwart beklagt die Polizei weit mehr als 1800 Todesopfer in ihren Reihen. Obwohl es auch aus Kreisen der Polizei Forderungen nach einer zentralen Gedenkstätte gab, hat man darauf verzichtet. In Baden-Württemberg erinnert sich die Polizei zum Beispiel an ihre Toten jedes Jahr mit einer Gedenkfeier in einer jeweils anderen Stadt, auch um eine weitere Öffentlichkeit zu erreichen.
Unsere Soldaten sind Staatsbürger in Uniform, die eine bestimmte Aufgabe, manchmal lebensgefährliche Aufgabe, übernommen haben. Und uns erfüllt es mit Trauer und Mitgefühl, wenn ihnen etwas zustößt. Wir bangen aber auch um Polizisten, um Feuerwehrleute in gefahrvollem Einsatz, um Rettungsmannschaften, um jene Helden des Alltags, die alte Fliegerbomben entschärfen, um Entwicklungshelfer, Ärzte und Krankenschwestern mit gelegentlich ebenfalls gefährlichem Auftrag, auch um verschleppte Diplomaten und Ingenieure an gefährlichem Ort. Erlaubt sei auch ein Hinweis auf meine Kolleginnen und Kollegen Journalisten und Kameraleute. Nach neuesten Angaben der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" sind im vorigen Jahr weltweit 63 Journalisten sowie fünf Medienmitarbeiter bei der Arbeit getötet worden, viele von ihnen im Irak. Bei den einen ist es Zivilcourage, bei den anderen Courage in Uniform.
Sie alle tun etwas für die Gemeinschaft, ihnen allen schulden wir Dank und im traurigen Ernstfall unser Gedenken. Die Denkmäler für sie errichten wir aber am besten in unseren Köpfen. Mit Denkmälern im Park, auf dem Rathausplatz oder mit Mahnmalen von nationalem Rang haben wir so unsere Erfahrungen, ebenso wie mit protokollarisch gedrillten Kranzniederlegungen einschließlich des sogenannten Ordnens der Kranzschleife.
Denkmäler sind im Laufe unserer Geschichte missbraucht worden. Mahnmale für die Opfer des 1.Weltkriegs wurden von den Nazis zur Stimmungsmache für den 2.Weltkrieg instrumentalisiert. Viele Namen der 12000 im ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten jüdischen Glaubens wurden mit Hammer und Meißel aus Marmor und Granit entfernt, die Erinnerung an diese Toten dem Rassenwahn geopfert.
Überreste von Konzentrationslagern, Soldatenfriedhöfe, die ehemalige Nazi-Hinrichtungsstätte Plötzensee, Kreuze für die Maueropfer in Berlin an der Stelle der Spree, wo die Morde geschahen. Sie sind Beispiele für etwas Anderes, wo die Erinnerung nämlich nicht nur am Symbolischen sondern am Tatsächlichen festmachen kann.
Erinnerung muss sein, da wird kaum jemand dem Truppenpsychologen Schuh widersprechen. Deshalb tragen Schulen und Kasernen bei uns oft die Namen herausragender Persönlichkeiten zum Beispiel des Deutschen Widerstands gegen Naziwillkür.
Am Volkstrauertag mit seiner zentralen Veranstaltung im Deutschen Bundestag wird vor allem der Opfer beider Weltkriege gedacht. Was hindert den Bundespräsidenten oder den Bundestagspräsidenten daran, aus diesem Anlass auch an andere Opfer zu erinnern, die im Rahmen ihrer Pflichten ihr Leben verloren haben, wie Soldaten im Auslandseinsatz.
Diese Soldaten handeln übrigens im internationalen Auftrag. Warum unterstreicht man nicht diese praktizierte internationale Solidarität auch in der Trauer, indem man zum Beispiel der Toten einmal im Jahr in Brüssel, im nächsten Jahr in der UNO-Vollversammlung, dann vielleicht in Berlin oder in Warschau gedenkt.
Peter Frei, Jahrgang 1934, war zunächst Redakteur bei der NRZ. 1962 ging er zum Deutschlandfunk und 1967 nach Baden-Baden zum SWF. Er war zehn Jahre lang Korrespondent in London, danach in Bonn, von 1991 an Chefredakteur des SWF und von 1993 bis 1998 sein Hörfunkdirektor.
Unsere Soldaten sind Staatsbürger in Uniform, die eine bestimmte Aufgabe, manchmal lebensgefährliche Aufgabe, übernommen haben. Und uns erfüllt es mit Trauer und Mitgefühl, wenn ihnen etwas zustößt. Wir bangen aber auch um Polizisten, um Feuerwehrleute in gefahrvollem Einsatz, um Rettungsmannschaften, um jene Helden des Alltags, die alte Fliegerbomben entschärfen, um Entwicklungshelfer, Ärzte und Krankenschwestern mit gelegentlich ebenfalls gefährlichem Auftrag, auch um verschleppte Diplomaten und Ingenieure an gefährlichem Ort. Erlaubt sei auch ein Hinweis auf meine Kolleginnen und Kollegen Journalisten und Kameraleute. Nach neuesten Angaben der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" sind im vorigen Jahr weltweit 63 Journalisten sowie fünf Medienmitarbeiter bei der Arbeit getötet worden, viele von ihnen im Irak. Bei den einen ist es Zivilcourage, bei den anderen Courage in Uniform.
Sie alle tun etwas für die Gemeinschaft, ihnen allen schulden wir Dank und im traurigen Ernstfall unser Gedenken. Die Denkmäler für sie errichten wir aber am besten in unseren Köpfen. Mit Denkmälern im Park, auf dem Rathausplatz oder mit Mahnmalen von nationalem Rang haben wir so unsere Erfahrungen, ebenso wie mit protokollarisch gedrillten Kranzniederlegungen einschließlich des sogenannten Ordnens der Kranzschleife.
Denkmäler sind im Laufe unserer Geschichte missbraucht worden. Mahnmale für die Opfer des 1.Weltkriegs wurden von den Nazis zur Stimmungsmache für den 2.Weltkrieg instrumentalisiert. Viele Namen der 12000 im ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten jüdischen Glaubens wurden mit Hammer und Meißel aus Marmor und Granit entfernt, die Erinnerung an diese Toten dem Rassenwahn geopfert.
Überreste von Konzentrationslagern, Soldatenfriedhöfe, die ehemalige Nazi-Hinrichtungsstätte Plötzensee, Kreuze für die Maueropfer in Berlin an der Stelle der Spree, wo die Morde geschahen. Sie sind Beispiele für etwas Anderes, wo die Erinnerung nämlich nicht nur am Symbolischen sondern am Tatsächlichen festmachen kann.
Erinnerung muss sein, da wird kaum jemand dem Truppenpsychologen Schuh widersprechen. Deshalb tragen Schulen und Kasernen bei uns oft die Namen herausragender Persönlichkeiten zum Beispiel des Deutschen Widerstands gegen Naziwillkür.
Am Volkstrauertag mit seiner zentralen Veranstaltung im Deutschen Bundestag wird vor allem der Opfer beider Weltkriege gedacht. Was hindert den Bundespräsidenten oder den Bundestagspräsidenten daran, aus diesem Anlass auch an andere Opfer zu erinnern, die im Rahmen ihrer Pflichten ihr Leben verloren haben, wie Soldaten im Auslandseinsatz.
Diese Soldaten handeln übrigens im internationalen Auftrag. Warum unterstreicht man nicht diese praktizierte internationale Solidarität auch in der Trauer, indem man zum Beispiel der Toten einmal im Jahr in Brüssel, im nächsten Jahr in der UNO-Vollversammlung, dann vielleicht in Berlin oder in Warschau gedenkt.
Peter Frei, Jahrgang 1934, war zunächst Redakteur bei der NRZ. 1962 ging er zum Deutschlandfunk und 1967 nach Baden-Baden zum SWF. Er war zehn Jahre lang Korrespondent in London, danach in Bonn, von 1991 an Chefredakteur des SWF und von 1993 bis 1998 sein Hörfunkdirektor.