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Kompressor | Beitrag vom 31.01.2020

Game „Through the Darkest of Times“Als Widerstandskämpfer gegen die Nazis

Markus Richter im Gespräch mit Timo Grampes

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Szene aus dem Spiel "Through the Darkest of Times": Drei Widerstandskämpfer sitzen kospirativ zusammen in einer Untergrunddruckerei, zwei von ihnen starren den Betrachter durchdringend an. (Paintbucket Games)
Kampf trotz Aussichtslosigkeit: In dem Spiel "Through the Darkest of Times" leistet man Widerstand gegen das NS-Regime. (Paintbucket Games)

Das Computerspiel "Through the Darkest of Times" handelt vom Widerstand gegen die Nazis kurz nach der Machtübernahme. Wer Action wie in "Inglorious Basterds" erwartet, wird enttäuscht. Das Spiel lohnt sich trotzdem.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. An diesem Tag begann die zwölfjährige Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Genau 87 Jahre später erscheint das Computerspiel "Through the Darkest of Times", das vom Widerstand gegen die Nazis handelt. Und auch wenn die meisten Figuren frei erfunden sind, ist das Spiel doch nah an der Geschichte.

Man gründet eine Widerstandsgruppe von fünf Personen, muss um Unterstützer werben, Geld einsammeln, Flugblätter verteilen, später auch Waffen stehlen, Verfolgte verstecken, man kann sogar Anschläge planen und muss dabei drei Ressourcen im Auge behalten: die eigene Moral der Gruppe, die Anzahl der Unterstützer, die regelmäßig Geld spenden und auch das Geld selbst. Das sind Zahlenwerte, die durch die Widerstandsarbeit beeinflusst werden.

Szene aus dem Computerspiel "Through the Darkest of Times": Darstellung der nationalsozialistischen Bücherverbrennung, neben einem Feuer stehen zwei Männer, einer erhebt die recht Hand zum Hitlergruß. (Paintbucket Games)Die Bücherverbrennung lässt sich auch im Spiel nicht verhindern: Dem Erfolg der Widerstandskämpfer in "Through the Darkest of Times" sind enge Grenzen gesetzt. (Paintbucket Games)

Man trifft dabei auch auf historische Personen wie etwa Erich Kästner. "Auf der einen Seite hatten wir Sorge, dass wir die Spielerinnen traumatisieren könnten, und auf der anderen Seiten hatten wir auch Angst, dass wir diese Ereignisse vielleicht trivialisieren, indem wir sie komplett darstellen", sagt der Entwickler Jörg Friedrich, einer der beiden Köpfe hinter dem Studio Paintbucket Games. Daher sind manche Aspekte nur angedeutet. "Wenn meine Spielfigur ins Konzentrationslager kommt, dann endet es einfach damit, dass ich das Tor sehe mit dem Schriftzug 'Arbeit macht frei'." 

"Authentisch und einfühlsam"

Wenn man Augenzeugen treffe, seien es vielleicht keine realen Personen, aber was sie erzählen, sei zusammengesetzt aus den Erlebnissen historischer Personen. Dazu haben die Entwickler mit Augenzeugen, Hinterbliebenen und Historikern gesprochen. "Das ist alles sehr authentisch und einfühlsam", sagt Deutschlandfunk Kultur-Redakteur Markus Richter.

Das Spiel nutzt Moral als Ressource: Man kämpft gegen den permanenten Mangel an, gegen die Aussichtslosigkeit der Situation, muss ständig über Leben und Tod entscheiden. Allerdings: "Ich hatte als Spieler den Eindruck, ich scheitere eher an Mechanik des Spiels, nicht an den Umständen", sagt Richter. Er habe den Eindruck, dass das Spiel mehrfach gespielt werden soll, damit man besser wird und die Mechaniken versteht. "Das ist typisch fähigkeitsbasiertes Computerspiel, das gibt der narrative Aufbau eigentlich nicht her."

"Nazis hätten das Spiel gehasst"

Die Haltung des Spiels ist klar antifaschistisch. Das zeigt sich schon in der Gestaltung: Es läuft Jazz der 20er-Jahre, der Grafikstil ist unter anderem inspiriert von Käthe Kollwitz, die Sprecherin ist eine Journalistin, deren Großvater im Widerstand war. Auch die Figuren des Widerstands sind christlich, sozialdemokratisch, kommunistisch oder queer. "Nazis hätten dieses Spiel allein deswegen schon gehasst und wahrscheinlich sogar verboten", sagt Richter.

Die Botschaft von "Through the Darkest of Times" lasse zwei Lesarten zu: einerseits eine skeptisch-pessimistische, dass man allein nichts ändern könne. Denn an den historischen Ereignissen ändert sich nichts, egal wie gut man spielt. Andererseits sei das Spiel auch Mahnung, dass Widerstand eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft sei und es Hoffnung gebe, wenn man zumindest einzelne Menschenleben rette.

(leg)

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