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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.07.2017

"Game of Thrones"Was an der Erfolgsserie historisch authentisch ist

Von Friedbert Meurer

Werbebild der Serie "Game of Thrones" (dpa / 2011 Home Box Office)
Am 17.7. startet die 7. Staffel "Game of Thrones" in Deutschland. (dpa / 2011 Home Box Office)

Carolyne Larrington ist Mittelalterexpertin, lehrt in Oxford - und liebt "Game of Thrones". In ihrem Buch "Winter is Coming" beschäftigt sie sich mit der Frage nach dem historisch wahren Kern der Serie. Was daran authentisch ist, hat sie Friedbert Meurer erklärt.

Carolyne Larrington ist ein ausgesprochener Fan von "Game of Thrones".  Für sie war sehr schnell klar, dass George R.R. Martins zugrundeliegende Romanreihe alles andere als Kitsch war. Keine wissenschaftliche Literatur, sondern Fiktion.

Aber Larrington überzeugt, wie differenziert - bei manchen Einschränkungen - Martin Kultur und Gesellschaft des Mittelalters zeige. Im Gegensatz zu Tolkiens "Herr der Ringe".

"Tolkien ist nicht an Geschichte oder Kultur interessiert, sondern mehr an Mythologie, Legenden und Sprachen. In 'Herr der Ringe' ist der König ein guter Mann, weise und gerecht. Unter ihm gedeiht sein Land. In der Realität war das aber nicht so simpel. Tolkien stellt nicht die Frage, wie Aragorns Steuerpolitik aussah oder was er in Zeiten von Flut und Hungersnot tat."

Martin zeige dagegen das Mittelalter in vielen seiner Facetten. Die Mediävistin Carolyne Larrington attestiert "Game of Thrones"Authentizität, wenn auch einige wichtige Aspekte zu kurz kämen.

"Wenn wir die Fantasy-Elemente weglassen und uns auf die Politik konzentrieren, dann fehlt einiges. Wo ist die aufsteigende Mittelklasse in Königsmund? Wo bleiben die Anwälte und Bürokraten? Vor allem der Adel im Süden teilt nicht den Glauben an die Sieben. Praktisch niemand geht in die Kirche, höchstens vor einer Schlacht. Da wo Religion hingehört, klafft bei Martin ein großes Loch."

Gelungen: das Verhältnis von Geschwistern

"Game of Thrones" ist bevölkert von Drachen, Wölfen oder magischen Bäumen. In der Tat war der Mensch des Mittelalters – aus unserer Perspektive gesehen – abergläubisch. Der Glaube an eine imaginäre Welt ist aber ein entscheidender Unterschied zwischen modernem und mittelalterlichem Menschen.

"Vielleicht ist der Glaube an Magie und unsichtbare Kräfte der größte Unterschied, aber das gilt auch für die Nähe zum Tod. Im Westen lebte man ständig im Wissen um den Tod. Wir haben dagegen das Gespür für unsere Sterblichkeit verloren."

Auch einen anderen Aspekt findet sie gelungen dargestellt: das Verhältnis von Geschwistern. Carolyne Larrington hat selbst ein Buch verfasst über Brüder und Schwestern in der mittelalterlichen englischen Literatur.

"In der mittelalterlichen Literatur sind Brüder entweder unglaublich loyal zueinander oder bittere Rivalen. Über Schwestern erfahren wir weniger. Sie hielten ihre Ehemänner davon ab, ihre Brüder zu ermorden. Brüder betrachteten historisch ihre Schwestern eher als Ware, die man an andere Männer verschachern konnte, um Allianzen zu schmieden."

"Ein sehr negatives Bild vom Orient"

Das Konzept der romantischen Liebe ist jüngeren Datums, auch in "Game of Thrones" werden Beziehungen oft machtpolitisch eingefädelt. Vermutlich macht diese Authentizität den Reiz der Serie aus, der moderne Mensch erschaudert ein wenig, wenn er in den mittelalterlichen Spiegel blickt. "Die Geschichte der Emotionen" – das ist ein Fachgebiet, auf dem die Expertin für mittelalterliche englische Literatur auch forscht.

Eines aber kritisiert Carolyne Larrington auch noch – neben der Vernachlässigung des Aspekts der Religion.

"Ich habe ein Problem damit, wie die Kulturen von Essos beschrieben werden. Die Menschen des Westens tun sie als nicht vertrauenswürdig, verschlagen und intrigant ab, während sie selbst edel und demokratisch sind. Da entsteht ein sehr negatives Bild vom Orient."

Carolyne Larrington hatte ziemlich schnell auch erkannt, dass "Game of Thrones" für ihre Disziplin, mittelalterliche Literatur, die manchem so dröge vorkommt, ziemlich nützlich sein kann. Selbst an der Uni Oxford und ihrem Fachbereich sei die TV-Serie schnell eingeschlagen.

"Mittelalterliche Kultur wird durch die Serie wieder interessant. Selbst meine eigenen Studenten und Studentinnen entdecken oft den Reiz mittelalterlicher englischer oder altnordischer Literatur, nachdem sie 'Game of Thrones' gesehen haben."

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