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Im Gespräch | Beitrag vom 30.04.2021

Galeristin Andrée Sfeir-Semler"Die Erde ist inzwischen rund in der Kunst"

Moderation: Susanne Führer

Schwarz-weiß-Porträt der Galeristin Andrée Sfeir-Semler (Sfeir-Semler Gallery Beirut/Hamburg)
Sie will ihrem Herkunftsland etwas zurückgeben: Andrée Sfeir-Semler wurde im Libanon geboren und lebt mit deutschem Pass in Hamburg. (Sfeir-Semler Gallery Beirut/Hamburg)

Andrée Sfeir-Semler leitet Galerien in Hamburg und in ihrer Geburtsstadt Beirut. Ihr Schwerpunkt ist zeitgenössische arabische Kunst, die sie mit Erfolg und politischem Anspruch propagiert. Kunst von hoher Qualität werde überall verstanden, sagt sie.

Gerade ist Andrée Sfeir-Semler aus Beirut zurückgekehrt. Dort hat sie ihre Galerie wiedereröffnet, die bei der verheerenden Explosion im Hafen Beiruts vorigen August schwer beschädigt worden war: "Es blieb keine Wand stehen", erinnert sie sich. Mehr als 200 Menschen kamen bei dem Unglück um, Tausende wurden verletzt.

Nach der Katastrophe: Kunst

Mit dem Wiederaufbau ihrer Galerie im von der Katastrophe weitgehend verwüsteten Hafenviertel will Sfeir-Semler ein Zeichen für Kontinuität setzen: "Die Menschen brauchen Kultur." Und so stellt sie nun Skulpturen des libanesischen Künstlers Marwan Rechmaoui aus, geschaffen aus Metalltrümmern von der Explosion.

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Zeitgenössische arabische Kunst, darauf hat sich die Galeristin und promovierte Kunsthistorikerin Andrée Sfeir-Semler spezialisiert. Und die verkauft die gebürtige Libanesin mit deutschem Pass und Wohnsitz in Hamburg an Museen und Sammler in aller Welt. Kunst von hoher Qualität werde überall verstanden, sagt sie: "Die Erde ist inzwischen rund in der Kunst, es ist nicht mehr nur der Westen."

Podium für arabische Künstler

1953 in eine großbürgerliche Beiruter Familie geboren, ging Andrée Sfeir-Semler nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in ihrem Heimatland 1975 nach Deutschland, heiratete einen Deutschen, studierte in München, Bielefeld und Paris. Sie eröffnete Galerien in Kiel und Hamburg, 2005 dann die in Beirut: "Ich wollte meinem Land etwas zurückgeben."

Ihr Ziel dabei: Künstlern aus dem ganzen arabischen Raum, "die international was mitzuteilen haben", ein Podium bieten, sie auf den Kunstmärkten der Welt bekannt machen. Deshalb stellt sie auch in ihrer Hamburger Galerie überwiegend zeitgenössische arabische Kunst aus.

Keine Geschäfte mit Israel

Es sei eine sehr politische Kunst, die ihre Kraft aus der "Destillation" gesellschaftlicher Wirklichkeiten ziehe. Andrée Sfeir-Semler sieht sich selbst auch als politische Galeristin: Mit israelischen Museen oder Sammlern mache sie grundsätzlich keine Geschäfte, denn der Staat Israel betreibe eine "Apartheidspolitik gegenüber den Palästinensern".

Das habe aber nichts mit Religion zu tun, beteuert Sfeir-Semler, sie vertrete durchaus jüdische Künstler und verkaufe an jüdische Sammler, sofern sie keine Israelis sind. Kunst und der Handel mit Kunst sei eben auch politisch – gerade im Nahen Osten.

(pag)

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