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Kompressor | Beitrag vom 08.04.2020

Galerie als Game-ParcoursMit Kunst-Apps neue Zielgruppen erschließen

Anika Meier im Gespräch mit Gesa Ufer

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Ein Standbild der App, mit der digitale Besucher die Räume der Galerie betreten können. (Manuel Rossner)
Der digitale Besucher betritt die Räume der König Galerie durch eine App. (Manuel Rossner)

Galerien und Museen müssen derzeit auf Besucher verzichten. Nicht aber die Besucher auf die Kunst, denn die Coronapandemie setzt kreative digitale Ideen frei. Etwa Ausstellungen in Form eines Jump ’n’ Run-Games fürs Handy.

Die Coronapandemie bedeutet eine große Einschränkung für unseren Alltag und für das Kulturleben. Corona setzt aber auch viel kreative Energie frei, die bislang brachlag, um Kunst dennoch weiterhin intensiv erfahrbar zu machen – digital, via Tablet oder Smartphone.

Das zeigt sich gerade besonders deutlich im Bereich der Kunstmuseen und Galerien. "Dinge, die früher nicht möglich waren, werden plötzlich von großen Teams in Museen und Galerien umgesetzt", sagt die "Monopol"-Kolumnistin Anika Meier.

Einer dieser Akteure sei die Berliner König Galerie: Seit Mitte März würden über den Instagram-Kanal @koeniggalerie Live Streams mit Künstler- und Kritikergesprächen und -rundgängen durch die Galerie gezeigt.

Mit einer Figur bewegt sich der Galeriebesucher wie in einem Jump ’n’ Run-Spiel. (Manuel Rossner)Mit einer Figur bewegt sich der Galeriebesucher wie in einem Jump ’n’ Run-Spiel. (Manuel Rossner)

Anika Meier, die auch als Kuratorin arbeitet, hat mit der König Galerie die Ausstellung "Surprisingly This Rather Works" entwickelt. Sie ist zugleich auch eine App, die man sich via iPhone oder Smartphone unter dem Namen der Galerie herunterladen kann. Androidnutzer müssen gegebenenfalls noch ein paar Tage auf die Verfügbarkeit warten.

Mit einem Avatar kann eine riesige virtuelle 3D-Struktur des Berliner VR-Künstlers Manuel Rossner wie bei einem Jump ’n’ Run-Game erkundet werden: laufend, kletternd, springend.

Neue Zielgruppe durch digitale Erlebniskunst

Für Anika Meier steckt hinter diesem Game-Parcours mehr als der reine Spaß, sondern vielmehr die grundsätzliche Frage, in welcher Form Kunst digital gezeigt werden kann.

"Museen müssen zu Erlebnisräumen werden, weil Besucherinnen und Besucher im digitalen Zeitalter das Bedürfnis haben, mit der Kunst zu interagieren. Und das kann in einem digitalen Raum ganz anders eingelöst werden als im realen Raum", sagt sie.

Und im besten Fall könnten Museen und Galerien auf diese Weise neue Zielgruppen dazugewinnen – nämlich junge, gameaffine Leute, die sich bislang nicht trauen würden, eine Galerie oder ein Museum zu betreten.

(mkn)

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