Gabriele Beger: Bibliotheken sind mehr als Ausleihstätten

Lesesaal in der Berliner Staatsbibliothek West © Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
28.10.2008
Die Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands, Gabriele Beger, hat ein Jahr nach der Rede von Bundespräsident Horst Köhler zur Lage der Bibliotheken eine grundsätzlich positive Bilanz gezogen.
Beger sagte, die Rede Köhlers habe den Bibliotheken genutzt. Man sei zwar "noch nicht da, wo wir gerne hin möchten, aber die politische Tagesordnung haben wir erreicht". Beger verwies darauf, dass im ersten Bibliotheksgesetz Deutschlands, das Thüringen im Sommer verabschiedet hat, Bibliotheken als Bildungsorte benannt werden. Dies sei "eine neue Qualität, worüber man sehr froh sein kann, weil damit bestätigt wird, dass Bibliotheken keine Ausleihstätten sind". Vielmehr seien sie "Orte der Kommunikation und des Lernens geworden und darauf müssen sie auch räumlich und mit ihren Öffnungszeiten reagieren können", betonte Beger.

Die Leiterin der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg unterstützte in diesem Zusammenhang die Forderung von Bundestagspräsident Norbert Lammert, wonach Bibliotheken auch am Wochenende geöffnet sein sollten. Der Verband habe bereits eine Initiative in die Kultusministerkonferenz eingebracht, um das Arbeitszeitgesetz für öffentliche Bibliotheken entsprechend zu ändern.

Laut Beger liegt Deutschland hinsichtlich der Lage der Bibliotheken im europäischen Vergleich ähnlich wie bei der Pisa-Studie nur auf einem hinteren Platz. Hingegen sei Finnland auch bei den Bibliotheken ganz vorn. Eine ähnliche Korrelation sei auch bei anderen Ländern festzustellen: "Da, wo der Staat mit einem ganz starken Willen das Bibliothekssystem ausbaut, lenkt, aber auch für die Finanzierung Sorge trägt (…), da haben wir gesunde Bibliotheken und wir haben auch gute Plätze, wenn es um ein Bildungsranking geht."

Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 29.3.09 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.