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Kompressor | Beitrag vom 26.02.2020

"Futur Drei" auf der BerlinaleDas Potenzial nicht-weißer Körper

Faraz Shariat im Gespräch mit Jana Münkel

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Filmstill aus "Futur Drei": Eine junger Mann mit blondierten Haaren und einer Sonnenbrille kramt in der Tasche seiner weißen Jeans. Hinter ihm ragt ein Hochhaus. ( Edition Salzgeber / Jünglinge Film)
Ablenkung vom der Langweile in der Provinz: Protagonist Parvis lebt ein sehr sorgloses Leben und reflektiert zunächst kaum seine Familiengeschichte. ( Edition Salzgeber / Jünglinge Film)

Ein Gegenbild zu gängigen queeren und migrantischen Darstellungen will Regisseur Faraz Shariat mit "Futur Drei" entwerfen. Sein Film ist autobiografisch geprägt. Vor allem soll sie sich nicht "nach einer runden Geschichte" anfühlen, wie er verrät.

"Futur Drei" ist der erste längere Film von Regisseur Faraz Shariat und läuft derzeit auf der Berlinale. Protagonist Parvis wächst als Kind iranischer Einwanderer im Wohlstand auf und vertreibt sich die Langeweile der deutschen Provinz mit Dates, Raves und kleinen Diebstählen. Weil er deswegen Sozialstunden in einer Unterkunft für Geflüchtete ableisten muss, trifft er ein iranisches Geschwisterpaar. Es entwickelt sich eine fragile Dreierbeziehung.

Autobiografisch geprägte Geschichte

"Der Film ist insofern autobiografisch, als dass mir die Prämisse des Films auch so passiert ist", sagt Shariat. Außerdem waren viele Freunde und Familienmitglieder an dem Film beteiligt: "Meine Eltern spielen die Eltern des Protagonisten, da ist ganz viel von ihren Geschichten drinnen. Unser gesamtes Material speist sich aus Erlebnissen und Geschichten, die wir in Interviews und Castinggesprächen oder aus unseren eignen Familien gesammelt haben und dann zusammengewoben haben zu diesem Film."

Regisseur Faraz Shariat steht auf dem Hindenburgplatz, im Zentrum von Hildesheim. (picture alliance / dpa / Hauke-Christian Dittrich)"Was für ein Potenzial haben nicht-weiße Körper in unserer Gesellschaft?" Diese Frage wirft Regisseur Faraz Shariat in seinem Film "Futur Drei" auf. (picture alliance / dpa / Hauke-Christian Dittrich)

Parvis lebt in zweiter Generation in Deutschland, das befreundete Geschwisterpaar sind Geflüchtete. Schnell merken die Protagonisten, wie verschieden ihre Voraussetzungen für die Zukunft sind und wie ihr Leben auch hätte verlaufen können.

Diese Fragen seien ein Grundgefühl des Films, erklärt Shariat. Im Film gehe es viel darum, "was hätte vielleicht doch noch passieren können; was für Möglichkeiten haben diese Akteure oder die drei verschiedenen Generationen?"

Keine Vorurteile bedienen

Dabei will der Film vor allem eine Vielstimmigkeit erzeugen. "Wir wollten, dass es auf gar keinen Fall ein Film wird, der sich am Ende nach einer runden Geschichte anfühlt. Wir wollten was machen, dass Ecken und Kanten hat, sich neu entwickelt und erlaubt zu überraschen", sagt Shariat.

Der Film soll zudem keine Stereotypen reproduzieren. "In erster Linie läuft vor allem schief, dass ganz oft die falschen Leute die richtigen Geschichten erzählen", sagt Shariat mit Blick auf migrantische und queere Geschichten. Deswegen habe er sich damit beschäftigt, wer das Recht habe, wessen Geschichte zu erzählen. Außerdem habe er, als er sein Team zusammengestellte, darauf geachtet.

(nho)

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