"Fußballgöttinnen"

Von Leonie March |
Eine Platzwartin, eine Schiedsrichterin, ein weiblicher Fan oder eine Fußballweltmeisterin aus der Frauennationalmannschaft stehen im Mittelpunkt von "Fußballgöttinnen". Der Film von Nina Erfle und Frédérique Veith beweist, dass Fußball nicht nur Männersache ist.
Collage Film-Ausschnitte:

"Fußball ist mein Leben, alles tanzt nach meiner Pfeife."

"Ich hab mich dann auch wichtig gefühlt. Weil ich Schiedsrichterin bin, hab ich mich nicht mehr wie ein Fan gefühlt, sondern jemand, der was von Fußball versteht."

"Man muss schon Krafttraining machen, der Körper verändert sich, man kriegt schon dickere Beine."

"Spielt keine Rolle, wie die Spieler aussehen, kicken müssen sie können!"

Vier Frauen - eine männliche Leidenschaft. Trautchen Ziegert, 63, Platzwartin auf einem Fußballplatz in Berlin-Mitte:

"Gut gespielt Jungs! Alles klar! Geht ihr mal duschen!"

Viola Odebrecht, 22, Fußball-Weltmeisterin und Spielerin bei Turbine Potsdam:

"Ich mag schon weiblich aussehen, ich mag schon, dass man sieht, guck mal, da rennt 'ne Frau, nicht ein Typ oder man muss raten."

Beatrix Nieder, 16, eine der jüngsten Fußball-Schiedsrichterinnen Deutschlands:

"Was ein bisschen blöd ist, wenn man da ankommt und die Vereine kennen einen noch gar nicht und geht übern Platz und die denken, man wär irgendein Jogger oder so."

Tina Hennemann, 37, Fußball-Fan der Offenbacher Kickers.

"Offenbacher Kickers ist für mich weit mehr als nur ein Fußball-Verein, das ist eine Leidenschaft, ein Stück Familie. Ich kann das nicht beschreiben."

Seit ihr Vater sie ins Stadion mitgenommen hat, trifft sich die blonde Versicherungskauffrau mit ihren Kumpels zu jedem Spiel der Kickers. Bewegt sich ganz selbstverständlich zwischen den grölenden Fans. Für den Zuschauer ein ungewohntes Bild.

"Die Gesellschaft schreibt es ja vor, dass Frauen und Fußball gar nicht zueinander passen, und genau diese Klischees, auf die sind wir während unserer Dreharbeiten dauernd gestoßen."

Fréderique Veith, eine der Regisseurinnen des Films.

"Was ist das Schönste, das beste Genre, um Klischees zu verarbeiten? Das Komödiantische. Und so ist es uns hoffentlich gelungen, dass dieser Film doch zahlreiche komische Momente hat."

So wartet der weibliche Fan Tina geduldig auf die männlichen, die sich an fast jedem Baum des Waldrands zum Pinkeln aufgestellt haben. Die Schiedsrichterin Beatrix kommt ganz selbstverständlich aus der Männer-Toilette. Die Spielerin Viola belächelt die Sorgen ihrer Mutter, der Ball könne sie an der falschen Stelle treffen. Und Platzwartin Trautchen erzählt ihrer Partnerin beim Tanztee, warum sie so gern auf den Fußballplatz geht:

"35 Männer tanzen nach meiner Pfeife."
"Wie alt sind denn die Kerle?"
"40 bis 47"
"Was, so alte Säcke?"

Schmunzeln wird jeder Zuschauer an der einen oder anderen Stelle des Dokumentarfilms - nie aber lacht man über die Frauen. Jede von ihnen entwickelt sich im Film, wird im Alltag begleitet - in wohltuend unaufgeregter Weise. Der Fußball war für die Filmemacherinnen Nina Erfle und Frédérique Veith dabei nur das verbindende Element.
"Es geht eigentlich um viel mehr, denn der Fußball, der ist nicht ein Teil vom Leben, sondern man lebt ihn, und jede dieser vier Frauen lebt ihn auf ihre Art und Weise. Mal ist es der Ehrgeiz, den man hat, mal eine Geborgenheit, die man in einem Verein findet. Was auf jeden Fall auch Einfluss hat auf sein privates Leben."

Tina, dem Fan, hilft der Fußball, um über die Trennung von ihrem Freund hinwegzukommen. Platzwartin Trautchen ist durch Fußball vom Heimchen am Herd zu einer selbstbewussten Frau geworden. Verschafft sich nun Respekt - zu Hause und auf dem Spielfeld.

"Da nicht, das Netz bleibt dran, die Kegel hierher Sportsfreund!"

Beatrix, die junge Schiedsrichterin, pfeift den Frauen-Nachwuchs auf dem Fußballfeld genauso souverän wie die Männer-Mannschaft der Regionalliga. Genießt sichtlich die Macht.

"Mir ist es schon passiert, dass mir irgendwer hinterher gepfiffen hat und später steht man dann da, mit der Pfeife und den Karten in der Hand. Und das ist dann halt nicht so prima für die Spieler."

Zu Hause allerdings ist die 16-Jährige ein ganz normales Mädchen in der Pubertät - beschäftigt sich mit ihrem Aussehen und den Chancen bei den Jungs, streitet mit ihren Eltern.

"Mutti, halb 12 bitte, nein 11 Uhr, keine Diskussion..."

Vom Elternhaus hat sich Fußball-Profi Viola Odebrecht schon lange gelöst - vom Verein und vom Trainer allerdings noch nicht. Den ersten Schritt macht sie am Ende des Films. Auch ihr hilft der Fußball bei ihrer Entwicklung. Ein Emanzipationsfilm ist "Fußballgöttinnen" deshalb aber nicht, so Regisseurin Frédérique Veith:

"Wir haben eine riesige Recherche gemacht, sind auf ganz viele Frauen gestoßen, die mit Fußball ganz selbstverständlich in Verbindung stehen. In ihrem Milieu stehen sie in einem ganz bestimmten Licht. Und wir wollten einfach zeigen, an vier Beispielen, dass es halt auch so sein kann, also dass man das nicht zur Ausnahme stilisieren muss, wie die Medien es machen, sondern dass es überall in Deutschland solche Fußballgöttinnen gibt."

Keine Frage - Fußball ist wichtig für diese vier Frauen, um ihn kreist ihr Leben - aber er ist eben auch nicht alles. Zu dieser Erkenntnis kommen zwei der vier porträtieren Fußballgöttinnen am Ende des Films.

"Ich würde nicht Glück damit definieren, dass man ein Fußballspiel gewinnt. Das ist ein schöner Moment und in dem Moment bin ich glücklich, aber Glück, da gehört noch mehr dazu."

"Damals haben sie gesagt, wenn ich mal sterben sollte, komm ich in den Mittelpunkt, auf dem Fußballplatz werde ich beerdigt. Ja, so verrückt ist man ja nicht."