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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 05.04.2020

Fußball-TalentförderungFunino-Turniere sind nicht in Sicht

Von Thorsten Phillips

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Vier Kinder kämpfen auf einem Fußballrasen an einem kleinen Tor um den Ball. (dpa / David Schwarz)
Bei "Funino" sollen Kinder neuen Spaß am Fußball entwickeln können: mehr Ballkontakte und Torschüsse, weniger Herumstehen. (dpa / David Schwarz)

Funino nennt sich eine Fußballvariante, die Kindern ein rasantes, dynamischeres Spiel verspricht. Der Deutsche Fußballbund würde Funino gerne deutschlandweit einführen, scheitert damit aber am Widerstand vieler Ortsverbände.

F-Jugendtrainer Matthias Schimmer von TSV Eintracht Groß Grönau bei Lübeck muss der DFB nicht mehr davon überzeugen, dass Funino – das Spiel auf vier kleine, einen Meter breite Tore genau richtig ist, um Kindern Spaß am Fußball zu vermitteln:

"Das Spiel auf vier Tore ist besser: Wir haben mehr Geschwindigkeit, wir können das Passen üben, wir spielen mit dem freien Raum, die Kinder schießen mehr Tore und haben mehr Spaß und gewöhnen sich an das schnelle Spielen."

Die Verbände stellen sich quer

Doch leider kann Trainer Matthias Schimmer Funino nur im Training spielen oder bei Freundschaftsspielen und selbst das ist auch nicht ganz einfach, denn die meisten Trainer in seiner näheren Umgebung in Lübeck lehnen Funino ab.

Doch der DFB will Funino so schnell wie möglich deutschlandweit einführen. Seit fast einem Jahr versucht Markus Hirte, Leiter der Talentförderung beim DFB, die verschiedenen Landesverbände, Kreisverbände und Trainer zu überzeugen. Da müssen noch dicke Bretter gebohrt werden, betont er:

"Die Konzepte stehen. Die Wettbewerbsformen sind in der Jugendordnung verankert. Und wir sind dabei, Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber das geht nicht ad hoc. Wir müssen Mehrheiten für Veränderungen schaffen, denn auch der DFB kann Reformen nicht 'top down' bestimmen, sondern muss Mehrheiten gewinnen."

Soll heißen es geht nicht von oben herab, sondern nur mit den Verbänden. Nach vielen Diskussionen sind nach Ansicht von Hirt schon viele Landesverbände auf Seiten des DFB, so wie der Schleswig-Holsteinische Landesverband. Der Vorsitzende Uwe Döring findet Funino ebenfalls vorteilhaft, aber:

"Der Durchsatz vom DFB runter bis zu den Vereinen, da sind einige Brandmauern dazwischen und da sind wir als Landesverband gefordert, vorbildhaft voranzugehen und die Vorteile aufzuzeigen, die einzelne Entscheidungen für den Einzelnen bringen können, aber in so einer Struktur ist es immer schwer, Dinge schnell umzusetzen."

Funino ist personalintensiv

Deshalb kann auch Uwe Döring oder die anderen Landesvorsitzenden ihren Kreisverbänden nicht einfach eine neue Spielform verordnen, selbst wenn sie es wollen. Schließlich will Döring bei der nächsten Jahreshauptversammlung ja auch wiedergewählt werden. Und bei den Kreisverbänden sperrt sich immer noch eine große Zahl gegen Funino. So wie auch der Vorsitzende des Kreis-Fußball-Verbandes Lübeck Peter Reinicker:

"Wenn wir uns die Statuten mal genau angucken, dann darf kein Spiel ohne Betreuung eines Erwachsenen stattfinden. Wenn das Spiel gleichzeitig auf vier Feldern stattfindet, fragen wir uns, wo das Personal herkommen soll. Was passiert in dem Moment, wenn ein unbeaufsichtigtes Spiel in irgendeine Richtung eskaliert, was nicht gesund ist? Da fragen wir uns, ob das durchdacht ist oder ob wir das mal etwas skeptischer angehen wollen."

Auch er will wiedergewählt werden und muss auf die Vereine und Trainer hören – und die lehnen in seinem Kreisverband Lübeck Funino mehrheitlich ab.

"Wir sind ja auch nie am Anfang der Debatte mit im Boot, sondern sollen einfach nur ausführen, was an oberer Stelle beschlossen wird. Da muss ich mich fragen, ob die Schiene da nicht falsch angesetzt ist."

Geringe Reformfähigkeit beim DFB

Für den Landesvorsitzenden von Schleswig-Holstein Uwe Döring hat die geringe Reformfähigkeit des DFB auch etwas mit dem hohen Alter der Funktionäre zu tun:

"Wenn sie heutzutage mehr junge Leute in den einzelnen Positionen hätten, wäre es natürlich leichter, neue Sachen zu etablieren."

Und so müssen Trainer wie Matthias Schimmer, die auf Funino setzen, erstmal mühsam Gleichgesinnte finden:

"Mir ist das egal. Wir spielen es hier im Verein und ich glaube, das hilft den Kindern weiter. Wir können eine Spielphilosophie aufbauen. Ob die Verbände das wollen oder nicht, stört uns im Training nicht. Vorteilhaft wäre es natürlich, wenn wir eine einheitliche Regelung hätten, die Funino heißt und wir auf vier Tore spielen."

Wie schwer ist es für den Deutschen Fußballbund, Reformen durchzusetzen? Im Falle der Einführung von Funino zeigt sich, wie schwierig es im Fußball ist, alte Zöpfe abzuschneiden.

Kindertrainer Matthias Schimmer findet das zwar schade, aber er gibt nicht auf. Langfristig wird sich die bessere Spielform durchsetzen – und das ist für ihn Funino.

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