Fünf plus Eine

Eiffelturm in Paris © AP
27.10.2007
Fünf Frauen sind bereits verschwunden. Jetzt hat Blaubart zum sechsten Male geheiratet, die schöne Ariane. Die Bauern vermuten das Schlimmste. Doch Ariane verschmäht ihren Rat, aus dem unheimlichen Schloss zu fliehen. Sie liebt den Ritter und will das Rätsel um ihre Vorgängerinnen lösen. Darum öffnet sie die verbotene Tür, hinter der die verstoßenen Frauen eingesperrt sind. Ariane geht davon; die anderen bleiben an Blaubarts Seite.
Der Dichter Maurice Maeterlinck, ein Symbolist, der in Gleichnissen und Bildern spricht, berührt hier ein Grundbedürfnis des Menschen: die Freiheit, die nicht nur Selbstbestimmung, sondern auch Eigenverantwortung bedeutet und somit immer ein Wagnis bleibt. Wenn auch Maeterlinck sich dagegen verwahrte, dass es sich um das Thema Frauen-Emanzipation handele, wird die psychologische Umdeutung des Stoffes aus der mythischen Gestalt Ariadne und dem Blaubart aus dem französischen Märchen von Charles Perrault doch zu einer "Frauenfrage". Ariane sagt zu den anderen: "Warum wollt ihr, dass jemand euch befreit, wenn ihr doch die Finsternis anbetet?" – Der Mann als Symbol für Finsternis, die Frau als Symbol für Licht? - Ariane bringt den Peiniger nicht um, bevor sie geht. Sie schützt ihn sogar vor der Wut der Bauern. Allein das gibt den anderen Frauen die Möglichkeit, den Schritt in die Freiheit nicht tun zu müssen. Die Sklaverei zum Lustgewinn ihres Peinigers ist für sie die risikolosere Alternative, die ihnen keinerlei Entscheidung abverlangt.
Maeterlinck hatte den Stoff gleich als Opernlibretto geplant. Bei der Wahl des Komponisten schwankte er zwischen Edvard Grieg und Paul Dukas. 1899 entschied er sich für Dukas, der dann sieben Jahre brauchte, um die Partitur fertig zu stellen.
Unglücklicherweise wurde die Oper einen Tag nach der grandiosen französischen Erstaufführung der "Salome" von Richard Strauss uraufgeführt. So hatte das Werk es von Anfang an schwer, den Platz im Repertoire zu behaupten, der ihm gebührt, erst recht außerhalb Frankreichs. Da half auch nicht Vincent d’Indys Urteil, dass "Ariane et Barbe-Bleue" das bedeutendste Musikdrama seit Wagner sei.


Euroradio Opernsaison 2007-2008
Opéra Bastille Paris
Aufzeichnung vom 6.10.2007

Paul Dukas
"Ariane et Barbe-Bleue", Märchen in drei Akten nach Charles Perrault
Libretto: Maurice Maeterlinck

Deborah Polaski, Mezzosopran - Ariane
Julia Juon Felicity Palmer, Alt - Amme
Willard White, Bass - Barbe-Bleu
Diana Axentii, Mezzosopran - Sélysette
Iwona Sobotka, Sopran - Ygraine
Hélène Guilmette, Sopran - Mélisande
Jaël Azzaretti, Sopran - Bellangère
Christian Tréguier, Bassbariton – ein alter Bauer
Nationaler Opernchor Paris
Nationales Opernorchester Paris
Leitung: Sylvain Cambreling

Nach dem 2. Akt ca. 20:20 Uhr Nachrichten