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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.08.2018

Frühkindliche Erziehung Demokratie lernen in der Kita

Armin Schneider im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Kinder einer Hamburger Kita stimmen über den Essensplan ihrer Einrichtung ab.  (picture-alliance / dpa / Markus Scholz)
Demokratisches Miteinander: Kinder einer Hamburger Kita stimmen über den Essensplan ihrer Einrichtung ab. (picture-alliance / dpa / Markus Scholz)

Demokratisches Handeln sollte schon in der Kita beginnen. Diesem Ziel widmet sich der Pädagogik-Professor Armin Schneider in einem Projekt, das Erzieher frühzeitig für diesen Auftrag sensibilisieren soll. Es sei wichtig, die Signale der Kinder zu respektieren.

Die Grundsteine für ein demokratisches Miteinander werden schon in der Kita gelegt, ist der Pädagogik-Professor Armin Schneider überzeugt. Schon im Kinder- und Jugendhilferecht stehe deutlich drin, dass Kinder und Jugendliche zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten erzogen werden sollten, sagte Schneider im Deutschlandfunk Kultur. Wie das geschehen kann, wird am "Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit" an der Koblenzer Hochschule in einem Projekt erforscht. Schneider leitet das Projekt und trifft heute Kolleginnen und Kollegen zu einem Fachforum und das an einem Ort der Demokratie, auf dem Hambacher Schloss, um über "Demokratiepädagogik in Kitas" zu diskutieren.

Grundtugenden einüben

Demokratiepädagogik bedeute, auch mit den Kleinsten schon mal demokratische Grundtugenden einzuüben, sagte Schneider. "Das heißt nicht, dass wir jetzt mit den Zweijährigen im Stuhlkreis sitzen und abstimmen und irgendwelche Plädoyers halten." Es gehe eher darum, die Kinder teilhaben zu lassen und auf ihre Bedürfnisse zu achten, damit sie sich angenommen fühlten. Sie sollten mitmachen können und sich ernst genommen fühlen. 

Niedersachsen, Gifhorn: Baran (l) und Hira spielen während der Eröffnung des christlich-muslimischen Kindergartens "Abrahams Kinder" an einem Tisch. Hinter dem neuen Projekt stehen die muslimische DITIB-Moschee in Gifhorn, die katholische St. Altfrid-Gemeinde und die evangelische Dachstiftung Diakonie.  (dpa/picture alliance/Hauke-Christian Dittrich)Die Bedürfnisse von Kindern sollten stärker beachtet werden, sagt Pädagogik-Professor Schneider (dpa/picture alliance/Hauke-Christian Dittrich)

Vieles sei längst Alltag in den Kindertagesstätten, räumte der Pädagoge ein. Allerdings beobachteten die Forscher eine große Unsicherheit bei bestimmten Fragen: "Wie gehe ich damit um, wenn keine Toleranz geübt wird? Kann ich Partizipation üben?" Es sei außerdem wichtig, die Signale der Kinder zu respektieren, in dem man ihnen beispielsweise kein Essen aufzwinge oder sich stärker nach den Schlafenszeiten der Kinder richte.

Manche Eltern gäben ihre Kinder in der Kita ab und bäten darum, sie nicht über Mittag zu lange schlafen zu lassen, damit es am Abend mit dem Zu-Bett-gehen klappe, sagte Schneider. "Das ist eine Missachtung von Bedürfnissen von Kindern." Hier müssten Lösungen gefunden werden.  (gem)

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