Seit 01:05 Uhr Tonart
Montag, 18.01.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 04.12.2020

Friedrich Merz über Debattenkultur"Ich mache mir Sorgen um die Toleranz in der Gesellschaft"

Moderation: Korbinian Frenzel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, geht auf einem Bürgersteig dem Betrachter entgegen. (picture alliance / dpa / Christophe Gateau)
Kompromiss als Haltung: Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz. (picture alliance / dpa / Christophe Gateau)

Friedrich Merz hat hohe politische Ambitionen: Er will CDU-Vorsitzender und danach möglichst Kanzler werden. Ein Gespräch über das Meinungsklima in Deutschland, den Wert von Kompromissen und die CDU, die sich schwer damit tut, große Figuren zu ersetzen.

Friedrich Merz konstatiert eine Verengung des politischen Themenspektrums in Deutschland - und sorgt sich um das Debattenklima. Der CDU-Politiker wendet sich gegen eine "Empörungsbereitschaft" in Teilen der deutschen Öffentlichkeit, die "Herabwürdigung" der Parlamente und das "Gerede über die Fehlerhaftigkeit der Demokratie".

Auch werde politischer Streit inzwischen als "unanständig" empfunden, kritisiert er. Zur Demokratie gehöre aber "konstitutiv der Streit. Wir müssen unterschiedliche Meinungen nicht nur aushalten, wir müssen sie haben." Diese müssten dann im politischen Ringen um die richtigen Antworten ausgetauscht werden.

"Demokratie ist schwerfällig und behäbig"

"Demokratie ist schwerfällig, behäbig, manchmal macht sie Fehler. Aber es ist die einzige Form, die den Menschen angemessen ist", so Merz.

Er mache sich insgesamt Sorgen um die Toleranz in der Gesellschaft und um die Debattenkultur, sagt der CDU-Politiker. So würden einige Historiker an Berliner Universitäten massiv bedrängt von Studenten, "ihre Meinungen zu korrigieren und bestimmte Themen nicht mehr anzusprechen", kritisiert er. "Das geht nicht, das passt nicht zu einer offenen Gesellschaft."

Immer zwei Anläufe nach großen Kanzlerschaften

Seine grundsätzliche politische Haltung sei der Kompromiss, betont Merz. Gleichwohl höre er immer wieder, dass er selbst polarisiere. Er bekomme aber aus dem Freundeskreis und der Familie häufig gespiegelt, dass er nicht so sei, wie er öffentlich beschrieben werde.

Zum Streit um den CDU-Vorsitz sagt Merz, die Partei habe nach allen drei großen Kanzlerschaften jeweils zwei Anläufe gebraucht, "um einen neuen Vorsitzenden für eine längere Zeit zu wählen". "Wir tun uns schwer mit der Nachfolge", räumt er ein. Dennoch werde der Wurf "dieses Mal sitzen".

(ahe)

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur