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Im Gespräch | Beitrag vom 14.09.2019

"Fridays for Future"Kann der Protestfunke auf alle überspringen?

Lucie Weber und Simon Teune im Gespräch mit Katrin Heise

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Zahlreiche Schüler stehen bei der Klimademonstration "Fridays for Future" im Lustgarten in Potsdam und halten unter anderem Plakate mit der Aufschrift "Wann wenn nicht jetzt - wer wenn nicht wir". (picture alliance/dpa/Monika Skolimowska)
Die "Fridays for Future"_Demo soll bald nicht nur für Schüler sein, sondern für alle Generationen. (picture alliance/dpa/Monika Skolimowska)

Im August 2018 begann Greta Thunberg ihren freitäglichen Schulstreik. Mittlerweile ist „Fridays for Future“ in mehr als 100 Ländern aktiv. Am 20. September rufen sie zum weltweiten Klimastreik auf – alle Generationen! Kann der Funke überspringen?

Freitag ist Streiktag: Seit rund einem Jahr gehen hunderttausende Schülerinnen und Schüler weltweit an jedem Freitag für den Klimaschutz auf die Straße. Allein in Deutschland gibt es über 600 Ortsgruppen.

"Uns gut zu finden, reicht nicht!"

"Greta ist für mich immer wieder ein Mutmacher. Sie hat gezeigt: Selbst kleine Sachen können einen Unterschied machen", sagt die deutsche Aktivistin Lucie Weber. Die 22-jährige Biologiestudentin aus München engagiert sich in mehreren Arbeitsgruppen, ist bundesweit als Koordinatorin aktiv und sitzt mit an einem runden Tisch im Bayerischen Landtag.

Ihre Erfahrung nach einem Jahr Jugendprotest: "Uns gut zu finden, reicht nicht. Es ist unglaublich wichtig, sich mit der eigenen Verantwortung auseinanderzusetzen. Es ist viel mehr Druck notwendig; es kann nicht sein, dass der Druck auf den Schultern von 16-Jährigen liegt."

Deshalb ruft "Fridays for Future" Deutschland beim weltweiten Klimastreik am 20. September ausdrücklich alle Generationen auf, sich zu beteiligen. An dem Tag tagt das Klimakabinett der Bundesregierung. Am 23. September findet zudem der UN-Klimagipfel in New York statt, an dem auch Greta Thunberg teilnehmen wird. "Fridays for Future" begleitet diese Treffen mit einer Streikwoche unter dem Na­men #week4CLIMATE.

Kinder stellen Lebensweise der Eltern infrage

Lucie Weber weiß, wie stark das Engagement der Kinder in das Leben der Familien eingreifen kann – das bleibe nicht ohne Spannungen: "Die Einstellung der Kinder stellt die Lebensweise der Eltern infrage: 'Ihr könnt fliegen, ich fliege nicht mit.'" Umso wichtiger sei es, dass es Gruppen wie "Parents for Future" gibt, die die Forderungen ihrer Kinder unterstützen – oder auch die Wissenschaftler von "Scientists for Future", die Protestierenden mit Fakten versorgen.   

"Es sind die richtigen Forderungen zur richtigen Zeit", sagt Dr. Simon Teune. "Aber was muss passieren, damit die Leute in der Lage sind, ihr Verhalten zu ändern?" Der 42-jährige Soziologe ist Vorstandsvorsitzender des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung an der TU Berlin. Sein Institut begleitet die Schülerstreiks mit Befragungen. "Da halten Schüler*innen den Politiker*innen den Spiegel vor, die viel zu lange nichts gemacht haben. Das sagt auch etwas über die Konstellation in Deutschland aus, die es schwierig macht, eine solche Radikalität umzusetzen. Das Hauptproblem dabei ist, dass wir eine Art von Wirtschaft haben, die sich nicht so einfach ändern lässt."

Wie hält man eine Bewegung am Kochen?

Der Protestforscher weiß, wie schwierig es ist, eine solche Bewegung am Kochen zu halten. Es gebe bei sozialen Bewegungen immer die Gefahr, dass das Engagement abebbt; dass die persönlichen und materiellen Ressourcen schwinden, einzelne Aktivisten Gefahr laufen, auszubrennen – und das Medieninteresse abnimmt. Umso wichtiger sei der Vorstoß, auch andere Generationen und Gesellschaftsschichten mit ins Boot zu holen.

"Fridays for Future" – Kann der Protestfunke auf alle überspringen?
Darüber diskutiert Katrin Heise heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Simon Teune und Lucie Weber.  Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de .

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