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Interview | Beitrag vom 21.07.2021

Frauenhäuser in der Pandemie Gewalt ohne Grenzen

Moderation: Liane von Billerbeck

Hedwig K. sitzt in ihrem Zimmer in einem Frauenschutzhaus.  (picture alliance/ dpa | Esra Ayari)
Wer sich vor der alltäglichen Gewalt des Partners in ein Frauenhaus retten kann, findet dort Hilfe und Unterstützung. (picture alliance/ dpa | Esra Ayari)

Durch die Coronakrise hat die Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften zugenommen – das beobachtet eine Sozialarbeiterin. Der Weg ins rettende Frauenhaus sei aber oft erschwert: Anrufe kämen auch von der Parkbank oder schon aus dem Krankenhaus.

Vor dem Hintergrund täglicher Gewalt bleibt vielen Frauen nur die Flucht ins Frauenhaus. Während der Pandemie sei der Zugang allerdings sehr erschwert gewesen, sagt eine Sozialarbeiterin und Therapeutin, die in einem Frauenhaus im Süden Deutschlands arbeitet. Sie heißt Kern mit Nachnamen, ihren vollständigen Namen will sie lieber nicht im Netz genannt sehen.

Für die Frauen geht es ums Überleben 

Viele Opfer von Gewalt kämen normalerweise über die Empfehlung von Dritten, beispielsweise die Frauenärztin oder eine Kollegin, berichtet Kern. Während des Lockdowns hätten einige dieser Kontakte aber gefehlt. Das Frauenhaus, für das sie arbeitet, erreichten vermehrt E-Mails, weil der gewalttätige Partner im Homeoffice war. Anrufe seien deswegen nicht von zu Hause, sondern eher von der Parkbank oder schon aus dem Krankenhaus gekommen.

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Für viele Frauen gehe es schlicht ums Überleben, wenn sie ins Frauenhaus kämen - oder darum, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen, sagt Kern. Die Pandemie habe die Lage noch einmal verschärft. Weil die Kinder nicht in der Schule waren, hätten sie dadurch viel mehr von der Gewalt mitbekommen.

Corona hat unser Leben verändert. Wir haben belastende Erfahrungen gemacht, aber auch Entwicklungen erlebt, die wir vielleicht gar nicht zurückdrehen wollen. Daher stellen wir vom 19. bis zum 25. Juli in unserem Programm die Frage: Was bleibt anders? Neben diesem Beitrag gibt es weitere:

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Kern beschreibt, wie Frauen von ihren Partnern gequält werden: Diese nähmen ihnen Medikamente oder Verhütungsmittel weg, oder auch das Handy. Das geliebte Haustier der Kinder werde gequält, Kameras würden aufgestellt.

Ständige Demütigungen im Alltag

Viele der betroffenen Frauen durchlitten ständige Demütigungen in ihrem Alltag, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen. Die Gewalt kenne keine Nationalität und auch keine bestimmte Schicht, betont die Sozialarbeiterin.

Im Frauenhaus werde dann auf vielfältige Weise geholfen. Da gehe es um die medizinische Hilfe bei Verletzungen, um Unterstützung für die Kinder, aber auch um anwaltlichen Rat bei Sorgerechtsfragen oder einer möglichen Scheidung.

(gem)

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