Seit 05:05 Uhr Studio 9

Mittwoch, 23.10.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 12.05.2019

Frauenaufstand in der katholischen KircheAuftreten statt Austreten

Christiane Florin im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Mehrere Hundert Frauen und Männer versammeln sich zu einer Mahnwache vor dem Dom in Münster.  (dpa / Carsten Linnhoff)
Teilnehmerinnen am Kirchenstreik unter dem Slogan "Maria 2.0" in Münster. (dpa / Carsten Linnhoff)

Frauen stellen mehr als die Hälfte der deutschen Katholiken. Gleichberechtigt sind sie in ihrer Kirche aber nicht. Die Bewegung "Maria 2.0" wendet sich nun gegen die Männerdominanz. Die Journalistin Christiane Florin begrüßt die Initiative.

Das Thema der fehlenden Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gäre schon seit langem und man hätte den Eindruck bekommen können, dass die Frauen resigniert hätten, sagt die Journalistin Christiane Florin.

"In der katholischen Kirche werden Frauen diskriminiert, weil sie nicht alle Möglichkeiten haben wie die Männer. Das sichtbarste Zeichen ist, dass Frauen nicht geweiht werden können. Die Diskrepanz zwischen Kirche und Welt ist in den vergangenen Jahrzehnten immer größer geworden. Viele Frauen und auch Männer haben diese Kirche deshalb schweigend verlassen."

Gottesdienste ohne Kleriker

Die Bewegung "Maria 2.0" setze nun ein neues Zeichen. Es zeige, dass ihnen die Kirche wichtig sei. "Diese Frauen wollen auftreten statt austreten." Vielleicht sei der Begriff Streik für die Aktion nicht ganz zutreffend. "Die Frauen machen ja was: Sie feiern Gottesdienste, nur eben ohne Kleriker."

Die Argumentation des Vatikan, dass Frauen nicht geweiht werden können, weil beim Abendmahl nur Männer anwesend waren, lässt Florin nicht gelten:

"Jahrhundertelang hatte die Ablehnung von Frauen als Priesterinnen nichts damit zu tun, dass Jesus und die Apostel Männer waren, sondern damit, dass Frauen als minderwertig angesehen wurden. Die Argumente, die heute vorherrschen, stammen aus den 70ern. Da hatte man gemerkt, dass man mit der alten Argumentation nicht mehr weiterkam. Jesus aber hat niemanden zum Priester geweiht. Die Priesterämter haben sich erst über die Jahrhunderte entwickelt."

Bei den Forderungen gehe es aber nicht nur um die Weihe, sagt Florin:

"Zuerst geht es darum, den Zustand angemessen zu beschreiben, zu sagen: Es ist eine Diskriminierung! Darüberhinaus gibt es noch einen offenen Brief, in dem der Umgang der Kirche mit sexualisierter Gewalt thematisiert wird. 'Maria 2.0' fordert, dass Kleriker Verantwortung übernehmen, fordert eine echte Aufarbeitung. Das ist ein umfassendes Reformprogramm, dass da auf der Agenda steht." 

Die Konditionierung der Kirche ablegen

Merkwürdig sei die Haltung der Kirchenleitung. "Die Bischöfe weichen dieser Debatte aus. Das ist zwar erwartbar, aber irgendwann müssen sie mal die Zeichen der Zeit erkennen. Die Frauen nennen sich 'Maria 2.0' weil sie nicht mehr die alte, demütige, geduldige, Maria sein wollen, die immer schweigt, sondern weil sie die katholische Konditionierung ablegen wollen."

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDer Traum vom Fliegen
Richard Neuhauss (1855–1915), Otto Lilienthal am Fliegeberg in Lichterfelde. (Museum LA8/Otto Lilienthal-Museum, Anklam)

Eine Ausstellung über das Fliegen wird in der "Welt" besprochen und resümiert: "Was die mutigen Pioniere allesamt unterschätzt hatten: Über den Wolken ist auch die Unfreiheit grenzenlos." Auch die anderen Feuilletons besprechen Ausstellungen.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur