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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.11.2016

Französische Literaturauszeichnung Leïla Slimani erhält den Prix Goncourt

Dirk Fuhrig im Gespräch mit Anke Schaefer

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Die Schrifstellerin Leila Slimani. (JOEL SAGET / AFP)
Die Schriftstellerin Leïla Slimani ist mit dem diesjährigen Prix Goncourt ausgezeichnet worden. (JOEL SAGET / AFP)

Für ihren Roman "Chanson douce" erhält die Autorin Leïla Slimani den Prix Goncourt. Es thematisiert den Mord eines Kindermädchens an den ihr anvertrauten Kindern. Das Buch habe die Leser in Frankreich sehr bewegt, sagt der Literaturkritiker Dirk Fuhrig.

Leïla Slimani wird mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, teilte die Jury heute mit. Der renommierte französische Literaturpreis wird für das beste erzählerische Werk des laufenden Jahres in französischer Sprache vergeben. Er ist nur mit symbolischen zehn Euro dotiert.

Die französisch-marokkanische Autorin Slimani ist für ihr Buch "Chanson douce" (etwa "Sanftes Wiegenlied") ausgezeichnet worden. Es ist der zweite Roman der 35-jährigen Schriftstellerin und Journalistin, sagt der Literaturkritiker Dirk Fuhrig im Deutschlandradio Kultur. Bisher sei keines ihrer Werke auf Deutsch erschienen. Der Roman habe ihn allerdings nur "in Maßen begeistert":

"Ich würde sagen: Es war nicht mein persönlicher Favorit aus der Liste der letzten vier Bücher waren. Aber es war durchaus absehbar, weil es eines der Bücher ist von diesen vieren, die sich am besten verkauft haben in Frankreich in der letzten Zeit."

Thema von "Chanson douce": der Mord an zwei Kindern

Es sei insgesamt aber ein gut geschriebenes und gut komponiertes Buch, meint Fuhrig. Dessen Thema bewege sehr viele Leser in Frankreich:

"Es geht um ein Kindermädchen, das die Kinder eines Ehepaares ermordet. Slimani hat eine wahre Geschichte zum Vorbild genommen, die sich aber in New York zugetragen hat bei einem Ehepaar der Oberklasse. Die hatten ein Aupair-Mädchen aus England. Sie hieß Louise, sie hat die beiden Kinder umgebracht. Und Louise heißt auch die Protagonistin in dem Roman von Slimani. Das Ganze spielt nun in Paris, bei einem Ehepaar aus dem gehobenen Bürgertum."

Kritik am "Männerclub" Prix Goncourt

Es sei erfreulich, dass der Prix Goncourt dieses Mal an eine Frau gehe, sagt Fuhrig:

"Also: Es ist ja schon ein Männerclub, das ist dieser Prix Goncourt immer gewesen. Das ist natürlich jetzt sehr schön. Vor allem auch, dass es eine junge Autorin ist. In dem Buch steckt noch mehr als diese Kindsmordgeschichte, sondern es geht auch um eine Klassenfrage."

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