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Studio 9 | Beitrag vom 18.08.2019

Frankfurt am MainCem Özdemir mit Ignatz Bubis-Preis geehrt

Von Waia Stavrianos

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Grünenpolitiker Cem Özdemir (r) nimmt in der Paulskirche von Oberbürgermeister Peter Feldmann den Ignatz-Bubis-Preis entgegen. (imago images / Peter Hartenfelser)
Grünenpolitiker Cem Özdemir (r) nimmt in der Paulskirche in Frankfurt von Oberbürgermeister Peter Feldmann den Ignatz Bubis-Preis entgegen. (imago images / Peter Hartenfelser)

Der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir ist mit dem Ignatz Bubis-Preis der Verständigung ausgezeichnet worden. Er habe „ein außergewöhnliches Engagement zum Aufbau einer friedlichen Welt mit Offenheit und Toleranz vorgelebt", so die Begründung.

Cem Özdemir ist sichtlich gerührt, dass ausgerechnet er mit dem Ignatz Bubis-Preis der Verständigung geehrt wird. Denn der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde und des Zentralrats der Juden in Deutschland war ein Vorbild für den jungen Deutschtürken, als er sich für eine politische Laufbahn entschieden hat. Vor allem Bubis Rolle nach den Attentaten in Solingen, am 29. Mai 1993, hat Özdemir beeindruckt. Damals sind fünf Kinder und Enkel von Mevlüde Genc getötet worden. Die türkische Community war in Aufruhr.

"Die Stimmung drohte zu kippen und dann sprach kein Geringerer als Ignatz Bubis. Türken, Kurden, Aleviten, Suniten, Kemalisten, Religiöse – auf keinen in den eigenen Reihen konnte man sich einigen. Doch die Worte von Ignatz Bubis sprachen ihnen allen aus dem Herzen."

Haltung bewahren zu einer freiheitlichen Demokratie

Auch heute sei es wieder mehr denn je Zeit, Haltung zu bewahren zu einer freiheitlichen Demokratie, wie sie in Deutschland gelebt werde, sagt Özdemir in seiner Dankesrede:

"Wir haben es heute auf den Straßen wie in den Parlamenten mit einer Bewegung zu tun, die nicht nur die Zukunft in den dunkelsten Ecken der Vergangenheit sucht, sondern auch nationalistischen Hass schürt, rechtsextremen Straftaten den Boden bereitet und mit ihren rassistischen Parolen unser Land spalten möchte. Und gerade deshalb möchte ich diesen Feinden der Demokratie nicht die Symbole unseres freiheitlichen Staates überlassen, nach denen sie greifen. Den Feinden unserer Demokratie gehört unsere gemeinsame Fahne –, gehört Schwarz-Rot-Gold garantiert nicht!"

Über diese Gefahr spricht auch die afrodeutsche Grünenabgeordnete aus Schleswig-Holstein, Aminata Touré, in ihrer Laudatio für Cem Özdemir. Seine klare Haltung als Politiker sei wichtig, gerade nach den aktuellen Ereignissen:

"Die Erschießung von Walter Lübcke; der Mann, der in Wächtersbach angeschossen wurde; Debatten darüber, ob Kinder an Grundschulen dürfen oder nicht, wenn sie noch nicht Deutsch sprechen; Tönnes rassistische Aussagen über Afrikanerinnen, Angriffe auf den Rabbiner Teichtal in Berlin oder aber auch der Angriff in München… und ich könnte noch so viele weitere nennen, leider."

Özdemir gibt Menschen eine Stimme

Politiker wie Cem Özdemir gäben außerdem all denjenigen Menschen in Deutschland eine Stimme, die einen Migrationshintergrund haben.

Touré: "Cem, Du bist nicht nur wichtig, weil Du einen Migrationshintergrund hast – nein, sondern weil Du für diese Gruppe relevante Themen ansprichst, Forderungen für sie formulierst, sie politisch durchkämpfst und ebenso einforderst, sich als Teil dieser Gesellschaft zu verstehen!"

Bei der Preisverleihung sitzt Ignatz Bubis‘ Witwe Ida in der ersten Reihe neben Oberbürgermeister Feldmann. Sie war maßgeblich daran beteiligt, dass Cem Özdemir heute diesen Preis bekommen hat. Dieses Engagement begründet sie damit:

Ida Bubis: "…dass er sich einsetzt für Werte, die allgemein sind. Wie mein Mann: Er hat ja nicht nur die jüdischen belange verteidigt, sondern allgemein. Und das ist eine Generation, das ist die Zukunft!"

Der Ignatz Bubis-Preis wird seit 2001 alle drei Jahre vergeben und ist mit 50.000 Euro dotiert.

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