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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.11.2020

Frank Dupree spielt Nikolai Kapustin und George AntheilWenn Jazz in die Klassik jammt

Moderation: Stefan Lang

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Frank Dupree sitzt auf einer Truhe vor einer gelb-braun-rot gestreiften Tapete und lacht. (Frank Dupree / Marco Borggreve)
Frank Dupree ist nicht nur Pianist und Dirigent, sondern auch Jazz-Schlagzeuger. (Frank Dupree / Marco Borggreve)

Der Jazz ragte schnell in die Klassik. Nikolai Kapustin, im sowjetischen Raum verortet, und der Amerikaner George Antheil haben das Kribbeln des Improvisierens in ihre Konzerte und Sinfonien eingeschrieben. Frank Dupree, studierter Jazzer, sitzt am Klavier.

Das Konzert wurde zur Studiosession in Erlenbach umformatiert - somit können wie Ihnen auch heute wieder eine frische Aufzeichnung bieten. Dieses Mal kreist der Abend um Musik, die das Lebendige des Jazz atmet.

Der Mann mit den gut gelaunten Synkopen – so wurde der Komponist Nikolai Kapustin von einem Kritiker charakterisiert. Er wurde im November 1937 in der damals noch zur Sowjetunion gehörenden Ukraine, in Horliwka, geboren. Als Pianist wurde er gründlich ausgebildet, er stammte aus der Schule um Felix Blumenfeld und Alexander Goldenweiser – da gehen die Intentionen dann zu Arensky und Rachmaninow zurück.

Liebhaber des Improvisatorischen

Danach arbeitete er als Filmkomponist und spielte als Pianist in den Bigbands von Juri Saulski und Oleg Lundstrem, er wurde zum Pionier des russischen Jazz. Davon zeugen auch seine Werke: 20 Klaviersonaten, 6 Klavierkonzerte und weitere Stücke für Klavier in verschiedenen Kombinationen - vitale, spritzig, vielseitig, voller Ideen und auch Emotionen. Kapustin ist im Juli 2020 in Moskau gestorben.

Seit einigen Monaten finden seine Werke besondere Aufmerksamkeit, in Konzerten oder bei Aufnahmeprojekten. So auch im Deutschlandfunk Kultur: einige Kapustin-CDs entstanden in jüngster Zeit in Kooperation mit verschiedenen Labels.

Amerikanischer Bad Boy

Eine musikalische Urkraft, eine ganz individuelle Kraft der Umsetzung seiner Ideen, dafür stand George Antheil, der seine Biographie genauso betitelte: "Bad Boy of music". Eine gründliche Ausbildung erhielt auch George Antheil - in Amerika, zuerst in Philadelphia, anschließend in New York. Später ging er nach Paris, um danach wieder in Amerika zu arbeiten.

Neue Filmmusik wirkt auf Konzertbetrieb

Seine musikalischen Experimente waren eng an den Film geknüpft. Die Musik, die zuerst live für den Stummfilm von Klavier und Kinoorgeln bestritten wurden, erfuhren mit dem Einzug des Tones in die bewegten Bilder eine Ablösung durch symphonisch-orientierte Orchesterklänge. Doch hier schlich sich langsam Musik der Bigband und des Jazz ein - die Filmmusik wurde aufregender, aufreizender und agiler.

Aus solch einer Filmmusikerfahrung heraus erwuchs Antheils "Jazz Symphony", die er 1925 komponierte und schließlich 1927 in der Carnegie Hall uraufführen konnte. Etliche Veranstalter hatten zuvor das Werk abgelehnt: zu radikal.

Aufzeichnung des Konzertes vom 26. Oktober 2020 in der Sulmtalhalle Erlenbach

Nikolai Kapustin
Klavierkonzert Nr. 4 op. 56
Doppelkonzert für Klavier und Violine op. 105

Frank Dupree, Klavier
Rosanne Philippens, Violine
Württembergisches Kammerorchester Heilbronn
Leitung: Case Scaglione

Im Anschluss:
Aufzeichnung des Konzertes vom 5. Januar 2017 in der Philharmonie Ludwigshafen

George Antheil
"A Jazz Symphonie" Fassung 1925
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1

Frank Dupree, Klavier
Adrian Brendle, Klavier
Uram Kim, Klavier
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Leitung: Karl-Heinz Steffens

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