Seit 20:03 Uhr Konzert

Mittwoch, 14.11.2018
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.11.2016

Francis Kéré"Eigentlich bin ich ein deutscher Architekt"

Moderation: Britta Bürger

Podcast abonnieren
Der Architekt Francis Kéré bei einem Besuch in Berlin. (Daniel Schwartz/Gran Horizonte Media)
Der Architekt Francis Kéré bei einem Besuch in Berlin. (Daniel Schwartz/Gran Horizonte Media)

Der Architekt Francis Kéré erntet zurzeit große Erfolge. Gerade erst wurde bekannt, dass er für die Volksbühne Berlin einen spektakulären Theaterbau auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof plant. Außerdem widmet sich eine Ausstellung in München seinem Werk.

Francis Kéré stammt aus Burkina Farso, sein Abitur und sein Studium absolvierte er aber in Deutschland. Für sein erstes Werk, den Bau einer Grundschule in Gando, kehrte er in seine Heimat zurück. Er gewann den renommierten "Aga Khan Award for Architecture" und entwirft seitdem Gebäude, die architektonisch herausragend sind und zugleich für soziales Engagement stehen.

Das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne zeigt noch bis zum 26. März 2017 eine Ausstellung, die in das Werk des Architekten einführt. Im Deutschlandradio Kultur sprach Kéré über seine Vorstellungen von sozialer Architektur und den Bau der Grundschule in Gando:

"Die Idee, die ich hatte, war - natürlich, weil das Geld immer knapp war - zunächst mit der ganzen Bevölkerung zu arbeiten. Das ganz Dorf hat beim Bau mitgeholfen. Da das Land so arm ist, ist es wichtig, ein Gebäude zu bauen, das sich selbst kühlt. Zu meiner Zeit habe ich in einem Klassenraum mit mehr als 100 anderen Kindern gesessen und es war immer heiß."

Das "Lycée Schorge" in Koudougou, Burkina Faso, 2016. (Daniel Schwartz/Gran Horizonte Media)Das "Lycée Schorge" in Koudougou, Burkina Faso, 2016. (Daniel Schwartz/Gran Horizonte Media)

Besondere Aufmerksamkeit in Deutschland erreichte Kéré mit dem Projekt "Operndorf Afrika", das Christoph Schlingensief initiiert hatte. "Christoph liebte mein Dorf und meine Arbeitsweise", sagte der Architekt. Schlingensief habe seine Art des Bauens als "soziale Plastik" verstanden. Der 2010 gestorbene Theaterregisseur sei voller Energie gewesen. "Wir haben uns gegenseitig befruchtet", sagt Kéré.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass der afrikanische Architekt ein weiteres spektakuläres Projekt angeht. Kéré plant einen Theaterneubau für die Volksbühne auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof in Berlin.

"Das ist wirklich eine große Chance für mich, in der Stadt, die zu meiner zweiten Heimat geworden ist, endlich mal das, was ich in Deutschland gelernt habe, auch dort zu realisieren. Eigentlich bin ich ein deutscher Architekt."

Ein Entwurf des geplanten Satelliten-Theaters am Flughafen Tempelhof in Berlin. Francis Kéré ist der Architekt des Neubaus. (Kéré Architecture)Ein Entwurf des geplanten Satelliten-Theaters am Flughafen Tempelhof in Berlin. Francis Kéré ist der Architekt des Neubaus. (Kéré Architecture)

Kéré, der an der TU Berlin studiert hat, sagte, sein ganzes Team sei voller Begeisterung für das neue Projekt. Er arbeite mit Künstlern aus aller Welt zusammen, die Bühne stelle er sich wie eine zusammenfaltbare Zieharmonika vor.

Mehr zum Thema

5. Todestag von Christoph Schlingensief - Seine Kunst war einzigartig
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 21.08.2015)

Schlingensief-Opernprojekt in Burkina Faso - "Das Dorf ist eine Verrücktheit"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 28.12.2014)

Neuer Stil - Soziale Architektur
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 04.08.2014)

Widerspruch gegen die Großarchitekten
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 09.08.2013)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsTellkamp beklagt "Kulturdiktatur"
Der Schriftsteller Uwe Tellkamp (picture alliance / dpa-Zentralbild / Sebastian Kahnert)

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp attackiert Medien und Kulturbranche, berichtet die "Welt". Er wirft ihnen vor, keinen Widerspruch zu ertragen - und reagiert damit auf Kulturinstitutionen, die sich zu einem Bündnis gegen Rechts zusammengeschlossen hatten. Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 9Überwältigende Übergänge
Die Schauspielerin Sesede Terziyan (als Elisabeth) steht am 10.01.2018 in Berlin bei der Fotoprobe zu dem Stück "Glaube Liebe Hoffnung" im Maxim Gorki Theater auf der Bühne. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa)

Ist das "Postmigrantische Theater" ein Erfolg? Wie erlebten jüdische Bühnenkünstler Deutschland eigentlich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil? Im Theaterpodcast #9 schauen wir auf einschneidende Übergänge und erinnern an den verstorbenen Theaterkritiker Dirk Pilz.Mehr

Folge 8"Siegreich" und "schiffbrüchig"
Porträt der Kulturmanagerin Adolphe Binder. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)

Was steckt hinter der Theaterkrise in Wuppertal und den Vorwürfen gegen Jan Fabre? Warum sind die Arbeiten des Regisseurs Jürgen Gosch so unvergesslich? Im September-Theaterpodcast schauen wir auf "siegreiche" und "schiffbrüchige" Theatermacher.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur