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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 28.11.2020

Fragen und Fakten zur Corona-ImpfungKleiner Piks, große Hoffnung

Moderation: Katrin Heise

Illustration einer Impfung bei einem Kind. (imago / fStop Images / Malte Müller)
Schon im Dezember 2020 soll die Covid-19-Impfung in Deutschland beginnen. (imago / fStop Images / Malte Müller)

Sie ist der Lichtblick in diesen düsteren Corona-Zeiten: Die Impfung. Mehrere Wirkstoffe stehen vor der Zulassung; deutschlandweit werden in Windeseile Impfzentren aufgebaut. Doch in die Begeisterung mischen sich auch Fragen.

Weihnachten steht vor der Tür, doch Corona macht keine Pause. In dieser Woche wurde die Grenze von einer Million Infizierter in Deutschland überschritten. Die Zahl der Todesfälle, die mit der Viruserkrankung in Verbindung stehen, steigt. Die Einschränkungen im Alltag werden verschärft. Umso hoffnungsvoller blicken viele auf die Fortschritte bei den Impfstoffen. Bundesweit werden im Eiltempo Impfzentren aufgebaut, möglicherweise können erste Impfungen bereits im Dezember erfolgen.

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Doch in die Hoffnung mischen sich auch Fragen: Was sind das für Impfstoffe, wie wirksam und wie sicher sind sie? Wer soll wann geimpft werden? Ist mit der Impfung die Gefahr gebannt? Und was passiert mit jenen, die sich nicht impfen lassen wollen?

Eine beispiellose Logistik

"Von der Logistik hängt sehr viel ab", sagt Dr. Martin Terhardt. Der Kinder- und Jugendmediziner ist Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut; das Gremium aus 18 ehrenamtlichen Vertretern entwickelt Impfempfehlungen für Deutschland. "Personal muss rekrutiert und organisiert werden, es muss Einsatzpläne geben, Impfpläne. Denn alle die, die jetzt geimpft werden, müssen in drei Wochen wieder eingeladen werden." Parallel müssten andere zeitversetzt geimpft werden.

Der Mediziner hat sich auch mit den möglichen Nebenwirkungen beschäftigt, es gebe keine Anzeichen für etwaige Spätfolgen. Gleichwohl kann Martin Terhardt verstehen, dass manche Menschen der Impfung skeptisch gegenüberstehen. Er wolle keine Impfpflicht. Ziel müsse vielmehr sein, die Menschen zu informieren und zu überzeugen, dass die Krankheit nur zurückgedrängt werden könne, wenn sich entsprechend viele Menschen impfen lassen. "Jeder muss für sich entscheiden."

Wer soll wann geimpft werden?

"Wir müssen eine transparente Zuteilung schaffen, diese Transparenz ist wichtig für die Akzeptanz der Impfung", sagt Prof. Dr. Wolfram Henn. Der Mediziner und Humangenetiker leitet die Genetische Beratungsstelle der Universität des Saarlandes. Als Mitglied des Deutschen Ethikrates hat er an den Empfehlungen für die Corona-Impfung mitgearbeitet, gemeinsam mit der Stiko und der Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina.

Die wichtigste Frage dabei: die Priorisierung, also wer soll wann geimpft werden? Ganz oben, so Henn, stünden ältere Menschen, Bewohner von Pflegeheimen, Menschen mit Vorerkrankungen. "Damit können wir auch der Überlastung des Gesundheitssystems begegnen. Dann medizinisches Personal, gestaffelt zwischen denen, die ganz hart an der Front sind: Intensivkräfte, Personal von Pflegeheimen. Ganz wichtig sind auch Ordnungskräfte, die Corona-Partys sprengen, Polizisten." Gerade angesichts des anfangs knappen Impfstoffes müsse genau überlegt und begründet werden, wie man ihn aufteilt.

Die Corona-Impfung – eine Frage der Moral?

Die Impfentscheidung müsse letztlich jeder selbst treffen. Als Ethiker sieht Wolfram Henn aber auch eine moralische Komponente: Jeder habe nicht nur eine Verantwortung für sich selbst, sondern auch für andere. "Es ist viel wahrscheinlicher, durch die Krankheit Schaden zu nehmen, als durch die Impfung. Es ist sicher, dass Tausende von Leben verloren gehen und Existenzen vernichtet werden, wenn wir es mangels gemeinsamer Impfanstrengung versäumen sollten, unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft aus der Agonie zu führen."

(sus)

Weitere Informationen finden Sie auf diesen Websites:

- Robert-Koch-Institut (RKI)
- Paul-Ehrlich-Institut (PEI)
- Bundesministerium für Gesundheit

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