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Interview | Beitrag vom 16.02.2021

"Fräulein" vor 50 Jahren abgeschafftWenn Sprachdebatten mit Humor geführt werden

Helga Kotthoff im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine Kellnerin in einer weissen Schürze serviert Espresso auf einem Silbertablett. (imago images/imagebroker)
Die Anrede „Fräulein“ war in der Gastronomie früher üblich: Anders als das französische "Madame" könne hier "Frau" keine Alternative sein, sagt Helga Kotthoff. (imago images/imagebroker)

Vor 50 Jahren wurde die Anrede "Fräulein" abgeschafft. Die Germanistin Helga Kotthoff erinnert sich an humorvolle Szenen, als Teenager plötzlich "Frau" waren. Für heutige Diskussionen über das Gendern wünscht sie sich mehr Zwischentöne.

Es war gewöhnungsbedürftig, als junge Frauen vor 50 Jahren nicht mehr "Fräulein", sondern "Frau" genannt wurden: Viele hätten sich einen "Ruck geben" müssen, erinnert sich die Germanistin Helga Kotthoff: "Ich bin jetzt Frau." Das habe mitunter zu Gelächter beispielsweise bei Telefonaten geführt.

Ältere Frauen seien aber sehr froh gewesen, als ihr offizieller Status als "Fräulein" und damit als Ledige passé war.

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Kotthoff verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine sprachliche "Lücke", wie sie es nennt: Früher habe man eine Kellnerin "Fräulein" gerufen. "Frau" könne hier als Anrede aber nicht allein stehen, eher müsste man dann "Meine Dame" sagen. Anders sei das im Französischen, wo es einfach "Madame" heiße.

Frauen und Kinder bleiben "der Liebling"

Heutigen Diskussionen über das Gendern und das generische Maskulinum mangelt es nach Auffassung der Germanistin an Gelassenheit.  "Ich sehe einen starken Zusammenhang zwischen Genus und Sexus", betont Kotthoff. "Trotzdem könnten wir uns auch Zwischentöne erlauben."

Stattdessen gebe es "diese absoluten Pro- und Contra-Lager". Doch etwa das Wort "Liebling", das maskulin sei, werde weiter für Frauen oder Kinder benutzt. Dieser Begriff sei nicht so streng zu sehen, wie in der Öffentlichkeit zur Zeit debattiert werde. 

Probleme mit dem neuen gesprochenen Plural

In der Linguistik selbst beobachtet Kotthoff "zumindest eine freundliche Diskussion". Längst schon würden auch substantivierte Partizipien wie "Studierende" oder "Lehrende" verwendet.

Das sei sicher leichter zu nehmen als der neue gesprochene Plural, findet sie: "Da gibt es auch Merkwürdigkeiten. Ich kann schlecht vom 'Lehrer*innenzimmer' sprechen – dann suche ich demnächst das 'Lehrer-Außenzimmer'."(bth)

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